Ich war am Wochenende beim
Rock im Park-Festival in Nürnberg. Nach 22 Jahren endlich mal wieder auf einem großen Musikfestival. Geil*, kann ich da nur sagen. Einfach geil.
Ich rate jedem, der dahin will, den Freitag UND den Montag drauf freizunehmen, sonst schockt das null. Die Campingplätze auf den Festivals sind seit Donnerstag morgen 8.00 Uhr offen, da kann es durchaus sein, dass man - so man erst am Freitag nach Feierabend fährt - keinen anständigen Platz mehr bekommt. Wir waren Freitag Mittag da und konnten schon nicht mehr dort unser Zelt aufschlagen, wo wir es gern getan hätten (mitten im
Colosseum). Und den Montag --- nun ja, ist doch klar, man will ja die besten Bands nicht verpassen, gell?
Ich habe gefühlte 90% der Bands nicht gesehen, die ich unbedingt sehen wollte (Reamonn, Madness, Milow, 2raumwohnung, Basement Jaxx, Polarkreis 18, Selig, Juliette Lewis, Placebo), dafür aber Bands genossen, die ich auf keinen Fall sehen wollte (Marily Manson, Korn, Machine Head, Prodigy) - und ich bereue es nicht.
Genial war die Show und vor allem die Action im Zuschauerraum bei Prodigy, der Band, die ich seit Jahren hasse, die ich aber sehr froh bin, gesehen zu haben. Mir kleinem, wohlbehütetem Dorfkind ist das Abrocken vor der Bühne ein Fremdbegriff. Ich wusste zwar, dass Zuschauer (meist junge Männer) sich bei Rockkonzerten gerne ins Getümmel stürzen und pogen (schreibt man das so?), aber das kannte ich nur an einer Stelle zentral vor der Bühne. Ich wurde eines Besseren belehrt (oder vielleicht haben sich die Gewohnheiten ja auch ein wenig verändert seit ich das letzte Mal in einem Rockkonzert war): es werden in der Menge Kreise gebildet, indem man die Leute beiseiteschiebt. In diesen Kreisen wird der Reigen getanzt (alle im Kreis hintereinander) oder gemosht (wildes Herumspringen oder -tollen, wobei die am Rand stehenden die im Kreis Moshenden immer wieder in den Kreis zurückstoßen). Man lernt nie aus,
hier und
hier steht was dazu (für alle über 30-Jährigen, die das, so wie ich, nicht wussten).
Es war absolut faszinierend mitanzusehen, wie friedvoll die Menge miteinander umging (das kannte ich nicht, empfand ich das Pogen doch früher als eher aggressiv), wie sich die Leute nach den Schubsereien immer wieder liebevoll und freundlich zulächelten, als hätten sie sich gerade gegenseitig über die Straße geholfen. Zum Teil wurden die Kreise auch für besondere Performances geöffnet, damit sich einige Wenige mit ihrem eigenen Tanz- und Mosh-Stil austoben konnten. So sah ich einmal zwei Mädchen, die recht aufreizend tanzten und sich am Ende - zur Freude aller männlichen Umstehenden - auch noch küssten. Bei einem anderen Song hockten sich alle in den Kreisen auf den Boden, um dann, bei einer bestimmten Stelle, plötzlich aufzustehen und weiterzumoshen. Ich muss sagen, auch wenn ich gerade wie meine eigene Oma klinge, ich war beeindruckt - und möchte das auf keinen Fall verpasst haben.
Nach dem Prodigy-Gig kam es zu dem, was ich das ganze Wochenende befürchtet und mit dem ich zwar gerechnet hatte, aber nicht in dem Ausmaß: der Himmel kam herunter. Innerhalb von zehn Minuten regnete es die gesamte Menge Wasser, die in Afrika für Monate für eine fette Ernte sorgen könnte. Trotz allen Regenschutzes waren wir bis auf die Knochen durchnässt, was später sehr kalt wurde. Da ich, so schnell wie der Regen kam, nicht alles anziehen konnte, was ich mir um die Hüfte gebunden hatte, musste ich später auf einige Pullis verzichten, denn die Ärmel waren nass geworden.
Beim Jan Delay-Konzert machte mir das nichts, denn ich stand vor dem Wellenbrecher in der Menge und hätte die Beine einziehen können und wäre trotzdem nicht runtergefallen - und da war es schön warm mit all den anderen heißen, schwitzenden, springenden Leibern um mich herum. Aber später, als ich bei Mando Diao mich an den Rand des FCFS**-Bereichs zog und mich mit wehen Füßen an den Absperrzaun lehnte, wurde mir doch
etwas arschkalt.
Es hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich überlege schon, wo ich als nächstes hinfahre (
Hurricane?
Roskilde?
V Festival?) und was ich fürs nächste Jahr
RiP alles noch kaufen muss. Aber ich bemängele auch einiges: zum Beispiel, dass die Wege von den Zeltplätzen zu den Bühnen so lang sind. Oder dass man nicht am gleichen Ort parken und zelten kann (ich erinnere mich an 1986, da war das Auto gleich neben unserem Zelt). Oder dass an der Center Stage die Musik viel zu leise war und man eher die "Louder!"-brüllenden Fans als die Bands hören konnte. Oder dass es drei Bühnen gibt, die man häufig nicht erreichen kann, weil die Wege entweder zu voll sind oder die Zugänge abgesperrt wurden. Wir hatten es einige Male, dass Leute von uns auf die Dixies gegangen waren und nicht mehr reinkamen, weil alles abgesperrt war. Auch das habe ich von 1986/1987 anders in Erinnerung: es gab nur eine Bühne (meinetwegen in links und rechts eingeteilt), auf der alternativ gespielt wurde. So hatte man keine Wege zwischen den Acts zu gehen, alles war leichter zugänglich.
Seit Mitte-Ende der 90er gibt es mehrere Bühnen, die unterschiedliche Ziele verfolgen. Kann ich verstehen, ist aber eben schwerer zu erreichen. Die Club Stage haben wir zum Beispiel bis zum Ende nicht gefunden, und dort hätten durchaus interessante Leute gespielt.
So, ich hör mir jetzt nochmal Prodigy und Limp Bizkit an und geh dann ins Bett. Gute Nacht.
Hier ist mein Festival-Bändchen, das noch ne Weile dranbleibt, hab ich beschlossen ;) (Wieso kann ich kein Twitpic-Bild hier einbinden???)
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*) Naja, auch das muss zu denn 22 Jahren passen, ich bin schließlich ein Kind der Achtziger ;-)
**) First Come, First Serve :D
Habe mich mal eben dupliziert. Ab jetzt gebe ich meinen
verfressenen kulinarischen Senf
hier ab. Mal sehen, wie das so schmeckt.
Es scheint neuerdings (immer?) so, dass aus dem Spanischen übersetzte Bücher nicht so ganz nach meinem Gusto sind. Das war bei "Sombra del viento"
schon so. Jetzt gerade lese ich
Das Papierhaus von Carlos María Domínguez. Diverse Kriterien haben seinerzeit dafür gesorgt, dass es in meinen Besitz gelangte: der Titel, der spanische Autor, der Verlag (
Eichborn. Der mit der Fliege - Ich mein', was kann man da schon falsch machen?), die auf dem Buchumschlag verstreuten Buchstaben in der großartigen Farbkombination dunkelbraun und orange, die holzähnliche Beschaffenheit des Umschlags, die Synopsis auf dem Buchrücken: "Ein geheimnisvolles Buch, ein unbekannter Absender in Südamerika, eine Reise auf den Spuren eines Mannes mit einer außergewöhnlichen Liebe zu Büchern..." Alles in allem die perfekte Mischung, um meine volle Aufmerksamkeit zu erlangen. Noch dazu ist es handlich und klein (knapp 90 Seiten) und es hat vorne eine schöne Karte von Südamerika auf durchscheinendem Pergamentpapier.
Aber (und es muss dieses Aber geben, sonst wäre dieser Eintrag nie geboren worden) es
nervt mich. Nicht die Handlung; ich finde es durchaus spannend, einem Unbekannten durch die Kontinente zu folgen, auf der Suche nach dem Ursprung eines alten Buches. Aber bei jedem Satz habe ich den Drang, der Übersetzerin aufzulauern und ihr eins mit der Bratpfanne über den Schädel zu geben. Oder schlimmer: sie zwingen, ihre eigene Übersetzung zu lesen.
Schon wieder drängt sich mir bei jeder gelesenen Seite der Gedanke auf, dass es im Original womöglich (nein, ganz bestimmt!) besser geklungen hätte, fließender, weicher, eingängiger, schöner. Die Gedankengänge sind schwerfällig, die Sätze zu lang und zu verschachtelt (und ich
liebe lange, verschachtelte Sätze, in die man tausend Ideen miteinander verwebt, sie miteinander verlobt und verheiratet, um sie vor Ende des Satzes wieder in Feindschaft auseinandergehen zu lassen. Ich sag's ja). Aber hier...
Als ich einen Sprachkurs in Spanien machte, hörten wir eines Abends einen Vortrag über Flamenco. Es war eine Flamencotänzerin in unsere Schule gekommen, um uns was übers Tanzen und Fühlen zu erzählen. Und sie berichtete uns von einer Tänzerin aus ihrem Tanzzentrum, eine Japanerin, die alle Schritte, alle Bewegungen, alle Kombinationen perfekt beherrschte. Allerdings hatte sie immer nur
einen Gesichtsaudruck auf Lager: den des leicht erschrockenen Püppchens. Und das, liebe Leute, passt nicht im Geringsten zum Schmerz und Leid des Flamencotanzes.
So auch "Das Papierhaus", vielmehr die Übersetzering. Wahrscheinlich beherrscht sie die spanische Sprache perfekt, kann mit allen Periphrasen im Schlaf jonglieren, Subjuntivo und Indicativo bereiten ihr keine Kopfschmerzen. Aber was nützt das ohne ein Gefühl für die Sprache? Eine Sprache ist eben mehr als die Summe ihrer Teile, viel mehr als Grammatik plus Vokabeln. Sie lebt, und das muss man spüren können. Setzen, sechs...
So, ich muss jetzt die letzten zwei Seiten zu Ende lesen. Und das nächste Mal, ich schwöre, hol ich mir das spanische Original.
Diese Dachterrasse sehe ich von meinem Bürostuhl aus. Täglich. Manchmal träume ich davon, selbst eine solche zu besitzen, vor allem weil mir mein Blick aus dem Bürofenster
einige Exemplare dieser Gattung offenbart: oberste Etage, Blick auf den sonnigen Innenhof der sich aus vielen Büros zusammensetzt und somit Ruhe verspricht. Hach, schön... Dort oben mit Freunden grillen, die Abendsonne genießen, sich sonnen...
Doch halt! Sonnen bedeutet Auszug. Aus den Klamotten. Zumindest soweit, dass ein Stück Bauch oder Bein frei wird. Und genau das tat heute Madam Terassenbesitzerin: sie zog sich bis auf die Unterhose... ich erspare euch weitere Details, denn mich lächelte plötzlich Bridget Jones im Geiste an. Und da wurde mir schlagartig bewusst, was es bedeutet, an solch prominenter Stelle zu sitzen: man wird immer von irgendeinem umliegenden Büro aus gesehen!
Und so weiß ich jetzt wieder, warum ich nie-nie-nie in Sichtweite meines Arbeitsplatzes wohnen möchte! ;-)
Wie kann sich, wenn man seine Wohnung einen Monat lang bloß zum Schlafen benutzt, so viel Dreck, Staub, leeres Geschirr, schmutzige Wäsche und sonstiges Zeug ansammeln? Nachdem ich gerade staubgesaugt, Wäsche gewaschen + aufgehängt + neue gewaschen, Spülmaschine aus- und wieder eingeräumt, Bad geputzt und das Bett frisch bezogen habe, kündige ich nun genervt folgendes an:
Ich habe keine Lust mehr, das alles selbst zu machen. Ich suche eine zuverlässige Perle, Haushaltshilfe, Putze - nennt sie wie ihr wollt, Hauptsache sie fängt bald bei mir an. Das Übliche: Wäsche, Bad, Küche, Staub, hin und wieder Fenster. All das, was soviel kostbare Zeit und Nerven kostet und wozu ich mir selbst viel zu schade bin. Oder zu faul.
Hat jemand eine Idee? Ich meine das ernst. Ernstgemeinte Zuschriften bitte hier ins Kommentar oder an j ät littlejamie punkt com. Ich danke. Meine Nerven auch.
...mit Wirkung von heute sind
wir in die Lange Reihe gezogen, Hamburgs hippste Adresse weit und breit. Und das ist kein Aprilscherz, wenngleich ich auch einige Leute gern in den April geschickt hätte, aber es hat sich diesmal eben nicht ergeben.
Ende letzter Woche hatte ich angefangen, meine Siebensachen auszusieben und wegzuschmeißen und zu verpacken, so dass ich mich am Dienstag Mittag (als wir vom Netz genommen wurden) mit genug Elan um die gemeinschaftlichen Aufgaben (wie Küche ausräumen) kümmern konnte. Und das war auch gut so, denn die Abnehmer unserer ungewollten Sachen kamen früher als erwartet. So much for Mittagessen...
Als ich gestern nach sechs Stunden Rumrödeln endlich fix und fertig war und in der Bahn nach Hause einschlief, war mein Tagwerk leider noch nicht getan. Ich bin - kaum zuhause angekommen (und nein, ich verpenne meine Station nie) - sofort ins Auto und zurück ins Büro, denn ich musste noch ein klein wenig Krempel mitnehmen, der nicht mit umgezogen werden wollte.
Heute waren wir um 11 Uhr im neuen Büro bestellt, in der Annahme, dass die Möbelpacker, wenn sie um 8 Uhr schon da sind, um 11 bereits alles ausgepackt haben würden. Pustekuchen! Ich hätte noch gut drei Stunden schlafen können, denn bis unsere zwei LKW da waren, war es bereits nach zwei Uhr!...
Nachdem die ersten Schränke so langsam reintröpfelten, gab's erstmal eine klassische Rollenverteilung: die Männer standen am Fenster und brüllten in ihre Telefone oder schauten den Kurzberockten auf der Straße hinterher - und wir Frauen wischten die Möbel. Nun ja, draußen schien die Sonne, es war warm, da kann ja dann auch drin eine Stimmung wie in der Türkei herrschen, gelle?
Das ursprüngliche Versprechen, gegen 16 Uhr online zu sein, konnte demnach auch nicht eingehalten werden, denn am Nachmittag waren noch keine Tische und Stühle da, geschweige denn PCs. Am schlimmsten war es mitanzusehen, wie sich die beiden (!) Möbelpacker im Schneckentempo vorwärtsbewegten. Warum bei mittlerweile drei vollen LKW nicht zehn Leute mitkommen um anzupacken, ist mir schleierhaft. Ich hatte zwischendurch mehr als einmal den Drang, selbst runterzugehen und irgendwas zu schleppen, aber es hieß immer nur, die Versicherung zahlt nicht wenn ich stolpere...
Irgendwann muss ein Tatendrang in alle Knochen gefahren sein, oder den Leuten ist kalt geworden, denn plötzlich waren alle Männer damit beschäftigt, die Kisten und Möbel aus dem Fahrstuhl ins Büro zu schleppen oder gar von unten hochzufahren. Ich glaub, es stapelte sich alles bereits seit Stunden vorm Fahrstuhl - blame it on the lift, er war wohl zu klein oder nicht schnell genug...
Ich glaub, um 19 Uhr hatte ich meinen Rechner an meinem Schreibtisch, allerdings noch lange nicht angeschlossen. Zwischendurch gab es Pizza und Bier,
um die Meute bei Laune zu halten damit wir nicht vom Fleisch fallen. Ich hatte bereits seit zwei Stunden einen Mordshunger, denn so richtig viel hatte ich ja den ganzen Tag nicht gegessen.
Na ja, um es kurz zu machen, gegen halb zehn lief mein Linux-Rechner, danach musste ich mich auf die Suche nach meiner Windows-Kiste machen, die im Einpacktrubel unbeschriftet geblieben war. Und wir hatten da noch etwa sieben Herrenlose rumstehen...
Als ich endlich gegangen bin, saßen noch ein paar der Jungs vorm Fernseher und schauten Fußball. Diesmal bin ich nicht in der Bahn eingeschlafen, das lag aber nur daran, dass mir gegenüber eine sehr interessante Nase saß ;-)
Und morgen wieder normal arbeiten. Wann ist eigentlich Wochenende?
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