und dann…

und dann liest du mal wieder diverse blogs und denkst dir “wieso kann ICH nicht so schreiben, wieso fällt MIR das alles nicht ein” und du willst die schreiber in dein bett zerren, so geil schreiben die, und du weißt nicht wohin mit dir und dann trinkst du noch einen whisky ohne alles, der zwar nicht so richtig schmeckt, ist aber um diese uhrzeit auch egal, und dann wünschst du dir, du hättest nie mit der schreiberei aufgehört und immer weiter geschrieben, bis die finger bluten und das gehirn anfängt zu pochen, und du weißt genau, es ist spät und du wolltest schon längst schlafen, denn morgen ist ein wichtiger tag, aber scheiß drauf, hier sitzt du nun mit deinem dritten whisky, das billige zeug vom rewe nebenan, aber der tut’s manchmal eben auch, denn deinen adventskalender willst du für diese stimmung eben nicht hergeben, das wäre wirklich frevel und blasphemie, und dann fällt dir wieder ein, dass du ja gar nicht an gott glaubst und all dem zeug, aber das wort passt eben so gut, blasphemie, da kann sich jeder was drunter vorstellen, das ist schon ok, wenn man das wort benutzt auch wenn man nicht an gott glaubt, und du wünschst dir, du hättest nie aufgehört mit tagebuchschreiben, dann würdest du jetzt nachgucken, was du vor einem jahr um diese zeit gemacht hast, vielleicht hätte das da gestanden, und du würdest melancholisch werden, denn vor einem jahr, da war alles anders, vielleicht nicht besser, aber auf jeden fall anders, und du fragst dich, wie schnell die zeit eigentlich noch fliegen will, die letzten zehn jahre sind ja schon wie im fluge vergangen, und dir graut davor, eines tages aufzuwachen und du bist sechzig und schneeweiß, und an den händen diese hässlichen altersflecken die man nicht mal überschminken kann, und dann wünschst du dir, eines tages aufzuwachen, und alles war nur ein traum, und du bist nach wie vor zwanzig und hast keine ahnung von der welt und die zukunft ist ein blau-grauer nebel, der deinen blick umgarnt und alles in eine warme “wird-alles-gut”-decke packt, aber nein, du weißt genau, dass du nicht zwanzig bist, und es ist eben nicht alles gut, denn du sitzt alleine an deinem schreibtisch mit dem scheißwhisky und der brille auf der nase, die es eben mit zwanzig noch nicht gab, und du weißt genau, dass du morgen früh verdammtnochmal schwierigkeiten haben wirst aufzustehen, denn du steckst das eben nicht mehr so gut weg wie mit zwanzig, ein paar stunden schlafen wenn überhaupt und am nächsten tag zur arbeit und dann wieder feiern und saufen, das ist nicht mehr so, heutzutage bist du schon froh, wenn du dich morgens im spiegel noch einigermaßen wiedererkennst und die fratze nicht aussieht wie deine eigene großmutter wenn sie nen schlechten tag hatte, und dann wünschst du dir, du hättest auf deine mutter gehört, obwohl nein, das stimmt dann auch nicht so ganz, denn das leben wär verdammt langweilig geworden wenn du’s getan hättest, geordnet und spießig und wer will das schon, und dann fragst du dich, ob du damals nicht doch hättest in die talstraße auf st. pauli ziehen sollen, das wär bestimmt interessant geworden, auch wenn deine vermieterin ihre wäsche in dein zimmer stellen wollte, das hätte dich bestimmt fürs leben geprägt, stattdessen bist du brav geblieben und das hast du nun davon, diese midlifecrisis von der alle sprechen, und du steckst mittendrin, aber erwachsenwerden, das ja nun wirklich nicht, wer will das schon, und dir fällt ein, dass du dein bett noch machen musst, und schwupps ist es vorbei mit der rebellion, du musst schlafen gehen, denn morgen, ja morgen ist auch noch ein tag, da willst du was schaffen und dinge erledigen, und zuwenig schlaf kennst du schon, das tut dir nicht gut, und dann denkst du noch einmal an diese großartigen blogger die deinen geist bevölkern und nimmst dir ganz fest vor, ab morgen wieder ganz viel zu schreiben, schließlich willst du genauso wie sie… aber das ist eine andere geschichte.

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5 Comments Write a comment

  1. … durch Zufall über drei Ecken hier gelandet habe ich mich doch in vielen Passagen in Ihrem Artikel wiederfinden dürfen. Sehr schön festzustelllen, das man nicht alleine mit dem ein – oder anderen Gedanken ist : – )

    P.S. Ich befürchte das Mitschreiber über 30 es schwer haben, bei Ihnen zu posten, den welcher unter-30-jährige kennt noch Nena ? ; – )

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