Littlejamie 2.0

Das glaub’ ich ja nicht!

Heute morgen lag folgender Brief in meinem Briefkasten:

“Sehr geehrte Frau M.,

wir haben mit großem Bedauern erfahren, dass Sie Ihren Austritt aus der katholischen Kirche erklärt haben. Sie werden sicher verstehen, dass uns Ihr Schritt nicht gleichgültig ist.

In unserem christlichen Leben geht es um eine sehr zentrale Frage: die Gemeinschaft. Wie wir deutlich aus dem Evangelium ersehen, hat Christus die Gemeinschaft gewollt. Bestände diese Gemeinschaft der sichtbaren Kirche nicht, die sich zu Gottesdiensten trifft und das Wort Gottes hört und lebt, dann müssten wir mit Sicherheit sagen: im Laufe der Jahrhundert wäre das Evangelium von der Liebe Gottes zu den Menschen verloren gegangen.
Eine Welt ohne Christus aber sähe kälter aus!

Die Kirchenzugehörigkeit ist auch der Ausdruck einer Dankbarkeit, dass viele Christen im Laufe der Jahrhunderte in Höhen und Tiefen der Kirche und der christlichen Botschaft treu geblieben sind, sie gelebt und immer wieder erneuert haben. Für mich ist dies weiterhin ein Ausdruck des tiefen Wunsches, dass die Frohe Botschaft weitergegeben wird an kommende Generationen.

Selbstverständlich nehme ich Ihre Entscheidung sehr ernst. Und nicht etwa, wie Sie vielleicht denken könnten, aufgrund kirchensteuerlicher Gründe – sondern wiel die Gemeinschaft, die Gemeinde, das christliche Leben durch jeden Menschen im Glauben erfüllt wird, wahrhaftig wird. Das Leben einer jeden Gemeinschaft hängt von jedem Einzelnen ab. Jeder Einzelne ist so wichtig wie die Gemeinschaft.

Ich versichere Ihnen deshalb, dass Ihnen die Gemeinschaft der Kirche jederzeit offen bleibt!
Sie werden weit offene Türen finden, wenn Sie wieder ein neues und vielleicht anderes Verhältnis zum christlichen Glauben und unserer Gemeinde gewinnen wollen. Sie werden Rat und Trost, Freude und Leben finden.

Wenn Sie es wünschen, stehe ich Ihnen zu einem Gedankenaustausch in einem Gespräch bei mir oder einem Hausbesuch gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen,
Pater A.L. OFMConv.
Pfarrer”

Es juckt mich, tatsächlich ein Gespräch mit diesem mir bislang gänzlich unbekannten Pfarrer anzufangen. Ihn zu fragen, warum es ihm gar nicht aufgefallen ist, dass ich noch nie in seiner so gepriesenen Gemeinde mich hab blicken lassen. Ihm zu stecken, dass ich sogar erst nachgucken musste, wo die Kirche überhaupt ist.

Ihm zu sagen, dass es sehr wohl steuerliche Gründe hatte, warum ich ausgetreten bin – neben so Unwichtigem wie Nicht-Glaube und Ablehnung der Institution Kirche und des Christentums.

Ihm zu erklären, dass ich mich als 17jährige im Chor singenge Schülerin geweigert habe, zu Weihnachten in der Kirche zu singen – mit den Worten: “Kirche? Da setze ich keinen Fuß rein!”

Dass ich Menschen, die sich an der christlichen Glauben klammern, für schwach halte, für unfähig, eigene Entscheidungen zu treffen und diese zu rechtfertigen und daraus entstehende Konsequenzen zu tragen. Dass ich jegliche Religion für verlogen halte, für ein Bollwerk von ein paar fetten, reichen, heuchlerischen alten Herren gegen das hungernde Volk. Um es still zu halten.

Dass ich eine Kirche, die ihre einzige jemals regierende weibliche Päpstin verleugnet und aus den Büchern herausgestrichen hat, nicht ernst nehmen kann. Dass ich einen Papst, der gegen Abtreibungen wettert und den Beistand für die abtreibenden Frauen ablehnt, für total überflüssig und unzeitgemäß halte.

Dass ich mit der Kirche, insbesondere aber mit der katholischen Kirche nichts zu tun haben will. Dass ich regelrecht einen Würgereiz bekomme, wenn ich mitbekomme, was alles im Namen der Kirche den Menschen angetan wurde und wird.

Ob er dann immer noch so freundliche Briefe schreiben würde?

P.S. Wenn es jemandem auf der Seele brennt, hier und jetzt was darüber zu sagen, bitte ich um Wortmeinungen. Ich habe das nicht geschrieben, um mich im stillen Kämmerlein darüber zu freuen, was für lange Sätze ich verfassen kann.

flattr this!

27 thoughts on “Das glaub’ ich ja nicht!

  1. Susi

    Hi Jamie, bin ganz zufällig hier gelandet, trotzdem mein Meinungsschnipsel:

    Wie kommst du darauf, dass gläubige Menschen schwach und entscheidungsfähig sind? Ich bin gläubige Katholikin (jaaaa, die gibt’s!!!), was nicht heisst, dass ich alles gut heisse, was in der katholischen Kirche passiert (aber auch an meinem Mann gefallen mir nicht 100 % und deswegen liebe ich ihn trotzdem ;-) – aber ich bin alles andere als schwach und entscheidungsunfähig. Und ich kenne jede Menge weiterer gläubiger Katholiken, die ebenso stark sind wie ich.

    Jetzt geb ich’s dir! ;-)

  2. Sanníe

    @ Tom:

    Richtig! Das waren ja fanatische Heiden, die das WTC zu Schrott geflogen und den Tod Tausender Menschen in Kauf genommen haben. Hatte ich ganz vergessen.

  3. Doris

    Hallo liebe Jami,

    ich bin betrübt über Deine krasse Meinung. Auch ich finde nicht alles o.k. in der Kirche. Es gibt viele Dinge, die nicht gut sind, wie sie sind. Aber dennoch gibt es einen Glauben an einen lebendigen Gott, der dahinter steht. Und es gibt viele viele gute Dinge, die durch diese Menschen geschehen, die an Gott glauben.

    Es mag sein das diese Menschen in Deinen Augen schwach erscheinen. Aber mal Hand auf’s Herz: Hattest Du noch nie in Deinem Leben einen Tiefpunkt? Lief bei Dir alles immer schnurgerade? Das glaube ich nicht! Wieviel einfacher wären diese Momente gewesen, wenn Du gewusst hättest, das jemand da ist (den man zwar nicht sehen, wohl aber erleben kann), der Dir auf übernatürliche Weise echten Frieden (und ich meine echten und tiefen Frieden) schenkt, wo Du auf einmal ganz tief in Dir drinnen weißt, dass dieses “Wesen da draussen” es gut mit Dir meint und das er für Dich da ist.

    Über diesen Gott könnte ich noch viel schreiben, denn ich habe ihn wirklich erlebt – und ich kann sagen, das ich an keinem Tag aufstehen möchte und rausgehen mag, ohne zu wissen, dass ich unter seinen Augen den Tag durchlebe und ohne zu wissen, dass im Fall der Fälle seine Engel mich begleiten werden.

    Jamie, hast Du Dir je Zeit genommen Dir die Menschen, die in der Kirche arbeiten (Pastoren und ehrenamtl. Mitarbeiter) genauer anzuschauen? Was bewegt sie, wenn sie den Talar ablegen und ganz privat sind? Was denken sie, wenn sie an einem Sterbebett sitzen? – Hast Du Dir jemals Gedanken über’s Sterben gemacht? Wärst Du bereit diesen letzten Weg mit einem Menschen zu gehen, egal wie lange es dauert? Was ist mit den vielen diakonischen Einrichtungen und den Menschen, die dort aus Überzeugung und aus der Kraft des Glaubens arbeiten und die Liebe Gottes versuchen an die Behinderten und Gebrechlichen weiterzugeben? – Hast Du Dir jemals Zeit genommen den Alltag dieser Menschen zu beobachten? – Das ist für mich die wahre Kirche: gelebter Glaube. Das sind Menschen, die echt sind.

    Mach Dich auf die Suche nach ihnen und teste ihren Glauben, dann wirst Du den finden, der der Stifter des Glaubens ist (Gott).

  4. Steve

    Also bei uns in Österreich sind diese Briefe fast gleichlautend (nur dass es halt bei uns “Kirchenbeitrag” und nicht “Kirchensteuer” heißt). Nur werden sie bei uns von den Kirchenbeitragsstellen geschickt und nicht von den Pfarrämtern.

  5. Bine

    Hallo Jamie, bin heute durch Zufall auf Deine Seite gestoßen und auf diesen Post. Ich bin evangelisch und gläubig und ich denke keineswegs dass Leute, die einen Glauben haben, schwach sind. Der Glaube wird von vielen Leuten immer als Krücke bezeichnet. Ich für mich kann das ganz und gar nicht sagen. Ich kann meine Entscheidungen treffen und Konsequenzen daraus ziehen. Was die Institution Kirche betrifft bin ich ähnlicher Meinung wie Du, Ich denke einfach nur, dass christlicher Glaube nicht immer mit Kirche zu tun haben muss und man nicht alles so pauschalisieren kann. Mein Glaube beruht u.a. wirklich auf das Gemeinschaftsgefühl, das man z.B. in Ländern wie den USA oder Australien viel besser beobachten kann.
    Hm, mehr kann ich dazu auch ned sagen – ich will ja hier niemanden bekehren oder so ;) bin halt nur ein ziemlich individueller und selbstbewusster Mensch MIT Glauben ;)
    LG!

  6. Britta

    Was mir zu allererst aufgefallen ist: Der Brief, den Du zitierst, hat eine frappante Ähnlichkeit mit dem, den mein Mann und ich bei unserem Kirchenaustritt (katholisch) bekommen haben. Scheinbar haben die katholischen Gemeinden Musterbriefe für solche Situationen?!
    Bei unserem Hinzug in jene Gemeinde waren wir beide noch nicht verheiratet und noch in der Kirche und Martin wurde mit warmen Worten schriftlich willkommen geheißen, an mich aber ging kein Wort.
    Auch ich kann mit der katholischen Kirche nichts anfangen. Es mag zwar sein, daß einige Leute an der Basis wirklich von Herzen das leben, woran sie glauben, aber je weiter es mit der Karriereleiter nach oben geht, desto korrupter und machtgeiler wird der ganze Verein und das hat für mich nichts mehr mit christlichem Glauben zu tun.
    Ich bin zufrieden, so wie es jetzt ist. Ich wüßte nicht, ob ich einer anderen Religion angehören möchte. Ich denke, man kann für sich selbst auch Glauben finden, in der Großartigkeit der Natur, aber durchaus auch in sakralen Bauwerken, wie Kirchen, Moscheen oder ähnliches. Auch diese strahlen etwas “göttliches” aus, wenn in ihnen nicht irgendwelche merkwürdigen Rituale zelebriert werden.

  7. Anonymous

    “Leute wie Du fliegen auch geklaute Boings in Twintower”
    Na klar, ich stimme voll und ganz ALLEN Terroristen zu! Das liegt natürlich uneingeschränkt an meiner Ablehnung der Kirche gegenüber! Klar, macht Sinn. Nee, wirklich.

  8. Tom

    Ich bin kein Kirchgänger und ich könnte etliches aufzählen was mich an der Kirche stört, besonders wie und wielang ich zum Katholischen gezwungen oder geglaubt habe gezwungen zu werden. Jedenfalls hast Du in manchen sachen recht. Doch trotzdem macht mich Dein Text Agressiv…wütend……besonders Deine “Meinung” über Menschen Christl. Glaubens. …..ich glaub ich reg mich jetzt nicht mehr so auf….aber eines muss ich noch loswerden “Leute wie Du fliegen auch geklaute Boings in Twintower”

  9. Sandra

    Interessantes Thema, über meine Ärgernisse und Erkenntnisse über die (katholische) Kirche könnte ich Romane schreiben. Ich stimme Dir in allen Punkten zu. Ich war zwar als Jugendliche in der Katholischen Jugendliche (allerdings nicht aus Glaubensgründen, sondern aus höchst profanen, und weil’s vor allem in der Nähe sonst keine Jugendtreffs gab), aber ich habe auch zu der Zeit schon gemerkt, dass ich mit vielen der spirituellen Angebote der Kirche und des Glaubens nix anfangen kann. Wie schon Towanda sagte: es ist nicht meine Welt. Meine Gedanken decken sich nicht mit den Inhalten der Kirche und auch nicht damit, wie diese ausgedrückt und zelebriert werden. Mit 17 hab ich mich von der Kirche entfernt, die Distanz wird fortan grösser, die ganze Institution und ihre Anhänger werden für mich immer kurioser. Übrigens, hast Du schon mal einen Gottesdienst ganz genau und wortwörtlich verfolgt? Ist dir aufgefallen, wieviele nicht greifbare Dinge (..im Ruhme deines Fleisches blabla) da gesagt werden, die zwar wunderschön und poetisch klingen, die aber keinen Sinn machen bzw. nicht fassbar sind. Ich möchte gerne wissen, wieviele Leute da nicht wissen, was sie in den Gebeten sagen. Mir ist beispielsweise der Sinn von ‘gebenedeit bist du unter den Frauen’ im Gegrüsset seist du Maria (und vielen anderen Textstellen), bis heute verschlossen geblieben, obwohl ich es jahrelang gebetsmühlenartig runtergeratscht hab (und dabei an andere Dinge gedacht habe), was mich eigentlich erschreckt, und ich bin sicher, 80% der frommen Kirchgänger könnten’s mir nicht erklären.

  10. Towanda

    Jamie, ich kann Dich verstehen. Ich bin noch in der Kirche (ev.), aus Gewohnheit, aus Tradition, aber wirklich nicht praktizierend, sondern nur pro forma. Weil es sich so ergeben hat und ich bisher zu faul zum ändern war. Und zu opportunistisch, weil es in meinem Job gut möglich ist, daß ich bei einem kirchlichen Träger unterkomme, der darauf Wert legt.
    Drum hab ich mir vorgenommen, dann auszutreten, wenn ich meine jetzige Stelle bei einem nichtkirchlichen Träger fest in der Tasche habe und die Probezeit vorbei ist.

    Ich hab mich wirklich viel damit auseinandergesetzt. Ich war jahrelang in der kirchlichen Jugendarbeit – zuerst “nur” als Teilnehmerin, später als Gruppenleitung, wo ich allerdings keine Glaubensinhalte vermittelt habe und auch nicht vermitteln mußte, sondern Jugendarbeit ohne konfessionelle Orientierung gemacht hatte (ein Danke an die Pfarrer, die das okay fanden und Räume/ Gelder dafür zur Verfügung stellten… und somit auch ein wenig aus der eigenen Personalmisere fanden *g*).

    In diesem Rahmen gab es viele Berichte und Gespräche darüber, wie andere ihren Glauben fanden und ihn lebten. Zum Glück keine Bekehrungsversuche, sondern nur Schilderungen, wie es bei ihnen war und wieso sie sich dafür entschieden haben. Ich konnte es zwar für diese Leute nachvollziehen, doch was ich da so hörte, paßte einfach nicht zu mir. Eine komplett andere Welt.

    Woran ich glaube, kann ich nicht sagen. Vielleicht an den Menschen und sein Streben nach Recht, Gerechtigkeit und seinem Wunsch nach einem friedlichen Zusammenleben.
    Eine höhere Macht gibt es in meiner Ideologie nicht. Mag sein, daß es Erlebnisse und Situationen gibt, die einen zu so einer höheren Macht führen (wie sie hier ja schon geschildert wurden).
    Ich hatte diese Erlebnisse nicht.

    Und ich empfinde es für mich als Heuchelei, in der Kirche zu sein, und ich fühle mich dort auch nicht wohl. Besonders deutlich wird es mir beim Gedanken an eine eventuelle Hochzeit: Eine kirchliche Heirat, wie ich in den letzten Monaten einige mitbekommen habe, wäre Horror für mich (als Braut): Ich hätte das Gefühl, eine wunderbare Sache (die Liebe) durch einen falschen und geheuchelten Schwur (geloben der Treue vor Gott, an den ich nicht glaube) zu entehren und zu besudeln; dieses große und wichtige Vorhaben “Ehe” würde mit Lüge und Heuchelei beginnen. Und dieses Gefühl der Falschheit zieht sich mehr oder minder stark durch alle Lebensbereiche.
    Nein, ich will es klarer haben in meinem Leben und mich nicht auf dem Papier zu Sachen bekennen, hinter denen ich nicht stehe.

    Ich versteh Dich, und ich freu mich, daß Du Dich so entschieden hast. Nicht, weil ich auch so denke, sondern weil ich den Eindruck habe, daß es für Dich und in Dir stimmig ist (<- blöde Sozialpädagogen-Formulierung, aber ich hoffe, Du weißt, was ich sagen will *g*).

  11. Jamie

    Bevor wir aus Rumänien auswanderten, hatten meine Eltern einen schrecklichen Autounfall in Bukarest. Sie fuhren um den Triumphbogen rum, zu schnell, und von einer der darauf zuführenden Straßen kam ein Wagen mit 80 km/h auf sie zugerast.
    Der Fahrer hat es gesehen, dass meine Eltrern selbst zu schnell fuhren und nicht abbremsen werden, also hat er gebremst. Er ist nur noch mit 40 km/h in das Auto meiner Eltern reingebrettert.
    Der Wagen war komplett Schrott, meine Mutter, die auf dem Beifahrersitz saß, hatte nur einen Kratzer.
    Nach Betrachten des Schadens sagte der Hineingeraste zu meiner Mutter: “Gnädige Frau, sind Sie gläubig?” Sie antwortete wahrheitsgemäß mit nein. Er daraufhin: “Egal. Da drüben ist eine Kirche, gehen Sie beten. Das war ein Wunder!”

    Und sie hat’s getan.

    Ich möchte nicht, dass mich jemand falsch versteht. Vielleicht habe ich mich auch etwas missverständlich ausgedrückt. Ich lehne die Institution Kirche ab. Den Glauben, dass es irgendwo eine Kraft gibt, habe ich manchmal auch. Bei mir heißt sie nur nicht Gott.

  12. Mo

    Auch ich hatte in einer großen seelischen Not das Glück, einen Pfarrer kennenzulernen, der Seelsorger im besten Wortsinne war. Dieser Mann hat dazu beigetragen, dass ich über den Tod eines geliebten Menschen hinweggekommen bin. Insofern kann ich Frank sehr gut verstehen. Diese Erfahrung hat zwar meinen Glauben gestärkt – aber sie hat mich der Institution Kirche kein Stück näher gebracht. Glaube und Kirche sind bei mir zwei völlig verschiedene Dinge. Und übrigens: Weihnachten ist keine christliche Erfindung!

  13. Frank

    So Jamie.Nun muss ich auch mal meinen Senf dazugeben.Ich habe mit der Kirche auch nix am Hut. Ich hab’ schon oft darüber nachgedacht auszutreten. Ich habe es nie gemacht – aus Faulheit.Vor 1 1/2 Monaten ist meine Freundin mit dem Motorrad vor meinen Augen tödlich verunglückt und ich kann Dir sagen, daß ist eine Situation, in der man sich befindet, die niemand nachvollziehen kann. Man ist einfach nicht mehr handlungsfähig und droht an Fragen zu zerbrechen, über die man sich nie vorher den Kopf zerbrochen hat.Ich habe einen Pastor angerufen von der Bikers Helpline, der ist 30 Minuten nach ihrem Tod (sie war noch 3 Tage im Krankenhaus) bei uns aufgetaucht und hat sich seit dem um die Eltern und um mich gekümmert. Und – verdammt nochmal – dieser Typ ist NICHT entscheidungsunfähig, schwach und er kann sehr wohl Konsequenzen tragen. Das ist nämlich jemand, der sich bewußt entschieden hat, sich um solche Leute wie mich zu kümmern und ich bin wahnsinnig dankbar, daß er die Idee hatte, so eine Institution wie die Helpline zu gründen, auch wenn das bei den Kirchenvorständen sicherlich nicht immer einfach war.Es spricht überhaupt nix dagegen aus einer Institution auszutreten, die einem nicht gefällt. Und Deine Kritik ist sicherlich auch in Teilen richtig. Aber ich frage mich jetzt für mich, was wäre gewesen, wenn ich Holger (den Pastor) nicht gehabt hätte? Ich hab’ darauf keine Antwort. Ich weiß nur, daß er sich für andere den A… aufreißt. Und für ihn ist seine Religion eben eine Motivation und das ist gut so. Er ist da, er bekehrt nicht, er hat viel gesehen, er weiß, worum es geht, er hört zu, er hat die Trauerfeier gehalten – ohne christlichen Schnickschnack – vielleicht eher philosophisch (die Eltern waren auch nicht in der Kirche) und er hat das prima gemacht. Ich hätte es mir nicht besser vorstellen können.Ich finde man sollte einfach nicht so pauschal urteilen. Schau halt mal genauer hin.Dieser Beitrag ist ein bischen chaotisch, ich kann das schwierig in Worte fassen. Vielleicht wollte ich auch nur schreiben, daß ich weiß was Anke meint.Gruß, Frank

  14. der millo

    Jamie, Du hast meine volle Befuerwortung!@La commentatrice éternelle: Ich bin Erzgebirgler, ich feiere Weihnachten als Fest des Lichts. Wozu brauch ich da Glaube (abgesehen davon, das ich mich als Materialisten bezeichnen wuerde)?Beste Gruesse an alle und ein schoenes WOE, der millo

  15. Anke

    hallo, jamie,ich denke nicht, dass religion an sich “das volk” unterdrückt. ich denke, deine einschätzung trifft eher auf die kirche als institution zu, und aus ähnlichen gründen wie du bin ich damals aus der evangelischen kirche ausgetreten. ich war letztes jahr ziemlich schwer krank, und in dieser zeit habe ich etwas gebraucht, an dem ich mich festhalten konnte. denn meine freunde konnten mir zwar bis zu einem gewissen grad helfen, aber komplett verstehen konnten und können sie meine situation nicht – das erwarte ich auch gar nicht von ihnen. aber ich muss gestehen, dass ich an den tagen, an denen es mir einfach richtig scheiße ging, mit jemandem geredet habe, einfach so, in den raum rein. vielleicht war es gott, ich weiß es nicht. vielleicht habe ich auch einfach nur mit der wand gesprochen. aber es hat geholfen. es war auf einmal ein gefühl da von nähe und schutz und verständnis. und das ist das, was meiner meinung nach religion ausmacht. und, ja, garantiert war ich schwach und hilflos, aber ist es nicht großartig zu wissen, dass plötzlich eine kraft da ist, die mich wieder stark macht? das kann doch nichts schlimmes sein. ich finde deine entscheidung, aus der kirche auszutreten, absolut richtig, denn es hört sich so an, als ob es für dich eben das richtige ist. aber generell alle religionen über einen kamm zu scheren und sie und alle ihre anhänger in grund und boden zu verdammen, finde ich ein bisschen hart. just my two cents :-)

  16. La commentatrice éternelle

    Liebe Mitgliederinnen und Mitglieder: Jetzt geht das wieder los! Kein Wunder, dass die MLPD (tja, auch die gibt’s noch) auf ihren Wahlplakaten immer noch “Für die Befreiung der Frau” schreibt. Ich habe mich immer gefragt, wovon – jetzt weiß ich’s: von dem Komplex, den die Frauen in Deutschland haben, weil sie mit einer Sprache leben müssen, die nicht “unisex” ist! Warum nur habe ich mich noch nie darüber beklagt, dass es stets und ausschließlich “die Milch”, “die Hose” oder (schlimmer noch)”die Sonne” heißt??? Na, ich höre mal besser auf, bevor ich mir hier ‘ne Zahnlücke quatsche…

  17. Frau

    Tja, ich als bekennende Heidi(n)und noch nie in-der-Kirche-gewesene, kann Deine Ausführungen sehr gut verstehen. Schöner Brief (mir wird ganz übel!)…Und jemanden, der Theolgie studiert hat und dann nicht mehr an die Göttin/den Gott geglaubt hat, kenn’ ich auch! Übrigens auch so eine Marotte: Wieso ist immer von dem Gott die Rede? Das ist das, was mich immer wieder aufregt. Reicht jetzt an Kommentar,Frau *haleluja*

  18. Jamie

    Genau, Mo. Ich will hier zwar nicht behaupten, ich hätte einen Glauben (zumindest nicht so, wie die meisten Menschen das verstehen würden), aber ich stimme dir vollkommen zu.

    Interessant festzustellen ist auch, dass durchaus gläubige Menschen, die anfangen, THeologie zu studieren, nach und nach ihren Glauben verlieren. Woran das wohl liegt?

  19. andreas

    Hi Jamie,ich bin zwar nur aus dem Protestantenverein ausgetreten, aber das Gespräch, mit der Pastorin (die meine Kinder übrigens ‘die schwarze Frau’ nennen) habe ich mir nicht nehmen lassen, meine Gründe deckten sich in vielen Punkten mit deinen und für all das auch noch monatlich Geld zu bezahlen, konnte ich mit meinem Gewissen nicht mehr vereinbaren. Seit diesem Gespräch senkt ‘die schwarze Frau’ jedesmal den Blick, wenn sie mir begegnet. Was lernt man daraus: Christen sind auch nur schwache Menschen …. good decision!

  20. Mo

    Zur Erstkommunion bin ich gegangen, weil “man das so machte” – nicht etwa, weil ich davon überzeugt war. Mein Austritt aus Kirche viele Jahre später geschah dagegen aus tiefster eigener Überzeugung. Eine Institution, dich meine Lebensform ablehnt, hat in meinem Leben nichts zu suchen. Allerdings habe ich mit der Austrittserklärung nicht meinen Glauben abgegeben. Der ist geblieben. Aber wer braucht dafür die Kirche?

  21. Jamie

    Ich habe mit der Frage gerechnet. Und die einzige Antwort ist: die eigene Bequemlichkeit. Dass ich überhaupt drin war, war ein alter Fehler, dass ich noch drin war, verdanke ich meiner Faulheit und der bis dahin nicht wirklich gespürten Notwendigkeit.Wenn man jahrelang brutto=netto verdient, erübrigt sich die Frage nach einem Austritt.

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