Aufreger der Woche

In unserer Rubrik “Aufreger der Woche” hören Sie heute: “Wieso sitzen immer die Memmen am Fenster?” Ein HörSchreibspiel von LittleJamie.

Als ich noch studierte, gab es meist im Winter ein besonderes Spektakel zu beobachten, das niemals von seiner Form abwich. In überfüllten Seminarräumen und Hörsälen, zum Teil vor den eigentlichen Sitzreihen hockend, umringt von Jacken, Mänteln, Pullovern, Schals, Taschen und Rucksäcken, saßen die Studenten zuhauf und versuchten, sich auf den wie Regen auf sie herabregnenden Stoff zu konzentrieren. Nicht ganz einfach, vor allem zu gewissen Nachmittagsstunden, wenn das RisiBisi im Magen gärte und man von biologischen Tiefs geplagt wurde.

Irgendwann ging dann die Luft aus. Das passiert in jedem guten Haushalt, wenn die Fenster geschlossen sind. Und dann erfolgte das Unvermeidliche: einer stand auf und öffnete eines der Fenster einen Spalt breit.

Schön, sollte man meinen. Endlich Frischluft. Eine Wonne fürs Gehirn und fürs Gemüt. Aber (und es soll immer ein “Aber” geben, oder aber die Welt ist nicht vollkommen) es kam anders. Kaum zwei Minuten später fühlte ein Fräulein oder Prinzesschen, das in der Nähe der Fenster saß, ein leises, feines Luftzüglein am zarten Nacken, dass sich die selbigen Haare kräuselten. Oder aber die große Grippe sich ankündigte. Und so stand dieses Fräulein ohne Zögern auf und schloss das Fenster wieder.

Naturgemäß ging ein Stöhnen durch die Reihen der noch nicht von der Frischluft Berührten, denn ihnen war nach wie vor warm und muffig. Doch das Schicksal war unbarmherzig. Denn jedesmal, wenn einer von ihnen versuchte, ein am Fenster sitzendes Fräulein zu bitten, ein jenes wieder zu öffnen, wurde er mit einem brüsken “Es zieht!” wieder zurückgewiesen. Und so blieb man ganze 1, 2, 3 Stunden lang ohne Luft im warmen, streng riechenden Seminarraum sitzen, und ärgerte sich über die “Memmen am Fenster”, ohne am Ende mitbekommen zu haben, worum es in der Stunde ging.

Kleiner Zeitsprung nach heute

Heute sitze ich zwar am Fenster und ich befürworte auch das häufige Lüften unabhängig von der Jahreszeit, aber ich habe sonst nur Memmen im Büro neben mir sitzen. Lauter Prinzesschen, die sich sofort erkälten und die, statt lieber die Tür zu schließen wenn es ihnen zieht, mir meine Frischluft kappen und mich wie ein Fisch auf dem Trockenen japsen lassen.

ICH KANN NICHT ARBEITEN OHNE FRISCHLUFT!!!!!!!!!!!!

*nerv*

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Responses:

  1. Na Toll.
    Ich gehöre aber nicht zu den Hypochondern, möchte ich gleich einmal festhalten.
    Außer in Räumen wo viel geraucht wird (das kann ich nicht ab), mag ich es nicht wenn es irgendwo zieht.
    Da kann man ganz schnell sich was wegholen, ganz ganz schnell geht sowas. ;)

  2. So eine Frostbeule wie beschrieben haben wir auch gehabt in der Schule. Auf Klassenreise (ich im Jungenzimmer ;-)) brauchten 5 von 6 Schlafraum-insassen (Schläfer oder Penner klingt so komisch) auch dringend Frischluft. EINER, der am Fenster, natürlich… quengelte in einer Tour: “Das zieht, ich krieg ‘ne Rippenfellentzündung!” Da muß man erstmal drauf kommen und mitten in der Nacht außerdem auch aussprechen können. Der wurde natürlich ü-ber-haupt nicht krank, ist klar!

  3. 800×600.
    Aber irgendwie hatte ich wohl Tomaten auf den Augen, dass mir das vorher nicht aufgefallen ist. Unten ist doch diese Schiebeleiste und das ist noch Luft nach rechts.
    Liegt bestimmt an den Beiträgen, bleibe gleich da hängen und schaue mich nicht mehr um.

  4. Sowas kenne ich auch. Bloß das ich immer zu denen gehöre die das Fenster wieder schließen.

    Jamie, weil Du das Thema Fenster angeschnitten hast, ich lese hier ja nun schon ein paar Wochen. Und eben gerade bin ich auf die Idee gekommen, mal die Seitenleiste nach rechts zu schieben. So, dass ich das ganze Fenster sehen konnte, jedenfalls die zweite Hälfte.
    Ist doch irgendwie peinlich, oder? Das ich das nicht vorher gesehen hatte, dass da noch was ist.

  5. Dazu fällt mir eine Geschichte aus der Schulzeit ein. Wir waren im Landschulheim und ca. 10 Jungs waren in einem Zimmer untergebracht. Es war Winter und natürlich verlangten wir, daß nachts das Fenster geöffnet wird. Ein Schulkamerad, der am Fenster lag, bettelte inständig, das Fenster schließen zu dürfen, da er so friere. Das lehnten alle ab. Er holte sich dann gleich zu Anfang eine Lungenentzündung und verbrachte den Rest der Zeit im Krankenhaus.

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