Littlejamie - The best things come in small packages

Pfingsten

18.05.2013 16:11 | Kommentare: 1 Facebook Sharing Icon Twitter Sharing Icon Flattr Icon
Pfingsten. Pentecost. Fünfzig Tage. Nach oder vor was keine Ahnung, aber fünzig sind's auf jeden Fall, das sagt mir mein Sprachverständnis. Woran ich aber immer — und ich meine wirklich IMMER — denken muss, ist folgendes:

Wintersemester 1993/94, die University Players proben Shakespeares "Comedy of Errors".
Akt 4, 1. Szene. Auftritt zweiter Händler, Angelo und ein Offizier.

Zweiter Händler zu Angelo:
"You know since Pentecost the sum is due,
And since I have not much importuned you..."

Regie zum zweiten Händler:
"Und hier dreh dich um zum Offizier und mach eine Geste à la 'Ich bin ja kein Unmensch...'"

Es gibt Dinge, die sich einem auf ewig ins Hirn einbrennen.

Erstens: Egal in welcher Inszenierung oder Darreichungsform, ich kann diese Szene seitdem nicht sehen, ohne darauf zu achten, ob der Händler die gleiche Art der zur Schau gestellten Großzügigkeit signalisiert.

Zweitens: Pfingsten. Jedes Mal.

Schönes langes Wochenende allerseits!

Heimat. Oder so.

18.05.2013 12:45 | Kommentare: 1 Facebook Sharing Icon Twitter Sharing Icon Flattr Icon
Ich habe die ersten 14 Jahre meines Deutschland-Lebens in Billstedt gewohnt.


Das war lange vor meiner Zeit.

(Weiß irgendwer, ob und wo es den ganzen Beitrag gibt? Ich würde ihn gern sehen)

Auf dem Weg nach Tel Aviv - Gedankenfitzel

10.05.2013 14:33 | Kommentare: 1 Facebook Sharing Icon Twitter Sharing Icon Flattr Icon
Ende April war ich für ein paar Tage in Israel.

Wann immer ich reise, brauche ich ein Auffangbecken für meine schnell fließenden Gedanken. Normalerweise schleppe ich ein handtellergroßes Moleskine mit, aber das hatte ich aus Gründen der Gepäckknappheit und der eigenen Schusseligkeit nicht dabei.

Nichts also, in das ich meine Hirnergüsse hätte hineinfließen lassen können. Allerdings lieh mir der Mann seinen Nexus 7 zeitweise aus, auf den er kurzerhand die "Writer"-App für mich installiert hatte.

Damit kann man arbeiten. Ich stelle aber immer wieder fest: am besten, schnellsten, ungehindertsten kann ich am Schreibtisch am großen Desktop schreiben, Unterarme auf dem Tisch, Tastatur spürbar unter den Fingern. Tippen fast ohne Hingucken. Den Gedanken freien Lauf lassen.

Ergebnis mit technischem Chi-Chi also unbefriedigend. Oder anders ausgedrückt: da ist noch Luft nach oben.
Nach vier Stunden Schlaf aufstehen, fertig machen, letzte Kleinigkeiten verstauen. Keine Zeit für Kaffee. Das Taxi ist in einer halben Stunde da. Rollkoffer lässt sich nicht zusammenklappen.

Flugzeit nach München eine Stunde. Versuche zu lesen, aber die Nachbarn konversieren in Kneipenlautstärke. Widerliche Lache, vor solchen Leuten nehme ich normalerweise lieber Abstand.
*

Menschen, die sofort nach Landung aufstehen, um dann minutenlang im Gang zu hibbeln. Noch nie verstanden.
*

Warten aufs Boarding.

Es ist warm, viel wärmer als in Hamburg. Warum sind Frankfurt und München eigentlich immer überheizt? Schaue mich um: die Arabisch sprechende junge Familie mit den ungebändigten Kindern, die um die Sitzreihen flitzen. Meine Schokolade wollte die Mutter nicht, aber vielleicht hat sie mich auch nicht verstanden. Die Kinder, ein Mädchen und ein Junge, er vielleicht sechs, sie vier, sehen aus wie die Mutter. Der Vater versucht sie auf Deutsch zur Räson zu bringen. Der Junge wiederholt lachend das hilflose "es reicht!" und rennt weiter. Krakeel, krakeel. Fliegen die etwa mit uns? Ich wünschte, ich hätte mein Ohropax griffbereit. Gehe im Geiste mein Gepäck durch. Verdammt, ich habe es ganz vergessen. Das wird noch lustig.

Blick wandert weiter: die ältere Dame, die ihre für Tel Aviv viel zu warme Jacke ins Handgepäck zu stopfen versucht. Ich möchte ihr dazwischengreifen. Wenn man die Jacke anders faltet und dann... Ach, was kümmert's mich?

Neben mir der indisch aussehende Mittfünfziger, der eine Liebesschnulze im Taschenbuchformat liest. Bollywood auf dem Cover, buntes Herzensglück, for under 60 and over. Na dann.

Meine Damen und Herren, wir beginnen mit dem Priority Boarding. Der sportliche Pferdeschwanz, der schlauer sein wollte, wird abgewiesen. Holzklasse. Schade aber auch. Do I look like I fly fucking economy?

Finger hat ein starkes Gefälle. Winzige Maschine, voll ausgebucht, großes Handgepäck bitte am Eingang abgeben. Die Kneipenlaberbacken sitzen wieder neben uns. Dafür ist die arabische Großfamilie nirgends zu hören.

Kreischen

03.05.2013 23:07 | Kommentare: 0 Facebook Sharing Icon Twitter Sharing Icon Flattr Icon
Die Frau stand unter der Bahnbrücke, dort, wo die darüberratternden Züge am lautesten klappern, und kreischte sich die Seele aus dem Leib. Sie sah aus wie die Operndiva Montserrat Caballé, üppig, dunkelhaarig, rote Lippen.

Ihre Brust hob und senkte sich bei jedem neu angefangenen Ton, sie passte die Länge der Züge genau ab. Kurzer Zug — kurz kreischen, langer Zug — lang kreischen. Das ging nun schon fünf Minuten so. Ich war fasziniert von ihr. Ich konnte meine Augen nicht abwenden.

Was war wohl der Grund für ihr Kreischen? Stimmübungen? War sie Sängerin? Oder war sie Zeugin eines Mordes geworden? Hatte sie Angst? Oder Stress? Ihr schönes Gesicht zeigte keine weitere Regung. Sie sah nicht leidend aus, nicht glücklich, sie kreischte einfach nur.

Ich bekam Lust, mitzumachen. Aber ich hatte Angst, dass ich sie erschrecken und vertreiben würde. Ich wollte dieses Bild so lange wie möglich halten.

Die Lichter der vorbeifahrenden Zugwaggons erhellten die Bahngleise und tanzten auf ihrem Gesicht. Ich blickte hoch: ein ICE der neuesten Klasse. Mit dem wollte ich auch immer mal fahren, dachte ich. Ich wusste bloß nie, wohin. Vielleicht war die Frau ja aus solch einem Zug gestiegen...? Ich blickte wieder zu ihr.

Sie war verschwunden. Zurück blieb das Kreischen der Zugräder auf den Schienen.

Geschenke Geschenke Geschenke - Alea iacta est

02.05.2013 13:53 | Kommentare: 0 Facebook Sharing Icon Twitter Sharing Icon Flattr Icon
Kaum wieder zuhause, galten meine Gedanken gestern Abend einzig und allein der Verlosung der Aktion Blogger schenken Lesefreude.

Das Setting war schnell aufgebaut: alle Namen der Kommentatoren im Blog und auf Facebook auf Zettel geschrieben, zusammengefaltet und in den Verlosungspool gegeben.
Dann übernahm der Mann die Rolle der Glücksfee und zog die Gewinnerin:
Tut mir wirklich leid für alle anderen, am liebsten hätte ich die Bücher vervielfacht und jeder/m einzelnen von euch geschickt.

Jasmin, du bekommst gleich eine Mail von mir.

Moar movies

26.04.2013 02:40 | Kommentare: 0 Facebook Sharing Icon Twitter Sharing Icon Flattr Icon
16. Mai

20. Juni

11. Juli

25. Juli

8. August

Wer kommt mit?

Und nochmal Oh Yeah

24.04.2013 17:08 | Kommentare: 0 Facebook Sharing Icon Twitter Sharing Icon Flattr Icon

1. Mai *sabber*

Die letzte Flasche

24.04.2013 11:47 | Kommentare: 1 Facebook Sharing Icon Twitter Sharing Icon Flattr Icon
Blutrot leuchtet der Rotwein im Schein der fast abgebrannten Kerze. Du bist wunderschön, wie du da liegst auf dem Bett, nackt und verletzlich, die Haut glänzend im Kerzenlicht. Wie gern hätte ich mir das Heben und Senken deiner Brust noch länger angeschaut, deine flackernden Augenlider, die störrische Haarsträhne, die deine Stirn bedeckt — aber du willst es nicht. Du hast beschlossen, dass es heute das letzte Mal ist. Dein Wunsch ist mir Befehl, ich werde nicht aufbegehren. Ich muss Abschied nehmen.

Erinnerst du dich an unser erstes Treffen? Ich, neu in der Stadt, vom unerwarteten Sommerguss überrascht und bereits völlig durchnässt, hatte Unterschlupf gesucht unter der Markise deines Geschäftes. Du botest mir an, zusammen einen Tee zu trinken, während mein Kleid trocknete. Das Schild an der Tür hattest du schnell umgedreht. "Geschlossen". Mir war das natürlich aufgefallen, auch wenn ich mir nichts anmerken ließ. Innerlich lächelte ich. Das war der Anfang.

Ich war sofort verliebt. In dein spitzbübisches Lächeln, in deinen Laden, der mich an meine Kindheit erinnerte, in deine Bücher, dieses Tor in eine andere Welt, in dich, den Schlüssel dazu. Und zu meinem Herzen. Du warst anders. Anders als die Jungs, die sich für mich interessierten, die sich — und mir — immer was beweisen mussten. Du musstest längst niemandem mehr etwas beweisen, du warst dir selbst genug. Und mir.

Die Decke ist dir von den Schultern gerutscht. Ich widerstehe dem Drang, sie zurückzuschieben. Ich forme aus dem Wachs Figuren, die ich der Flamme preisgebe, bis ich sie nicht mehr halten kann und mir fast die Finger verbrenne. Ich habe nie verstanden, warum Insekten immer in die Flamme fliegen. Aber vielleicht... bin ich selbst eins.

Du warst mein Abenteuerroman, meine Biographie, mein Gedichtband. Ich verschlang dich von vorn bis hinten und breitete meine Seiten für dich aus — damit du zwischen den Zeilen liest. Zusammen waren wir die Buchdeckel, zwischen denen sich das Leben abspielt. Die Liebe.

Und dann, eines Tages, der Dolch. Mitten hinein. Du erzähltest mir von deiner Frau. Wie sie, todkrank, deine Hilfe brauchte, obwohl eure Ehe schon seit Jahren nur noch auf dem Papier besteht, und wie sie dich damit erpresste, den Laden — dein Ein und Alles — zu verkaufen. Du, dem mein Herz, mein Leben und meine Liebe gehörten, gehörtest einer anderen. Einer, die deine Fäden drohte abzuschneiden. Schnipp, vorbei.

Ich nehme noch einen Schluck aus dem Glas. Reich und samtig gleitet der Wein meine Kehle hinunter. Ein wunderbarer Jahrgang. Die letzte Flasche. Ich werde ihn vermissen. Schade, dass der Geschmack ein wenig verfälscht ist. Aber das musste leider sein.

"Tut mir leid" hast du gesagt. Als wäre damit alles Böse aus der Welt geschaffen, alles wieder auf Anfang gesetzt, die Wunden nie dagewesen. Wie kleine Kinder, die sich hinter ihren Händen verstecken und glauben, man sähe sie nicht mehr. Aber die Wunde, die du mir zufügtest, war zu groß. So groß wie die Welt, so groß wie deine Bücher. Sie wächst nie wieder zu.

Alles hätte ich für dich getan. Ohne dich kann ich nicht sein. Aber ich durfte nicht.

Meine Finger kribbeln. Ich weiß, was hiernach kommt. Die Magenkrämpfe und das Herzrasen, das Schwindelgefühl, die Dunkelheit vor den Augen, schließlich die Atemnot. Lange habe ich nicht mehr. Ich genieße den letzten Schluck, spüre die Tannine an meinen Geschmackspapillen, die feine Säure, das Barriquefass. Hast du wirklich gut ausgesucht. Dafür liebe ich dich. Bis in den Tod.

Oh. Yeah.

23.04.2013 15:52 | Kommentare: 1 Facebook Sharing Icon Twitter Sharing Icon Flattr Icon

31. Oktober.

[Danke an Millus]

Geschenke Geschenke Geschenke!

23.04.2013 10:47 | Kommentare: 20 Facebook Sharing Icon Twitter Sharing Icon Flattr Icon
Habe mich vorgestern, quasi in letzter Sekunde, bei der Aktion "Blogger schenken Lesefreude" angemeldet. Zum heutigen Welttag des Buches verlosen Blogger Bücher. Es haben sich um die 900 Blogger angemeldet. Ich mache unter anderem mit, weil mein Bücherregal ächzt und stöhnt.

Ich verlose die "Rabbit Novels" von John Updike im englischen Original. Vier Bände in zwei Taschenbüchern. Volume one: "Rabbit, run" und "Rabbit redux", Volume two: "Rabbit is rich" und "Rabbit at rest". Zwei dieser Romane haben den Pulitzer-Preis gewonnen.


Das erste Volume habe ich vor Jahren gelesen. Anke hatte damals darüber geschrieben (ich find den Eintrag nicht wieder) und in mir dachte es "ich auch, ich auch!" Es blieb bei dem ersten Buch, weil es letztendlich nicht so wirklich meins war.

Ich kann gar nichts mehr über das Buch sagen. Ich erinnere mich lediglich an eine Szene, die in ihrer scheinbar unbeteiligten Beschreibung schauerlich war. Und nein, ich sage jetzt nicht, welche.

Für alle, die genug Muße haben, hier eine schöne Rezension.

Ich glaube, ich habe auch noch "Rabbit, eine Rückkehr" irgendwo rumliegen, wenn ich's nicht zwischenzeitlich an irgendwen verschenkt habe. Diesmal auf Deutsch. Wer also die Bücher zu Ende liest und noch immer nicht genug hat, pinge mich einfach an.

Wie ist nun das Prozedere?

Wer die Bücher gewinnen möchte, kommentiert einfach unter diesem Beitrag (Facebook nehm ich mal auch dazu). Die Verlosung findet eigentlich am 30. April statt, aber ich werde erst am 1. Mai, vermutlich am späten Abend, von einem Kurztrip wieder zurück sein. Deshalb werde ich, sobald ich wieder da und in der Lage bin (also spätestens am Morgen Vormittag des 2. Mai) mich in eine Glücksfee verwandeln und eine/n Glückliche/n auslosen. Bitte also mit korrekter Mailadresse melden (wird selbstverständlich nicht angezeigt).