Littlejamie - The best things come in small packages

Oktober 2011


Kartoffelknödel à la italiana

29.10.11 18:29 | Kommentare: 5 Facebook Sharing Icon Twitter Sharing Icon Flattr Icon
Da hab ich mich also gestern an die Gnotschi rangetraut. Verdammt, ich hab's schon wieder gesagt. Gnocchi heißt das, Gnocchi. Gnocchi, Gnocchi.

Ehrlich, seit ich irgendwann mal damit angefangen habe, dieses Wort zu verballhornen und daraus "Gnotschi" zu machen, muss ich JE-DES-MAL eine Zehntelsekunde innehalten, bevor ich es korrekt ausspreche. So wie ein Wort, das man tausendfach wiederholt, irgendwann seine Bedeutung verliert. Gnocchi. Gnocchi. Gnocchi. Singular Gnocco, nicht dass ich irgendeinen erwische wie er sagt "Willst du noch'n Gnocchi?" Ja, klar, und danach zwei Espressis. [Nebenbei bemerkt: was eine "Gnocca" ist, schaut ihr bitte selbst nach.]

Also Gnocchi. Oder wie Nata schreibt "Nnnnnnnnnjocki".

Seit Tagen, wenn nicht gar Wochen, liebäugle ich damit, diese wunderbar zarten, fluffigen Gnocchi vom Foodcamp nachzukochen, die mir mit ihren in Butter frittierten Salbeiblättern den Verstand genommen haben, hatte aber bis gestern nicht die Muße, mich auch tatsächlich daran zu setzen. Und überhaupt, es heißt doch immer, das sei so schwierig und so kompliziert und würde so viel Zeit und so viele Töpfe in Anspruch nehmen, und man solle ja nicht glauben, dass dieser Task sich so leicht bewerkstelligen ließe, denn selbst wenn man alles richtig macht, hängt es noch von Kartoffelsorte, Wetter, Tageszeit und sonstigen Albernheiten ab, und dann kann es mächtig in die Hose gehen und die Gnocchi werden steinhart, dass man damit die Scheibe beim Nachbarn einschlagen kann.

Puh, da hab ich mir ja was ausgesucht...

Anyway, die Zeit war da, sie war reif, und in mir dachte es: "Yallah, Ärmel hochkrempeln, die Kartoffeln werden nicht frischer, wenn sie da rumstehen!"

Ich muss sagen, ich habe mittlerweile so viele Gnocchirezepte gelesen, eines komplizierter und angsteinflößender als das andere, dass ich irgendwann beschloss, einfach nichts mehr auf genaue Mengen zu geben. Es geht ja schließlich nicht ums Backen.

Also kochte ich 10 mittlere Kartoffeln, die, wie sich hinterher rausstellte, viel zu viel waren, pellte sie und bearbeitete sie mit dem Kartoffelstampfer. Hinzu kam der Rest vom Kürbismus, den ich noch von den Ravioli übrig hatte (ungefähr zwei Esslöffel voll), 2 Eier und Mehl. Ich kann nicht sagen, wieviel Mehl es war, denn ich habe so lange Mehl hinzugefügt, bis die Konsistenz stimmte. Der Teig muss zwar noch feucht sein, darf aber nicht mehr kleben. So viel war mir klar, das hatte ich hier gelesen.

Aus dem Teigball, den ich übrigens aus Zeitgründen keine Stunde habe stehen lassen, wie Peggy mir empfohlen hatte, habe ich dann portionsweise Würste gerollt, und daraus ca 2 cm lange "Finger" abgeschnitten. Die Dekoration der Gnocchi ist Glücks- und Geschmackssache. Man kann sie mit dem Finger eindrücken und dabei rollen, auf den Zinken einer Gabel oder auch ohne, man kann mit einer Gabel Rillen in die Gnocchi drücken, man kann auch einfach nichts damit machen - wie man möchte. Zumindest bin ich davon überzeugt, dass es, außer ästhetischen, keinerlei kulinarische Gründe dafür gibt. Ich hab mit der Gabel Rillen in die Gnocchi eingedrückt, und zwar seitlich.

Gnocchi

Auf einem bemehlten Küchentuch abstellen, bis man mit dem gesamten Teig durch ist, Wasser derweil zum Kochen bringen und dann nur noch leise köcheln lassen, die fertigen Gnocchi portionsweise ins Wasser gleiten lassen und wenn sie an die Oberfläche schwimmen, abschöpfen und in kurz kaltes Wasser geben.

Wir haben sie mit einem gekauften, stark an Hundefutter erinnerndes Fertig-Rindergulasch gegessen, da dem Mann meine Idee mit "och, in Butter und mit Parmesan drüber" nicht reichte. Das Gulasch musste von uns noch ein wenig aufgepäppelt werden mit Pfeffer, Wacholderbeeren und einem kräftigen Schluck Rotwein. Piment hatten wir nicht im Haus, das wäre sonst auch noch mit in den Topf gewandert.

Wenngleich das Essen durch das Hundefutter keine Eins verdient hat, so waren wir doch durch die Gnocchi selbst sehr überrascht. Sie waren sehr fluffig und zart und klebten nicht am Gaumen. Sie waren nur viel zu groß, weswegen ich beim nächsten Mal die Würste sehr viel dünner ausrollen werde.

Ach ja, meine nächsten Akquisitionen werden sein: Kartoffelpresse und Schaumkelle.

Ricotta-Kürbis-Ravioli mit Salbeibutter

29.10.11 17:15 | Kommentare: 3 Facebook Sharing Icon Twitter Sharing Icon Flattr Icon
Meine Gemüsekiste kam an einem Mittwoch. Nun ja, das tun sie alle, zumindest wenn sie vom Gut Wulksfelde kommen, aber meine kam überraschend, weil ich vergessen hatte, wann genau der Termin war. Und da ich das vergessen hatte, war ich vorher noch einkaufen und hatte zwei formschöne Hokkaido-Kürbisse und einen Butternut gekauft. Klar, was jetzt kommt. NA-TÜR-LICH war in der Gemüsekiste ein Hokkaido drin.

"Was macht man, wenn man gefühlt eine Tonne Kürbis im Haus hat?" fragte ich auf Twitter und erhielt mehr oder weniger ernstgemeinte Antworten. Eine davon war von Paul: "Butternut mit dem Sparschäler zerschälen. In Chili, Zitronenschale, Salz, Pfeffer und Olivenöl einlegen. Saulecker, auch auf Brot." Das klang sehr interessant, aber ich war in dem Moment mehr auf der Suche nach einer Hauptmahlzeit als nach einem Antipasto. Deshalb verwarf ich auch die Idee der Kürbiscremesuppe, die ich sonst immer daraus koche und machte mich auf die Suche nach einem Raviolirezept. Mit Ricotta und Kürbis. Ich fand... den kleinen Kuriositätenladen, den ich mir gleich in die Foodie-Liste speicherte.

Ricotta-Kürbis-Ravioli mit Salbeibutter

Ricotta-Kürbis-Ravioli
Ravioliteig:
An meine Nudeln lasse ich nur Wasser und... Semolina. Gekauft im Versand bei Gustini, hätte es sicher auch bei Andronaco gegeben, aber da hätte ich ja erst hinfahren müssen: Hartweizenmehl, nicht Grieß, auf die Feinheit müssen wir schon achten. Auf meiner Packung steht "Semola di grano duro rimacinata", also wiedergemahlen. Genauso sieht's auch aus. Wie feiner Blütenstaub.

Gewünschte Menge Mehl mit soviel Wasser mischen und kneten, bis ein elastischer Teig entsteht. Kein Ei, kein Öl, kein Salz. In Gragnano machen sie das auch so. Wenn der Teig zu weich/flüssig ist, Mehl nachkippen. Ist er zu trocken... guess what.

Teig in Plastikfolie wickeln und eine Stunde im Kühlschrank stehen lassen. Varianten: bei Zimmertemperatur und/oder nur eine halbe Stunde. Ich hatte die Zeit.

Ricotta-Kürbis-Füllung:
Einen Hokkaido waschen, putzen, entkernen und in Spalten schneiden. Spalten im vorgeheizten Backofen bei 180°C für ca 30-40 Minuten backen. Den Hokkaido schält man nicht, die Schale wird beim Verarbeiten eins mit dem Kürbisfleisch und schmeckt wunderbar, vor allem aus dem Ofen.

Die Kürbisspalten mit einem Stabmixer pürieren (evtl. braucht man einen Minischluck Brühe zum Pürieren) und dann mit Ricotta (bei mir war es eine halbe Packung, also ca 125 g), Salz, Pfeffer, Muskat und, wenn man mag, frisch geriebenem Ingwer und durchgepresstem Knoblauch mischen.

Ravioli:
Nudelteig auf einer gut bemehlten Arbeitsfläche dünn ausrollen und mit einer runden Ausstechform (ich hatte einen Whisky-Tumbler) Kreise ausstechen.

In jeden Kreis einen Klecks von der Füllung geben, die Ränder mit leicht geschlagenem Eiweiß bestreichen, Teigkreise zu Halbmonden zuklappen, vorsichtig die Luft rausdrücken und die Ränder ordentlich fest zusammenpressen. Ravioli auf einem bemehlten Küchentuch abstellen, bis man den gesamten Teig verarbeitet hat.

Am Ende bleiben Teigreste übrig. Die habe ich zusammengeknetet und erneut dünn ausgerollt. Dann habe ich auf der halben Teigfläche in Abständen Füllungskleckse gegeben, Eiweiß um die Füllungen gestrichen, die andere Teighälfte drübergeklappt, festgedrückt und zwischen den Füllungsklecksen den Teig zerschnitten. Diese waren natürlich keine Halbmonde mehr, sondern Polygone.

In siedendem Salzwasser kochen, bis sie an die Oberfläche steigen.

Teigkreise für die Ravioli

Kürbismus als Füllung

Rohe Ravioli warten aufs Kochen

Salbeibutter:
In der Zwischenzeit Butter in einer Pfanne erhitzen und aufschäumen lassen. Salbeiblätter in der heißen Butter frittieren.

Fertige Ravioli in der Butter schwenken. Dafür braucht man eine große Pfanne. Ich hatte nur eine kleine für die Butter genommen, deshalb musste ich meine Salbeibutter über die Ravioli geben.

Mamma mia, war das lecker! Allerdings, wenn ich darüber nachdenke, fällt mir auf, dass das vielleicht gar keine Ravioli waren (die Italiener sind ja beim Verhältnis zwischen Nudelform und -namen sehr eigen), sondern Capelletti. Nu ja.

Was mir außerdem noch aufgefallen ist: Wenn man den Teig zu dünn ausrollt, ist die Gefahr, dass die Füllung durch den Teig platzt, relativ groß, vor allem beim Kochen. Meine zweite Fuhre wurde entsprechend dicker ausgerollt. Allerdings, und da weiß ich noch keinen Rat, weiß ich nicht genau, wie man einen größere Menge Füllung in den Teigkreis kriegt, weil beim Zuklappen Füllung an den Seiten rausquillt. Und noch größer wollte ich die Dinger nicht machen, sie wurden beim Kochen ja schon riesig. Hmm, da arbeite ich noch dran...

Und vielleicht kaufe ich mir irgendwann mal so eine schöne Ravioliform. Oder zumindest einen gezackten Pizzaschneider. Oder auch nicht, scheint ja auch ohne zu gehen.

Und ja, ich weiß, dass meine Fotos keinen Blumentopf gewinnen...

Und wir trieben Nächte übers Eis

28.10.11 02:54 | Kommentare: 0 Facebook Sharing Icon Twitter Sharing Icon Flattr Icon
Ich liebe diese Nächte, allein in meinem Wohnzimmer, mit einem Glas Wein und dem Internet, mit meinen Gedanken und der Nachtruhe. Diese Ruhe, die tagsüber unmöglich zu erreichen wäre, auch nicht, wenn ich auf einer einsamen Bergspitze lebte. Diese Ruhe, die ich erst wirklich spüren kann, wenn der Mann ins Bett gegangen ist und ich endlich Herr über Tastatur und Maus bin. Diese Ruhe, die mich tief durchatmen und kreativ werden lässt.

Erst in solchen Momenten habe ich wieder ein Gefühl fürs Wort, für den Gedanken, fürs Schreiben. Was tagsüber in Arbeit, Verkehrslärm, Bekanntschaften, Kochen und Essen untergeht, pirscht sich nachts heran, ganz leise auf bestrumpften Füßen, wie eine Katze, die es nach menschlicher Berührung dürstet.

Mich dürstet auch, nach dem Kuss der Muse. Manchmal bleibt er mir fern, trotz der weingetränkten Nachtruhe. Doch manchmal hockt er genau zwischen meinen eifrig in die Tastatur hauenden Fingern, fragil wie eine Seifenblase und dennoch so greifbar wie Nudelteig. Und ich gebe mir dann Mühe, ihn nicht zu schnell zu zerstören, diesen nebelhaften Geist, der aus dem Nichts auftaucht und mich glücklich macht.

Heute ist er nicht da.


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[Der Titel ist bei Felix De Luxe entliehen.]

Winification

27.10.11 05:32 | Kommentare: 4 Facebook Sharing Icon Twitter Sharing Icon Flattr Icon
Ich habe in meinem Leben nie Wein getrunken. Also jetzt nicht nie-nie, aber eher nicht. Ich bin eher Biertrinker. Oder harte Sachen, die gehen auch gut. Aber Wein... bof, das war immer so 'ne Sache. Ist wie Kino vs. Theater. Beim Theater muss man immer so viel wissen vorher, Kino geht einfach spontan, reingehen, gucken, feddich.

Ich sach immer: "Was auch immer man mir vor die Nase stellt, ich trink das weg wie Saft." Dann hab ich logischerweise lieber Sachen im Glas, die nicht so viel Prozente haben, ist klar. Sonst kann man mich binnen kurzer Zeit vom Sitz kratzen. Also kein Wein.

So war das bisher immer. Und dann kam mir Italien dazwischen. Als wir nach dem Cilento-Trip wieder nach Hamburg kamen, wollten wir diesen Urlaub noch nicht beendet wissen und gingen in unser zweites Zuhause, ins Kalliopea. Dort, italienisiert und foodgeflasht, bestellte ich mir Miesmuscheln in Weißweinsoße und der Mann irgendwas mit Fleisch, hab vergessen was. Und dann kam die obligatorische Frage "Was trinkt ihr?" Normalerweise ist die Antwort auf diese Frage immer Rhabarbersaftschorle für mich und naturtrübe Apfelschorle für den Mann. Und irgendwann Bier. Aber an dem Abend hörte Kalli folgende Worte: "Wir haben jetzt in Italien eine Woche lang Wein getrunken, wir wollen genau so weitermachen."

Kalli schaute uns kurz ungläubig an, rief dann aus "Ich glaub das ja nicht! Ina trinkt Wein!" und befahl uns dann, passend zu unserem Essen, den weißen Moshofilero und den roten Agiorgitiko. Das lässt sich im Nachhinein immer leicht sagen, aber die hatten wir auch selbst im Kopf gehabt, so ist das ja nun nicht.

Ich wusste nie viel von Weinen. Außer vielleicht der Farbe. Und dass meine Eltern definitiv zu süßen Wein trinken, wenn sie überhaupt mal welchen trinken. Aber ansonsten... Ich erinnere mich, dass ich in Cilento mit Nata, Marco und Thorsten ein Gespräch über Wein hatte. Thorsten mit seinem eigenen Anbau, Nata mit ihrer Weingeschichte, Marco als Kenner... ich fühlte mich wie der letzte Depp, dem man so banale Dinge erklären muss wie "dies ist ein Wein, das trinkt man aus Gläsern..." Ich erzählte ihnen, dass ich vom Wein keinerlei Ahnung habe und deswegen keinen trinke, aber da fielen sie alle über mich her und meinten, es spielt keine Rolle, ob man was weiß oder nicht, Hauptsache ist doch, ob's einem schmeckt oder nicht.

Hmm... Weiß ich, ob mir ein Wein schmeckt oder nicht? Ich denke schon, dachte ich dann. Ausprobieren.

Seitdem habe ich jede Menge Wein gekauft, bestellt und getrunken und einiges verstanden. Zum Beispiel dass Wein durchaus mehr als "halt nach Wein" schmecken und ergo lecker sein kann. Dass er, einmal geöffnet, erstmal atmen muss, am besten in einer Karaffe. Dass die meisten Menschen Rotwein immer viel zu warm trinken, da die Empfehlung, ihn bei "Zimmertemperatur" zu trinken, aus Zeiten stammt, als die Zimmer noch nicht so überheizt waren wie unsere heute und tatsächlich 18° maßen, man ihn also auch ein wenig kühlen muss. Dass ein und dieselbe Rebe in unterschiedlichen Ländern unterschiedlich schmeckt, da die Trauben unterschiedliche Mengen von Sonnenlicht abbekommen haben. Dass zwar der Preis nicht entscheidend ist, aber teure Weine wie der Barolo durchaus ihren Wert haben.

Diesen Text begleitet nun ein Primitivo, der, wie ich heute erfahren durfte, die italienische Version von Zinfandel ist (ja, von dem habe ich schonmal was gehört). Es ist der zweite Primitivo, den ich trinke. Der erste war "halt ein Wein", dieser hier ist mhmmmm... Bio obendrein. Hab ich bei Gut Wulksfelde bestellt, zusammen mit meiner ersten Biokiste.

I think this is the beginning of a wonderful friendship.

Was ist kochen?

27.10.11 02:41 | Kommentare: 4 Facebook Sharing Icon Twitter Sharing Icon Flattr Icon
Vor einigen Jahren musste ich mir das Großprojekt "Ich will meine Küche mal wieder zum Kochen nutzen" noch mühsam vornehmen. Damals wurde dort nur der morgendliche Kaffee zubereitet und vielleicht das sonntägliche Rührei. Ansonsten verkümmerte meine Küche zu einem leblosen Raum, in dem während der Woche Dinge sinnlos irgendwohin gestapelt und am Wochenende in die Spülmaschine gestellt wurden. Gegessen wurde entweder auswärts oder vom Bestelldienst.

Seit ich aus Italien wieder da bin, koche ich fast täglich. Mal nach Rezept, mal nach Schnauze, aber immer mit ganz viel Spaß, auch wenn es stundenlanges In-der-Küche-Stehen beinhaltet. Ich habe in meinem ganzen Leben nicht so viel gekocht wie in diesen letzten drei Wochen. Das geht sogar so weit, dass Kalli, die Besitzerin unseres Stammgriechen Kalliopea, heute bei mir anrief, um nachzufragen, ob mit uns alles in Ordnung ist, wir hätten uns schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen.

Ich koche also. Ich koche gern. Und ich koche nicht ganz schlecht, wenn ich meinem eigenen Gaumen und den Lobpreisungen des Mannes Glauben schenken darf. Aber eine Frage bleibt: koche ich wirklich? KANN ich kochen? Was IST Kochen überhaupt?

Vor einigen Monaten wollte Isa das Pastinakenbrot nachkochen, das Anke gepostet hatte. Sie hatte aber keine Pastinaken, sondern nur Möhren im Haus, und statt Parmesan nur Berkäse, also fragte sie auf Facebook, ob man das Brot trotzdem noch backen könne. Es war eine dieser Radio Eriwan-Fragen. "Ist es wahr, dass Genosse Jewgenji ein Auto geschenkt bekommen hat? — Im Prinzip ja, aber es war kein Auto, sondern ein Fahrrad, und es wurde ihm nicht geschenkt, sondern gestohlen." Von Stevan kam dann die genialste und wahrste Antwort ever: "Das ist dann Kochen!" (ja, ich musste gerade acht Monate zurückscrollen)

Das ist dann Kochen. Dieser Satz macht mich nachdenklich. Eine entfernte Bekannte sagte mal von sich selbst, sie könne zubereiten. Auf meine Nachfrage hin erklärte sie, dass sie es deswegen nicht "Kochen" nennt, weil Kochen ja bedeute, sich Dinge auch selbst auszudenken und neu zusammenzumischen, während Zubereiten jeder Idiot könne, der des Lesens mächtig sei.

Interessanter - und sehr wahrer - Gedanke.

Ich kann nicht behaupten, dass ich *kochen* kann. Aber beim reinen Zubereiten mag ich's auch nicht belassen. Neulich hatte ich eine Variante einer meiner Standardabendessen gekocht, Steak mit Gemüsepfanne, das geht schnell und ist lecker. Ruckzuck das Fleisch anbraten, in Alufolie wickeln, derweil das Gemüse in die Pfanne schmeißen, mit Salz, Pfeffer, Rosmarin würzen, mit ein wenig Rotwein ablöschen, Fleisch kurz wieder in die Pfanne werfen, servieren, fertig. Variante deswegen, weil ich nicht die Gemüsesorten zur Verfügung hatte, die ich sonst dafür nehme. Als der Mann davon aß, hielt er inne und meinte dann: "Ok, ich sag nie wieder, dass du nicht einfach mal was zusammenschmeißen kannst. Himmel, ist das lecker!"

Das ist dann wohl Kochen. Irgendwann. Ich arbeite dran.

Kaninchenkeulen mit herbstlichem Ofengemüse

25.10.11 00:55 | Kommentare: 0 Facebook Sharing Icon Twitter Sharing Icon Flattr Icon
Was macht man, wenn man gefühlt eine Tonne Kürbis im Haus hat? Richtig, kochen. Har har.

Eigentlich wollte ich heute meine Kürbiscremesuppe zaubern, aber dann kam ich im Quarree an Kaninchenkeulen vorbei. Und nachdem mir die Dame am Frischfleischstand erklärte, was man mit den Dingern macht, war's um mich geschehen. Ich kaufte zwei, weil sie mir versicherte, dass es für zwei hungrige Mäuler reichen würde. Ich hatte außerdem noch das Gemüse im Kopf.

Kaninchenkeulen mit Ofengemüse - vorm Garen

Ja, das auf dem Bild sind keine Hähnchenkeulen. Ich hab den Mann raten lassen, er hatte es erst beim dritten Versuch raus! ;-)

Kaninchenkeulen mit herbstlichem Ofengemüse (für 2 Personen)
Ofen auf 180-200°C vorheizen.

Man kann alle Arten von derbem Gemüse nehmen: Hokkaido, Topinambur, Möhren, (Süß)kartoffeln, Pastinaken...

Gemüse waschen, wenn nötig schälen (Hokkaido nicht, Topinambur auf jeden Fall) und putzen, evtl in Spalten, Hälften oder Stücke schneiden. Ich hatte noch Kochbirnen, weil ich den Kontrast zum ansonsten deftigen Gemüse so schön fand. Die habe ich ganz gelassen. In eine feuerfeste Auflaufform oder einen Bräter reichlich Olivenöl geben, das Gemüse darauf schichten, geschälte Knoblauchzehen in die Zwischenräume stecken, mit Salz, frischgemahlenem Pfeffer und Rosmarin würzen.

In einer Pfanne Öl erhitzen. Die gewaschenen und trockengetupften Kaninchenkeulen mit Salz und Pfeffer würzen und mit Senf einschmieren und von beiden Seiten anbraten. Sie sollten eine braune Kruste kriegen.

Die Kaninchenkeulen auf dem Gemüse platzieren und für ca eine Stunde im Ofen auf der Schiene direkt unter der mittleren schmoren lassen. Nach der ersten halben Stunde nachschauen und ein Glas Rotwein dazugeben und den entstandenen Bratensaft mit einem Löffel ein bisschen auf Gemüse und Keulen verteilen. Ich habe da die Keulen einmal umgedreht, damit sie von oben nicht verbrennen. Evtl. noch mehr Öl hinzufügen. Nach weiteren 20 Minuten einen Becher Instantbrühe (ich hatte Hühnerbrühe, man kann auch Gemüsebrühe oder gleich Fond nehmen) dazugeben, noch 10 Minuten länger in Ofen belassen.

Schmeckt toll zum Rotwein, den man eh schon reingekippt hat. Weitere Beilagen hatte ich nicht, aber dazu passt bestimmt Kartoffelpürree oder Semmelknödel. Auch ein Salat vorweg (Feldsalat oder Rucola mit einer leichten Vinaigrette) ist nicht schlecht.

Ich muss sagen, es war sensationell lecker. Sagt der Mann auch: "Wenn du so weiter machst, heirate ich dich irgendwann noch."

Ach ja, by the way. Kaninchen... Tastes like chicken. Aber beim nächsten Mal hole ich zwei pro Person, es war definitiv nicht genug!

Tomaten-Polenta à la Paulsen

20.10.11 22:42 | Kommentare: 0 Facebook Sharing Icon Twitter Sharing Icon Flattr Icon
Neulich im Cilento... Il Brato di Schwein gart im Ofen bei Niedrigtemperatur friedlich vor sich hin, und Herr Paulsen schnippelt kleine Rispen-Cherry-Tomaten in einen großen Topf. Auf Nachfrage, was er dort veranstaltet, bekommt man die Antwort: "Ich mache heute Abend eine Tomatenpolenta zum Schweinebraten. Und da ich später keine Zeit habe, koche ich den Sugo schonmal vor." Riecht gut und sieht auch gut aus, was da im Topf köchelt. Wird bestimmt verdammt lecker. Wie eigentlich alles in diesen Tagen.

Später am Abend kann sich der Braten nicht nur optisch beweisen, sondern auch geschmacklich: nach dem Essen finden sich einige der Foodcamper in der Küche wieder, bewaffnet mit Fingern und Brotstücken, und stürzen sich auf den Bratensatz, der im Bräter übriggeblieben ist. Geschmacksexplosion in meinem Mund, man hält es nicht für möglich. Ich kann es mir nicht nehmen lassen, nachdem ich den halben Bratensatz weggetunkt habe, in den Speisesaal zu rennen und Stevan, der sich gerade mit dem Winzer unterhält, einen kulinarisch-leidenschaftlichen Kuss auf die Wange zu geben. Meine Fresse, war das lecker...

Und die Polenta ist für mich die Überraschung schlechthin. Der Mann, sonst geplagt von "mamaliga", der rumänischen Variante der Polenta, die wir immer zu Weihnachten zu den Krautwickeln reichen (mundet ihm ja nicht so: zu fest, zu nixig, irgendwas fehlt ihm da. Kann ich nicht nachvollziehen, aber nun, über Geschmack lässt sich nunmal nicht streiten), genießt die Paul'sche Polenta in vollen Zügen, kommt nach dem Essen zu mir und sagt: "SO muss Polenta schmecken!"

Also habe ich beschlossen, Stevans Polenta mal nachzukochen, zumal er mir am selben Abend noch davon schwärmen musste, wie einfach die zu machen ist und wie begeistert alle Gäste sind, wenn man sie kredenzt.

Gesagt, getan.

Tomatenpolenta mit groben Bratwürsten, Rucola und Parmesan

Tomaten-Polenta mit Bratwürsten und Rucola (für 4 Personen)
Einen Sugo aus 400 ml passierten Tomaten, 500 ml Hühnerbrühe, 20 g Butter und 1 durchgepressten Knoblauchzehe kochen. 250 g Polenta-Maisgrieß in den Sugo einrühren und evtl. mit Salz und Pfeffer würzen. Zugedeckt bei leiser Hitze 15 Minuten quellen lassen.

In der Zwischenzeit grobe Bratwürste braten (je nach Hunger und Größe der Würste braucht man 1 oder 2 pro Person).

40 g frisch geriebenen Parmesan unter die Polenta rühren. Die fertige Polenta auf Teller geben, die Würste oben drauf legen und mit einigen Blättern Rucola und einigen Hobeln Parmesan anrichten.

Das habe ich zweimal gemacht. Beim zweiten Mal habe ich die Flüssigkeitsmenge erhöht, da beim ersten Mal die Polenta zu hart wurde, und ich wollte sie ja eher schlotzig haben. Das muss man dann einfach ausprobieren und dem eigenen Geschmack anpassen. Dem Mann gefällt Polenta trotzdem nicht.

Das Foto oben ist vom ersten Mal.

Risotto al Barolo e Tartufo

15.10.11 18:36 | Kommentare: 1 Facebook Sharing Icon Twitter Sharing Icon Flattr Icon
Ich liebe Besuch im Haus. Ich liebe es, Gäste zu empfangen und zu bewirten, sie zu bekochen und ihnen Leckereien zu kredenzen, die sie schwärmerisch in Empfang nehmen und mit vor Lust geschlossenen Augen genießen. Ich liebe es, wenn der Besuch mit einem Glas Wein in der Hand auf einem Stuhl in meiner winzigen Küche sitzt und wir über die Welt palavern, während ich am Herd vor mich hinwerkele.

Ich liebe es, wenn die Küche nach dem Festmahl wie die Schlacht bei Gettysburg aussieht und sich überall Teller, Gläser, Pfannen stapeln - auch wenn ich es vorziehe, während des Kochens schon das Gröbste wegzuräumen, so es mir das Gericht erlaubt. Das alles gibt mir ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit, von Zuhause. Es erinnert mich immer an die "full house"-Abende in meiner Kindheit, wenn Freunde meiner Eltern sich zuhauf in der kleinen 2-Zimmer-Wohnung einfanden und meine Mutter praktisch aus einem Nichts ein 3-Gänge-Menü oder ein Festbuffett zauberte. Wein, Weib, Gesang - das ist doch der Sinn des Lebens, oder etwa nicht?

Vorgestern waren zwei Freundinnen zum essen hier. Eine bewohnt fast die ganze Woche meine Schlafcouch, die andere hatte sich spontan angemeldet. Und ich, noch immer in meiner italienischen Phase, wollte eigentlich Nudeln kochen. Aber da mich der Muskelkater vom Nudelteigkneten und -rollen zwei Tage zuvor noch immer in seinem Bann hielt, beschloss ich, Risotto auf den Tisch zu bringen.

Trüffel, angeschnitten

Ich hatte mir in Castellabate eine Packung Risotto-Reis gekauft, um meinem Trüffel die lange Reise nach Hamburg ohne Kühlung zu ermöglichen. Nach Stevan Pauls Tipp ließe sich damit nach ca einer Woche im Kühlschrank ein wunderbares Trüffel-Risotto zubereiten. Diese Woche war nun um. Nachmittags beim Einkaufen hatten wir uns obendrein vom Barolowein anlächeln lassen. Barolo? Das ist doch der, der so teuer sein soll. Ja, lass uns den mal probieren. Ach guck mal, "passend zu Trüffeln". Wenn das kein Zeichen ist...

Risotto al Barolo e Tartufo (für 4 Personen)

Goldene Zwiebeln in der Pfanne

Zwei Schalotten fein hacken und in 50 g Butter anschwitzen. Wenn die Zwiebel golden ist, 320 g Reis und den feingehobelten Trüffel hinzufügen und 2 Minuten lang unter Rühren rösten.

Rotwein zum Reis

Halbe Flasche nicht allzu alten Barolowein (meiner war von 2006) dazugeben, bei mittlerer Hitze aufkochen lassen, zwischendurch immer wieder rühren.

Risotto fast fertig

Wenn der Wein fast vollständig absorbiert ist, einen halben Liter Brühe nach und nach eingießen und für ca 17 Minuten unter Rühren weiter kochen. Kurz vor Ende der Garzeit eine ca walnussgroße Menge Butter einrühren.

Petersilie dazu

Eine handvoll gehackter frischer Petersilie (unbedingt glatte verwenden, die krause hat irgendwo in ihrer Evolution den Geschmack verloren!) einstreuen und, falls nötig, noch salzen.

Fertiger Risotto

Risotto noch gut warm servieren und die Flasche Barolo dazu leeren. Buon apetito!

Nachtrag: Danke an Melly, die mich vor Jahren in die Kunst des Risottokochens eingeführt hat. Ich hatte ja keine Ahnung...

Wine mystery

12.10.11 00:19 | Kommentare: 2 Facebook Sharing Icon Twitter Sharing Icon Flattr Icon
Hab heute Laberwasser getrunken, dünkt mir.

Apropos getrunken: gestern mit dem Mann zwei Flaschen Wein gekauft, von denen ich eine aufgemacht habe. Mir war so. Wein ist so na ja. Heute Abend kommt der Mann irgendwann heim, geht in die Küche weil er ein paar Dinge noch eingekauft hat, und kommt dann wieder zurück zu mir und sagt: "Sag mal, hast DU das Tiefkühlfach offen gelassen?"

Ich zucke mit den Schultern, weil ich mir keiner Schuld bewusst bin, laufe aber trotzdem mit in die Küche, um nachzuschauen, was los ist. Und in der Tat, die Tiefkühlfachtür steht ein ganz kleines bisschen offen, der Weinflasche darin geht es gut... Moment mal, eine Weinflasche? Im Tiefkühlfach? Was zum...?

Der Mann und ich schauen uns ratlos an. Wieso ist da eine Weinflasche drin? Und wieso, wenn sie Eiskristalle auf der Oberfläche hat, ist sie nicht geplatzt? Seit wann ist die denn dadrin? Wer hat sie da reingestellt? Und wieso ist sie offen???

Alles sehr merkwürdig, wir denken spontan an Geister.

Denn: ja, ich habe gestern zwei Gläschen getrunken, aber das war aus der anderen Flasche, die immer noch auf dem Balkon steht, da im Kühlschrank kein Platz dafür war. Und überhaupt, so wie diese Flasche geöffnet wurde, das würde keiner von uns so machen, die Kunststoffumhüllung ist nicht sorgfältig genug entfernt worden, da ist alles zerfetzt. Nenene, ich mach das Ding immer ordentlich weg, ich kann das sonst nicht leiden. Und ich erinnere mich definitiv daran, nur die eine aufgemacht zu haben, die auf dem Balkon steht. Ja, sie steht da noch.

Und wieso, wenn sie offen ist, ist sie noch voll? Wer macht eine Flasche Wein auf und trinkt nichts daraus? Rätsel über Rätsel.

Und dann kommen Sherlock Holmes und Dr. Watson langsam dahinter, was passiert sein muss: ich habe gestern den zweiten Wein ins Tielfühlfach gestellt, weil... keine Ahnung warum, ich weiß es nicht mehr und es ergibt auch nicht so unendlich viel Sinn, aber ich erinnere mich vage an die Bewegung. Und ihn dann - natürlich - dort vergessen. Nun können wir echt von Glück sprechen, dass Weinflaschen anscheinend viel robuster sind als Bierflaschen, denn eine Bierflasche wäre längst explodiert. Diese tat es nicht. Aber der Wein dadrin musste sich dennoch ausweiten und hat sich den einzigen Weg rausgesucht, der ging: durch den Korken. Deswegen ist der Plastikmantel um den Korken ja auch so unordentlich und zerfetzt, weil der Korken da mit Druck durch ist. Und deswegen war die Tür nicht sperrangelweit sondern nur ein kleines bisschen offen, so wie man das nicht hinkriegt wenn man es versucht: der Korken hat sich nur ein bisschen aus dem Flaschenhals rausgewagt, eben genug, um die Tür einen Spalt zu öffnen, aber nicht genug, um die Vorräte auftauen zu lassen. Und deswegen ist sie noch voll, weil das eben nur ein wenig war.

Also keine Geister. Nur eine vergessliche Jamie. Oder wie Salvatore sagte: "Du hast mehr Glück als Verstand!"

Calamarata con Frutti di Mare

11.10.11 21:15 | Kommentare: 0 Facebook Sharing Icon Twitter Sharing Icon Flattr Icon
Sie lachen mich an, diese großen, runden Calamarata, seit ich wieder zurück bin und die Packung aus dem Gepäck befördert habe, ein wenig zerknirscht aber noch heil. Alleine das Wort... das muss man sich erstmal auf der Zunge zergehen lassen: Ca-la-ma-ra-ta. Mhmmm...

Passen tun sie zu Fisch und Meeresfrüchten, der Name deutet es an, wenngleich er auch nicht von der dazu bestimmten Soße stammt, sondern andersrum: sie heißen so, weil sie aussehen wie in Ringe geschnittene Calamari.

Cottura: 13 minuti. Das steht leider nur auf der Seite und nicht auf der Packung, ich musste also zwischendurch an den Rechner, um sicherzugehen. Ich gebe zu, das quält mich jetzt nicht so.

Ich hatte mir gestern einen Kalmar gekauft (hach, wenn ich an die denke, die wir in Cilento hatten...), den ich heute leider doch wegwerfen musste, denn er stank erbärmlichst nach rottigem Fisch, und das obwohl ich ihn die ganze Zeit im Kühlschrank hatte. Die spanischen Muscheln und die Shrimps waren zum Glück schon vorgegart und verzehrfertig, da konnte nichts schlecht werden.

Was habe ich also gemacht? Mal nachdenken, ich bin ja eher so der Sponti unter den Köchen... Ach ja, genau, so war's:

Nudeln nach Packungsanweisung al dente kochen.

Separat in einer großen Pfanne (ich hatte eine Wokpfanne) Olivenöl erhitzen, darin zwei in Salz eingelegte Sardellen schmelzen, die man zuvor ein wenig in fließendem Wasser abgespült hat. Bei mir sind die Dinger nicht geschmolzen, mir dünkt, dass ich die Falschen hatte. Eine handvoll Möhren-Julienne und ein wenig später eine halbe geraspelte oder kleingeschnittene Zucchini mit hineingeben und unter Rühren pfannenrühren. Eine Zehe feingehackten Knoblauch hinzufügen, rühren. Cherry-Tomaten hälfteln und mit reinwerfen, weiter rühren.

Mit einem Schluck Weißwein ablöschen, einen TL Butter hinzufügen.

Die mittlerweile fertigen und abgetropften Nudeln mit in die Pfanne geben, ordentlich durchrühren, evtl. nach Gusto noch mehr Knoblauch hinzufügen und vor dem Servieren mit Petersilie bestreuen. So lecker, dass der Mann sich nicht nur Nachschlag geholt hat, sondern auch noch meinte "Darauf kannste lange warten, bis du das in nem Restaurant so geil kriegst!" Danke für die Blumen.

Und ich Depp habe vergessen, ein Foto davon zu machen.

Mangiare, capisce?

11.10.11 21:03 | Kommentare: 0 Facebook Sharing Icon Twitter Sharing Icon Flattr Icon
Heute war ein großer Kochtag. Ich scheine gerade entweder sehr verfressen zu sein oder aber einfach nur neugierig. Ich suche mir Letzteres aus, basta.

Allora, den Mittagshunger habe ich gerettet mit Zucchini in umido, die ich gestern hier gefunden hatte. Zucchini, Tomate, Ei: easy-peasy. Gestern hatte ich ja noch schnell eingekauft, unter anderem einen Zehnerpack Eier, weil ich in absehbarer Zukunft Diverses mit Ei vorhabe *händereib*.

Claudios Rezept ist idiotensicher, aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht in typischer Jamie-Manier einige Dinge überlesen hätte. So kam es dann, dass ich statt der zwei Tomaten nur eine genommen habe, weil ich mir dachte "ist ja nur für eine Person".

Zucchini in umido

Meine Version setzte sich also wie folgt zusammen:
Olivenöl erhitzen, 2 grob gehackte Schalotten darin anschwitzen. Eine mittelgroße Zucchini in Scheiben von ca einem halben Zentimeter Dicke schneiden, zu den Zwiebeln geben und in der Pfanne schwenken, bis sie ein bisschen Farbe angenommen haben. Mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss würzen.

Eine reife Tomate kreuzweise einschneiden, mit kochendem Wasser übergießen und häuten, dann würfeln und mitsamt dem Saft mit in die Pfanne geben, genauso wie eine Tasse Wasser. Deckel drauf, Hitze auf unterste Stufe runterschalten, ca 20 Minuten köcheln lassen. Wenn man währenddessen so wie ich am Rechner sitzt, sollte man sich unbedingt den Wecker stellen!

Nach den zwanzig Minuten ein Ei aufschlagen und langsam in die Zucchini-Tomaten-Geschichte gleiten lassen, Deckel wieder rauf, und vier gute sieben Minuten pochieren. Ich hatte zuerst die Hitze immer noch auf der untersten Stufe, deswegen war nach vier Minuten das Ei noch glibbrig. Also habe ich sie hochgeschaltet, aber anscheinend ein wenig zu hoch, denn dann wurde das Ei ein bisschen zu fest. Muss man einfach ausprobieren und immer schön mit dem Holzlöffel vorsichtig ins Eigelb pieken, ohne es kaputt zu machen. Ich hätte das Eigelb gern einen Tick weicher gehabt, aber nun.

Auf einen Teller geben (Vorsicht! Viel Flüssigkeit! Ich musste erstmal ne Weile schlürfen, bevor ich den Teller bewegen konnte), einige Petersilienblätter rupfen und drüber streuen, eventuell das Eigelb nachsalzen, genießen.

Bei mir gab es frisches selbstgebackenes Brot dazu.

Insgesamt ein nettes, einfaches Gericht, das durchaus (auch in meiner kleinen Version) satt macht. Ich habe ein bisschen zu sparsam gesalzen und musste ordentlich nachwürzen. Beim nächsten Mal nehme ich dann tatsächlich zwei Tomaten.

All'improvviso

11.10.11 01:46 | Kommentare: 0 Facebook Sharing Icon Twitter Sharing Icon Flattr Icon
Calamarata Nudeln beim Trocknen

Calamarata mit Frutti di Mare. Das war heute der Plan. Weil ich die Calamarata vom Foodcamp noch hatte, jungfräulich in ihrer rot-schwarzen Verpackung, und weil sie, wie der Name schon andeutet, sich gut mit Meeresgetier vertragen. Schnell bekritzelte ich einen Einkaufszettel mit so wohlklingenden Namen wie Pulpo, Vongole, Cozze, Gamberoni und Alici, fügte noch Dosentomaten San Marzano hinzu, Möhren-Julienne und natürlich Wein, und ging nach Wandsbek ins Perfetto.

Ich hatte den Wagen fast vollgepackt, nur noch der Wein fehlte, als der Mann plötzlich vor mir stand. Schön. Zusammen stöberten wir die Weinabteilung nach etwas, das uns zu den Nudeln und den Meeresfrüchten passend erschien, bezahlten und... gingen dann mitsamt den Einkäufen nach nebenan zu Jim Block. Weil wir plötzlich doch keine Lust mehr hatten zu kochen.

Morgen wird aber gekocht. Versprochen.

È un universo tutto ancora da scoprire

09.10.11 02:27 | Kommentare: 3 Facebook Sharing Icon Twitter Sharing Icon Flattr Icon
Ich stecke bis zum Handgelenk in einer weichen Tube, die mit anderen weichen Teilen gefüllt ist, und versuche, die Tube zu leeren. Das tue ich, indem ich an diesen anderen Teilen, die an den Wänden der Tube angewachsen sind, ziehe und zerre. Weich ist gar kein Ausdruck: alles ist glibbrig und glibschig und rutscht mir aus den Fingern, die in der Tube eh keinen richtigen Halt finden. Obendrein ist alles in schwarze Tinte getaucht, die irgendwie immer mehr wird. Ich fühle mich wie beim Dialog im Dunkeln. Um mich herum stehen Leute, die mich mit einer Mischung aus Bewunderung, Ekel und Neugier anschauen - und wie wild alles fotografieren, was ich aus der Tube hervorhole.

Sepia hält sich mit seinen Tentakeln am Küchenbrett fest
[Bild: Daniela Haug]

Die Tube ist ein Sepia, der kurz zuvor noch gelebt hat und den wir heute Abend "a la plancha" zuzubereiten gedenken. Ich befinde mich im Cilento, genauer gesagt in der Küche des Hotels Antonietta in San Marco di Castellabate, und bin Teilnehmer des von Florian Siepert ins Leben gerufenen Foodcamps mit demselben Namen (Cilento, nicht Siepert), das vom 1. bis 5. Oktober stattfindet. Mehr zu dieser Idee und wie sie entstanden ist, kann man in Florians eigenem Blog nachlesen. Für mich war jedenfalls sofort klar, dass ich hin muss.

Es ist der letzte Abend unseres fünftägigen Kochevents, der Sepia kommt frisch aus dem Meer. Mit ihm hat keiner gerechnet. Die Leute, die heute fischen waren, sollten - genau wie die Tage zuvor - Kalmare mitbringen, diese konischen, kleineren Tintenfische, aus denen die Calamares (Verzeihung, Calamari, wir sind ja hier in Italien) gemacht werden. Und plötzlich steht einer in der Küche und verkündet nicht ohne Stolz: "Drei Kalmare und anderthalb Kilo Sepia!" Und da ist er, der Riesenhoschi, den ich nun versuche, auszunehmen. Ich habe wirklich Mühe, ihn überhaupt zu fassen zu kriegen. Es ist ja nicht so, dass ich das noch nie gemacht habe, ich bin ja quasi schon ein alter Tintenfisch-Hase, aber irgendwie ist bei diesem hier alles anders.

Nata und ich sind seit drei Tagen für die Tintenfische zuständig. Am ersten Tag hat sie mir erklärt, was ich tun muss: in die Tube greifen und Kopf und Eingeweide rausziehen, die plastikartige Lanze am Rücken des Tiers, die das Skelett darstellt, entfernen, Haut abziehen, Tentakel von Kopf und Schnabel trennen, alles nochmal innen und außen waschen, fertig. Was bei den gekauften Kalmaren ohne Schwierigkeiten ging, war bei den frisch gefangenen schon mit etwas mehr Mühe verbunden: die Eingeweide waren etwas fester mit den Tuben verwachsen, zwei von den Tieren waren obendrein so nett, Nata ihre tiefschwarze Tinte auf die Arbeitsfläche zu kippen. Posthumer Protest sozusagen. Wir haben also gerissen und gepuhlt, Eingeweide in diversen Farben ans Tageslicht geholt, papageienartige Schnäbel und Augen weggeschnitten, pigmentierte Häute vom Körper getrennt - alles mehr oder weniger perfekt, aber immer mit Spaß und begleitet vom Klicken der Fotoapparate ringsum.

Nun ist ER aber da. Er sieht schon mal anders aus: statt einer weißlichen, durchscheinenden Tube hat er eine gelb-braun gestreifte Oberfläche und ist gut und gerne fünf- bis siebenmal größer als die Kalmare und auch etwas runder. Was ich beim Stochern noch feststelle: wo die Kalmare nur diese durchsichtige Plastiklanze als Rückenskelett besitzen, hat der Sepia eine leichte, aber harte Kalkschale. Als ich sie irgendwann draußen habe, weiß ich endlich, wie das in echt aussieht, was immer an Stränden angespült und im Haustierbedarf als Kalkspender für Wellensittiche verkauft wird: der Schulp, das Auftriebstool der Sepias.

Meister Sepia ist überhaupt nicht begeistert davon, dass wir ihn so malträtieren: er spuckt Gift und Galle (lies: Tinte), die binnen Sekunden alles schwarz färbt, was um ihn herum liegt: mein Küchenbrett und das Messer mit dem ich mich sogar schneide weil ich nichts erkennen kann, die Schale in der die ausgenommenen Kalmare auf weitere Zubereitung warten, die Schale mit den wegzuwerfenden Teilen (der Riesenschnabel wird sofort konfisziert und herumgezeigt und ich kriege ihn bis zum Schluss nicht wieder zu sehen), meine Schürze, meine Arme, sogar auf meinen Beinen und Schuhen finde ich später noch schwarze Flecke. Außerdem ist die "Bodenhaftung" der Tentakel noch überraschend stark. Wir wundern uns alle, ob das Tier wirklich schon tot ist, aber muss es ja, denn ich habe ihm auf Natas Anraten als Erstes den Kopf abgeschnitten.

Am Ende siegt der Mensch, und Sepia und Kalmare werden in Stücke geschnitten, kreuzweise eingeritzt und auf der heißen Plancha auf der Dachterrasse gebraten, begleitet von fein gehacktem Knoblauch, einer Prise Salz und einem paar Tropfen Zitrone. Ein netter Zwischengang bei der Pastaparty am letzten Abend, bei der insgesamt acht Nudelgänge zubereitet und serviert werden, eins leckerer als das andere.


Also. Ich war fünf Tage mit knapp 50 fremden Menschen in einem süditalienischen Fischerdorf und habe gekocht. Ist das verrückt? Ja, ist es, aber auf eine wunderbare Weise, die ich nicht missen möchte. Ich habe großartige Menschen kennengelernt, tolle Gerichte gezaubert, unglaubliche Köstlichkeiten probiert und gegessen, interessante Dinge gesehen und gelernt - und das Ganze bei 28° Celsius unter der Sonne des Mittelmeers. So muss Urlaub sein. Danke an alle, die das möglich gemacht und mit ihrer Anwesenheit bereichert haben. Beim nächsten Mal bin ich auf jeden Fall wieder mit dabei.

Ach ja, ich kann jetzt anscheinend Italienisch ;-)



P.S. Hier ist ein italienischer Artikel, in dem ich unter anderem zu sehen bin, wie ich (mal wieder) bis zu den Ellbogen in der Pampe stecke. Weitere Fotos gibt's auf Flickr und bei eeek.

Und natürlich bin ich nicht die einzige, die davon schwärmt geschrieben hat. Hier gibt's noch mehr Berichte:
Nata gleich zweimal
Anja: Tag 1, Tag 2
Stevan
Paul
Florian B.
Florian S.

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Der Titel ist dem Lied "Ma che bello questo amore" von Eros Ramazotti entlehnt und bedeutet "Es ist ein ganzes Universum, das es noch zu entdecken gibt". Dieses Universum ist für mich das Kochen. Terra incognita, aber ich bin bereit.