Kulinarische Katastrophen oder Heute ist nicht mein (Koch)Tag

Plan heute: Idiotenbrot und Salzbutterkaramellsauce. Das erste wurde vielfach beschrieben und erläutert und ist (unlike them damned Macarons) GANZ EINFACH, vor allem wenn man sich an Isas “No-Fuss”-Methode hält, wie Anke sie nennt. Das zweite habe ich schon mehrfach gemacht – auch sehr einfach. Aber wie der Teufel es will…

Ich hatte den Teig für das Brot vorgestern aus 50% 550er Mehl und 50% Roggen angesetzt und aus Zeitgründen nicht vorher geschafft, es zu backen. Macht nix, dachte ich, je länger es rumsteht und Zeit hat zu gehen, umso besser. Hatte Isa doch auch geschrieben. Und überhaupt, mein gesunder Menschenverstand sagt mir das auch. Dann wird’s eben noch lockerer, ist doch prima. Also machte ich mich heute vormittag daran, es zu backen. Arbeitsfläche einmehlen, Teig draufkippen – kein Problem. Nur dass mein Teig nicht einfach draufgleiten wollte, ich ihn also ein wenig mit dem Teigschaber “überzeugen” musste. Habe ich schon erwähnt, dass ich meinen Teigschaber für eine der besten Erfindungen halte? Nun gut, das ist alles kein Problem, der Teig landet irgendwann auf der Arbeitsfläche, ich kann ihn halbwegs “falten” und in den Topf legen. Deckel drauf und ab… Moment mal, Deckel drauf? Der hat doch so’ne Kunststoffdichtung am Griff? Die wird doch nicht etwa…? Nee, es steht doch drauf “hitzebeständig und bruchfest”. Dann ist alles gut. Ofen zu, weiter im Text.

Ich hatte keinen weißen Zucker (pfui, wer hat schon sowas?), nur Rohrohrzucker oder diesen großartigen, supermelassigen (Demerara?)Zucker aus Texas, ich schrieb schon mal darüber, find’s aber gerade nicht wieder. Neulich hab ich die Sauce mit dem dunklen Zucker gemacht, das war superlecker, aber man sieht nicht, dass der Karamell dunkler wird, harhar. Also heute mal den anderen, der ist immerhin fast weiß. Mascarpone ist auch noch da, ah schade, nicht mehr genug, aber macht nix, ich hab ja noch Schmand da, der hat sogar noch mehr Fett! Abgemacht, ich nehm von beidem etwas.

Zucker und Wasser also in den Topf und warten, bis der Zucker vollständig nass ist. Check! Mittlere Hitze einschalten, nichts machen bis der Zucker anfängt zu karamellisieren und die gewünschte Farbe kriegt. Mhmm, karamellisieren tut er schonmal, aber die Farbe, die Farbe… Verdammte Axt, wann wird das Ding endlich mal goldbraun, so wie es sich gehört? Ordentlich blubbern tut es ja. Ich scharre nervös mit den Füßen und starre in den Topf, der immer noch zu hell ist. Und dann plötzlich merke ich diesen beißenden, künstlichen Geruch, der in der Luft hängt, wie in einer Raffinerie oder einer kunststoffverarbeitenden Fabrik. Kunststoff? Oh, Moment mal, da war doch…

Und ja, ich öffne den Ofen und der Gestank beißt mir in die Nase. Argh, der Griff! F***en! Schnell das Ding rausgeholt, zum Glück ist mein Brottopf ja noch mit Alufolie abgedeckt gewesen, ich wusste ja schon warum… Und klar, diese schwarze Dichtungsscheibe, die den Griff auf dem Deckel festhält, ist ein wenig… wie soll ich sagen, angeschmort, man sieht es deutlich. Und auf der Innenseite hat sie Blasen gekriegt. Mist, verdammter. Hoffentlich ist das Ding jetzt nicht vollkommen im Eimer. Abstellen, abkühlen lassen, beten.

Zurück zum Karamell, der IMMER NOCH NICHT braun ist, aber ich habe langsam keine Lust mehr, darauf zu warten. Runter vom Feuer, Creme einrühren, zwei großzügige Esslöffel. Also in meinem Fall einer Mascarpone, einer Schmand. Und rühren bis der Arzt kommt die Creme sich völlig aufgelöst hat. Gna, auch das dauert eine Ewigkeit. Ich weiß nicht, heute ist der Teufel drin. Es wird und wird nichts, es sind immer noch weiße Punkte zu sehen, die beim besten Willen nicht wegwollen. Und vielleicht hätte ich keinen Metalllöffel nehmen sollen, sondern wie beim letzten Mal (woran ich mich aber vorhin beim besten Willen nicht mehr erinnern konnte) einen Holzlöffel? Egal, irgendwann stelle ich den Topf wieder auf die Kochplatte, vielleicht kann man dich ja zwingen, Püppi. Und in der Tat, irgendwann ist es endlich soweit, die Karamellsauce ist homogen. Puh. Nun nur noch ein wenig weiterrühren, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist.

Ha ha! Ist sie nicht! Und wird sie auch nicht! HA ha! (Ich sollte diesen Tag beim Komikerwettbewerb einreichen, er würde bestimmt Preise einheimsen) Das Zeug ist nicht nur zu hell, es ist auch noch viel zu flüssig. Und selbst als ich NOCH einen Löffel von dem Schmand reingebe, wird es nicht dicker. Von brauner ganz zu schweigen. Aber das ist mir mittlerweile egal, das wird eh nichts mehr. Alles bäh.

Ich rühr und rühr (derweil das Brot im Ofen vor sich hinbackt), habe irgendwann die Schnauze voll und beende das Schmierentheater. Pfft! Es hat dann noch ne Chance, im Glas härter zu werden. Ich lecke am Löffel und merke: es schmeckt ein wenig… dünn. Augenverdreh. Maaaaan, kann denn heute nichts ordentlich werden, ich krieg hier die Krätze!!!!! Ich glaube, das liegt an dem Schmand, der ja bekanntermaßen nicht so reich schmeckt wie ein Mascarpone, auch wenn er mehr Fett hat. OK, das machen wir also nicht nochmal…

Das Glas kühlt vor dem offenen Fenster (schönes Wetter draußen übrigens, ich freue mich auf den Frühling, der da so langsam kommt), ich widme mich dem Brot, das gleich fertig ist.

Aussehen tut es so, nachdem ich es aus dem Ofen geholt habe. Isa meint, nicht schlecht, ich bin ein wenig skeptisch. Denn es sieht auf der Rückseite auch so dunkel aus. Und plötzlich erinnere ich mich daran, dass auf dem Rezept von Isa was stand von “wenn Roggen, dann mehr Wasser und mehr Hefe”, was ich natürlich beim Ansetzen nicht gesehen hatte. Meh.

Nun kühlt es auf einem Gitter und ich bin sehr gespannt, wie es drin aussieht. Kann ich es schon anschneiden? Ich geh mal eben zurück in die Küche…

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3 thoughts on “Kulinarische Katastrophen oder Heute ist nicht mein (Koch)Tag

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