Strange encounters

Szene an der U-Bahn: eine türkische oder iranische Mutter, ihren Sohn im Kinderwagen vor sich herschiebend. Ein normales Bild, dachte ich. Die Mutter, Kopftuch, langärmliges Kleid, hielt vor mir den Kinderwagen an und stellte sich davor, ihren Sohn ansehend, ich sollte sagen, anstarrend. Kein Gesichtsausdruck. Sie starrte ihn einfach an. Er kämpfte derweil mit einem riesigen Twix und blickte irgendwann etwas widerwillig zurück, schien mir.
Dann endlich bewegte sich die Mutter ein wenig, schaute auf die Werbetafeln, auf mich, auf andere Leute, zupfte ihr Kopftuch zurecht.
Plötzlich griff ihre Hand nach dem Twix des Kleinen, der sich daran festhielt, als hinge sein Leben davon ab. Sie wollte ihm die Süßigkeit nicht wegnehmen, sondern den Inhalt in der Verpackung nach oben rücken, damit der Sprößling da besser ran konnte. Diese Prozedur wiederholte sich einige Male, immer wieder schob sie ihm das neu gewonnene Stückchen in den Mund, obwohl er teilweise noch am Kauen war. Er biss dann immer wieder rein, biss große Stücke ab, die gerade in seinen kleinen Mund passten.
Alles in allem eine normale Szene also.

Aber was mich am meisten (negativ) beeindruckt hat, war die gespenstische Stille, die die beiden umgab. Weder die Mutter hatte ein kosendes oder gar erklärendes Wort für ihren Sohn übrig, noch gab der Kleine irgendwelche (wenn auch Protest-) Geräusche von sich. Alles spielte sich lautlos ab, als wären wir unter Wasser. Gruselig.

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