Haute cuisine à la Anke – Teil 1

Ich hatte neulich ja gesagt, dass ich den Drang habe, die Rezepte aus Ankes Blog nachzukochen, weil sie sie so lecker darstellt und abfotografiert. Und weil. Heute also: Scharfer Tofu mit Sojasauce und Frühlingszwiebeln. Dieses Rezept (und vor allem das Bild dazu) lacht mich schon seit Tagen an. Und da ich mir vorgestern gefühlt eine Tonne Tofu gekauft hatte, musste ich es gestern einfach nachkochen.

Ich habe versucht, mich an Ankes Mengen- und sonstigen Angaben zu halten, aber es ging nicht überall. Zum Beispiel hatte ich keine 8 milden roten Chilischoten, geschweige denn dass ich so genau gewusst hätte, was milde rote Chilischoten eigentlich sind. Anke, wo kaufst du bloß das ganze Zeug immer? Ich hatte nur zwei etwas längere, ein wenig ältere rote Chilischoten, deren Innenhäute und Kerne ich weitgehend entfernt habe, da ich mich möglichst nah ans “milde” ranpirschen wollte. Ich glaube auch, dass ich keine insgesamt 3 EL Ingwer zusammengekriegt habe, irgendwann hatte ich keine Lust mehr zu schnippeln. Reiben hatte ich mir eh abgeschminkt. Insofern ist es bei mir auch kein “Gemüseberg” geworden, das war schonmal das erste Fragezeichen. Da ich des Weiteren nicht so der große Pfefferfan bin, wurden es bei mir auch keine 5 EL, sondern nur so’n paar Umdrehungen der Pfeffermühle. Frischgemahlen immerhin. Achja, und meine Frühlingszwiebeln waren nicht sehr dünn, aber da habe ich einfach keine ganzen 16 genommen.

Was mich total abgestoßen hat: die Speisestärke. Es war das erste Mal in meinem Leben (!), dass ich mit sowas hantierte, und ich muss mich heute noch schütteln ob des beinah tauben Gefühls in den Fingern, nachdem man quasi darin gebadet hat. Buaaahh. Außerdem sah meine Küche danach aus, als wären Junkies mit Delirium Tremens auf eine Stippvisite vorbeigekommen.

Anke sagt, sie nutzt immer den geräucherten Tofu. Da ich noch Newbie bin, hatte ich sowohl geräucherten als auch (gna) nicht geräucherten gekauft. Und musste mehrerlei feststellen:
- der geräucherte Tofu riecht leckerer interessanter als der weiße
- der weiße Tofu wird nicht “schön gebräunt”, egal wie lange man ihn in der Pfanne vor sich hin bruzzeln lässt
- 800 Gramm Tofu in kleinen Häppchen lassen sich nicht auf einmal in der Pfanne braten, auch wenn’s die größte ist, die du im Haus hast
- Gedanke zwischendurch: “Ich nehm ab heute nur noch geräucherten, der schmeckt doch tausendmal besser!”
- Verwurf des Gedankens zwischendurch, Erkenntnis beim Essen erlangt: “Die Mischung von weißem und geräuchertem Tofu ist eigentlich eine gute Sache, man bekommt ein bisschen Variation im Geschmack des ansonsten eher… drögen Tofus.” (Obwohl, wenn man’s genau nimmt, ist “dröge” ja nicht das richtige Wort, den trocken ist das Zeug ja wirklich nicht, aber schon ein wenig… langweilig. Ich frage mich, wie das Gericht mit Hähnchenfleisch geschmeckt hätte.)

Also habe ich eine gefühlte Ewigkeit den Tofu in Schichten angebraten und NATÜRLICH dabei vergessen, währenddessen das Gemüse kleinzuhacken. Deswegen musste ich den Tofu ewig in der Schüssel neben dem Herd stehen lassen, denn 150 Trillionen von Schalotten, Knoblauchzehen, Chilis und Ingwer zerhackeln sich nicht von selbst. Außerdem fiel mir noch in letzter Sekunde ein, dass ich ja noch Reis dazu machen könnte. Erst nach all dem konnten wir also gegen 21 Uhr essen. Geplant war acht, aber wir nehmen das hier nicht so genau mit den Uhrzeiten. Ja, ich weiß, ein Restaurant zu leiten wär nix für mich.

Es war eine Heidenarbeit, fand ich. Das Rezept ist ja schon so lang. Irgendwie scheinen Anke und ich komplett unterschiedliche Definitionen von “geht schnell” zu haben.

Beim Kochen roch es göttlich, wir haben uns so richtig drauf gefreut. Als es endlich fertig war, mussten wir feststellen, dass kaum Sauce übrig – und diese relativ geschmacksarm war obendrein. Wir haben mit den Saucenkomponenten Ketjap Manis, helle und dunkle Sojasauce nachgewürzt, und ich frage mich, ob ich nicht doch vielleicht die 3 EL Ingwer und 5 EL Pfeffer…

Fazit: Tu ichs wieder? Vielleicht, aber dann mit geänderten Mengenangaben. 800 Gramm Tofu ist eine Menge für die ganze Familie, dafür werde ich mehr Gemüse nehmen, und ganz bestimmt auch variieren: Chinakohl, Karotten, Paprika, Zucchini, irgendwie sowas. Oder die anderen Teile ein bisschen größer schneiden. Die waren ganz schön winzig, die “Bisschen”. Ach ja, und Tofu schmeckt echt merkwürdig, das muss ich an dieser Stelle nochmal in aller Ausdrücklichkeit…

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6 Comments Write a comment

  1. Hihi, so ähnlich geht mir das auch ganz oft beim Nach-Rezept-Kochen. Manche Rezepte kann man glaube ich einfach nicht nachkochen. Wenn Du nicht gerade mit Fleischessen aufgehört hättest, würde ich dir ja das Kochbuch “Chicken” ans Herz legen (ISBN 3-89893-090-4). Die Rezepte klappen immer. Man kann das Huhn allerdings auch prima weglassen oder durch Tofu oder sonstiges ersetzen. Schau dir das ruhig mal an.

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  2. Bin auch schon einige Mal verzweifelt, weil es mit dem Nachkochen einfach nicht funktioniert hat. Da heißt es einfach nur Durchhalten :-)

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  3. Das ist ja das Nette am Tofu, dass er nicht so einen penetranten Eigengeschmack hat und man ihn deshalb zum Beispiel in Sojasauce marinieren kann. Hm.

    Das Rezept ist für vier Personen und – das hatte ich auch geschrieben – eigentlich wird der Tofu im Wok frittiert. Das war mir aber zu fettig, daher habe ich ihn gebraten. Bis jetzt ist bei mir auch der zickigste Tofu irgendwann braun geworden, wenn die Pfanne ordentlich heiß war.

    Ich weiß auch nicht, was „milde rote Chilis“ sind; ich hab einfach die kleinen roten Dinger genommen, die bei jedem Gemüsemenschen rumliegen und davon soviel reingesäbelt, wie ich wollte.

    Bei mir (ich hab’s aber auch nur für eine Person gemacht, also mit 200 g Tofu und alles andere gedrittelt) hat’s wirklich nur ein halbes Stündchen gedauert, und ich fand’s großartig. Sorry, wenn das bei dir nicht hingehauen hat.

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