Weiße Nächte reloaded

Schlaflosigkeit. Oder nennen wir das Kind beim Namen: Schlaf-Unlust. Rhythmusverschiebung ahoi, das ist mir durchaus klar, ich vermag dennoch diesen Zirkel von Spät-ins-Bett-gehen-und-am-nächsten-Tag-spät-aufstehen nicht durchzubrechen. Zu sehr bin ich tagsüber von der eigenen Faulheit gelähmt, dafür aber spätabends zuerst hungrig und später voller Tatendrang, dass ich diesen Usus momentan durchaus gerne beibehalte. Legitim ist es zudem, solange ich am nächsten Morgen nicht früh aufstehen muss.

Heute habe ich zum Beispiel sehr Interessantes im Fernsehen gelernt, zum Beispiel dass es in Japan Brauch war, dass Frauen sich als Schönheitssymbol die Zähne schwarz färbten, oder dass es im Zarenrussland eine Bartsteuer gab, da Zar Peter der Große Bärte als allzu russisch empfand, wo er doch eine Modernisierung seines Landes anstrebte – und Bärte eben… nicht modern waren. Oder dass man zur Zeit des Rokoko kleine Döschen um den Hals oder anderen Körperteilen trug, die zum Einfangen von Läusen und anderem Körperungeziefer dienten. Oder wie Wissenschaftler versuchen, Odysseus’ 10-jährige Irrfahrten geographisch nachzuvollziehen, und wie es ihnen anhand von Homers sehr ausführlichen und genau beobachteten nautischen Verhältnissen gelingt, eine ziemlich genaue Route durch das Mittelmeer nachzuzeichnen. Oder von dem österreichischen Literaturprofessor, der meint, die reale Grundlage für Homers Troja-Epos läge nicht in Kleinasien auf dem Hügel um Hisarlik, sondern in der Festung Karatepe in Kilikien, und dies auch belegen kann, wenngleich dort noch keine Ausgrabungen stattgefunden haben. Ich liebe sowas ja.

Und dann habe ich heute sehr lecker gekocht, aber das kann man ja hier nachlesen. Spannend wird es allerdings, wenn im Laufe des Abends der Nacht sowohl der Mann als auch ich in Abständen in die Küche schleichen, um von den Resten zu naschen. Auch jetzt, um fünf Uhr neunzehn, benehme ich mich wie ein Pawlowscher Hund und kann mich gerade noch zurückhalten, es wieder zu tun. Eigentlich will ich ja gleich schlafen. Eigentlich.

Manch einer ist bereits auf und hat gleich Termine, und ich…

Update: Der Mann schlägt vor, unseren nächsten Urlaub dort zu verbringen, wo es dann Tag ist, wenn wir wach sind und sein mögen. Das wäre nach meiner Berechnung übern großen Teich, in einer der Ameriken. Gefällt mir die Idee ;-)

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2 thoughts on “Weiße Nächte reloaded

  1. Jamie

    Ich habe ja auch nicht verlangt, dass ihr mit mir zusammen die Nacht zum Tag macht. Ich freue mich bloß, dass *ich* es kann. Und was das spät essen angeht, so kontere ich: Definiere “spät” ;-)

    Aber schön, dass du hier vorbeischaust, lieber Nils :P

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