Littlejamie 2.0

Gemetzeltkocht

Heute gibt’s Entenbrust mit Orangen.

Das Rezept wird zwar als “pfiffig” tituliert, aber es klingt doch relativ einfach: Entenbrüste von beiden Seiten braten, danach den Bratenfond mit Wasser und Rotwein loskochen (das Wort hab ich noch nie gehört!) und den karamelisierten Zucker und den Orangensaft mit dazugießen. Pillepalle, oder?

Hab ich auch gedacht. Bis ich den Rotwein anfing, in die heiße Pfanne zu kippen. Dann musste ich nämlich noch 6 Esslöffel heißes Wasser abzählen und während ich voll konzentriert dabei war, ähnelte meine Pfanne eher einer vulkanischen Landschaft aus der Kreidezeit: überall blubberte es dunkelrot und rauchig, aber was für Blubber! Keine kleinen, niedlichen, wie man sie vom Mineralwasser her kennt, nein! Riesendinger waren das, mindestens 10 cm im Durchmesser und langsam. Dafür aber umso heftiger.

Ich dachte (zwei Löffel, drei Löffel…), es legt sich wohl gleich, ich kann sofort mit einem Holzlöffel… Aber mitnichten, die Natur war hier Herr der Lage. Die Vulkaneruptionen wurden immer größer, ich musste weichen, um nicht bespritzt zu werden. Ist recht heiß sowas. Und was sehen meine nihilistischen Augen, just in dem Moment, als ich mich der Spüle nähere?

Der Vulkan bricht aus, und zwar in Richtung Decke!!! Ich musste mir flugs einen Lappen krallen und die Pfanne von der Feuerstelle zerren.

Jetzt sieht meine Küche aus, als hätte ich einen lebendigen Menschen abgeschlachtet. Ich hätte nie gedacht, dass Soße so weit springen kann…

flattr this!

9 thoughts on “Gemetzeltkocht

  1. tanja

    Hut ab! Respekt, Respekt! Bis auf “prötschen” alles richtig, das ist das Rumfuhrwerkeln im Garten. *applausapplausapplaus*

  2. deep thought

    hallo jamie,
    hehe, das rezept kanne ich auch…kleiner tipp: beim loskochen von fonds immer erst die pfanne oder kasserolle vom feuer nehmen…der alkohol im wein verflüchtigt sich eben stark, konnte aber wegen der zähen karamelschicht nicht raus…naja, wie schon gandalf sagt: “verbrannhte finger(oder ne verdreckte küche) sind der beste lehrmeister”… *g

  3. Jamie

    Ich finde leider nicht alles…:-(
    jovel: gut
    schovel: schlecht
    Prötschen: ein Aufschneider
    Pröddel: Unrat; Müll
    pröddeln: planlos aufräumen; Überflüssiges tun im Haushalt
    Aufnehmer: Lappen, Feudel…

    Und? Stimmts?

  4. tanja

    Naja, was woher kommt weiß ich auch nicht sicher, aber ein paar Beispiele kann ich Dir nennen. Wenn Du eine Rätsel draus machst, sag ich Dir auch erstmal noch nicht die Bedeutungen, allerdings den wahrscheinlichen Ursprungsort! “Pillepalle” und “papperlapapp” habe ich ehrlich gesagt noch nie in regionaler Zugehörigkeit gesehen. Keine Ahnung, wo das herkommt. Vielleicht von der Sesamstrasse?! Was ich aus dem Norden mitgebracht habe ist “rumdaddeln” (das kennst Du ja dann wohl). Ich habe ja ein Jahr in Tostedt gewohnt… Da hat man übrignes mit “Aufnehmer” überhaupt nix anfangen können!

    Also das “töfte” ist typisch Ruhrpott, “jovel” und “schovel” kommen aus dem Münsterland, “schluckern” ist glaube ich eine Mischung aus verschiedenen Gegenden und “prötschen” ist ein rheinländisches Wort und dem westfälischen “pröddeln” nicht sehr fremd.
    Viel Spaß damit! :-)

  5. fono

    Die sprachlichen Wurzeln von “Pillepalle” müssen sich im Laufe der Zeit sehr verbreitet haben, wenn es in Hamburg und im Sauerland (da wo ich am Wohnen dran bin) gleichermaßen verbreitet ist. Der Begriff “hüsern” ist mir allerdings gänzlich unbekannt, was heißt denn das?

    Das Platt von der Insel Borkum ist auch sehr interessant. Besonders gut gefällt mir “Dat kann gebeuren” = “Das kann passieren/vorkommen” :)

  6. Jamie

    Sprachliche Wurzeln? Neenee, Tanja, “töfte” gehört eindeutig nicht zu meinem Sprachschatz. Eher schon solche Feinheiten wie “papperlapapp”, “hüsern” und “jo”. Jetzt kommst du: woher kommen all diese Begriffe? (hüsern kenn ich, das kommt aus dem plattdeutschen)

  7. tanja

    Also über unsere sprachlichen Wurzeln müssen wir uns wohl nochmal unterhalten! So von wegen “Pillepalle, Töfte und Co”… Das ist wirklich witzig, dass ich hier solche Wörter finde!
    Das Rezept für “wie ich meine Küche im Nullkommanix in eine brodelnde Urzeitlandschaft verwandle” klingt übrigens sehr lecker! :-)

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