Littlejamie - The best things come in small packages

Januar 2013


Gedanken zur Nacht

30.01.13 02:35 | Kommentare: 1 Facebook Sharing Icon Twitter Sharing Icon Flattr Icon
Immer noch das "unsägliche" Thema der letzten Woche. Dieses Thema, das mich, uns alle mindestens genauso aufwühlt wie die sogenannten "Diskussionen" darüber, die im Fernsehen geführt werden. Ich könnte täglich kotzen, wenn ich sehe, mit welch Scheinheiligkeit und Überheblichkeit den Frauen Betroffenen gönnerhaft auf die Schulter geklopft wird und gesagt wird "ach komm Mädchen, nu hab dich nicht so, hmm?"

Achtung, lang. Aber ich musste mich mal auskotzen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Oder auf roten Faden. Aber wie ich es auf Twitter bereits angekündigt hatte:

Am Schlimmsten - obwohl, nein, ich bin mir gar nicht sicher, was ich schlimmer finde: die Männer, die den alltäglichen Sexismus nicht wahrhaben wollen und mit jedem Blick, jeder Geste, jedem Spruch kleinreden; die Frauen, die schulterzuckend und ebenso gönnerhaft lächelnd behaupten, dass die Männer nunmal hormongesteuerte Orang-Utans (und damit möchte ich keinem Orang-Utan zu nahe treten) sind und eben einfach nichts dafür können; die Männer, die aufschreien (sic!), dass ja auch sie Opfer des weiblichen Sexismus werden; die Frauen, die behaupten, wir befänden uns nicht in einer männlich dominierten Gesellschaft; die Männer, die sich durch die endlich sicht- und hörbaren Stimmen der Frauen persönlich in ihrem Mann-Sein angegriffen fühlen und meinen, "zurückschießen" zu müssen.

Unerträglich die Sendungen, die ich bislang dazu im Fernsehen gesehen habe. Jauch, zdf.login, Lanz. Ich guck diese Sendungen normalerweise nicht, und anscheinend weiß ich auch, wieso.

Die Moderatoren. Überhebliches Dazwischenquatschen, den anderen nicht ausreden lassen, Lanz wie immer schlimmer als Jauch (obwohl...)

Ich habe sehr viel von Günther Jauch gehalten, ich liebe ihn bei "Wer wird Millionär". Aber seine manchmal süffisante Art, die bei der Quizsendung ins Schwarze trifft und ihn sympathisch macht, ist bei so einem ernsten Thema völlig fehl am Platz. Im Grunde hat er damit nichts anderes ausgesagt als "das, was du da sagst, interessiert mich einen Dreck, hör auf mit dem Mimimi, wir verlieren hier wichtige Sendezeit!"

Katrin Sass. Ich bin echt baff über diese Frau. Respektlos, überheblich, arrogant. Wer lauter schreit, hat Recht, oder wie? Ihre Gesprächstaktik war die eines unsichtigen Kriegsgenerals, der auf sein Gegenüber spuckt. Keine Worte.

Wibke Bruhns. Die Überheblichkeit ihres eigenen Sexismus wird ihr nicht mal klar: Männer sind Tiere. Süffisant, von oben herab, steinhart. Sie hat sich ihre Welt durch ihre Erfahrungen zurechtgelegt, es hat für sie ja auch geklappt. Verdrängung? Mit Sicherheit. Was immer ihr passiert ist (und ihr ist mit sicherheit eine Menge passiert, allein schon durch die Zeit/Epoche, in der sie jung und aktiv war), sie hat es zugunsten von Ruhe/Karriere/... verdrängt, geleugnet. "Ich doch nicht"-Mentalität.

Und dann das "Es ist nunmal so, es wird sich nichts ändern". Na ja, vor dreißig Jahren hatten Frauen in der Schweiz nicht mal Wahlrecht, §175 StGB wurde in Deutschland erst 1994 vollständig aufgehoben. Dinge ändern sich, Menschen ändern sich, Gesellschaften ändern sich. Nichts bleibt wie es mal vor 10, 100, 1000 Jahren war. Wir würden noch in Höhlen leben und Mammuts jagen.

Schlimm find ich auch alle, die sagen "na ja, wenn das George Clooney oder Brad Pitt gewesen wären, würde sie sich nicht so aufregen". Und wenn das die Mutter von Brad Pitt ist! Als wenn das den Übergriff irgendwie weniger schlimm machen würde.

Stichwort Pickup Artist, Date Doktor. Warum sind das eigentlich Männer, die anderen Männern zeigen, wie sie Frauen erobern? Warum nicht Frauen? Die wüssten doch viel besser, wie sie erobert werden möchten (wenn sie überhaupt erobert werden möchten, diese Diskussion will ich gerade nicht auch noch starten). Ich mein, ich lass mir doch auch nicht von einem Blinden erklären, welche Farben Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle genutzt hat und wie sie abhängig von der Lichteinstrahlung auf den Zuschauer wirken.

Im Grunde ist es einfach: es geht um Respekt. Punkt.

Oder um das mal plastischer darzustellen: behandle mich so,
  • als wäre ich
    • dein männlicher Chef
    • deine Mutter/Schwester/Tochter/Frau
  • als wäre
    • deine Mutter/Schwester/Tochter/Frau oder
    • mein Mann/Freund
    zugegen oder
  • wie du möchtest, dass man deine Mutter/Schwester/Tochter/Frau behandelt.

Blogmich redivivus?

29.01.13 21:06 | Kommentare: 0 Facebook Sharing Icon Twitter Sharing Icon Flattr Icon
Im Mai 2005 war ich in Berlin auf der blogmich05. In meinen Augen war das der Vorläufer der re:publica, damals betitelten wir es "ein kollaboratives offline-weblogger-dingsbums" (so nur noch im Archiv zu finden).

Es fand in einer kalten, zugigen, schlecht ausgeleuchteten Halle am Berliner Osthafen statt, unweit von der U+S Warschauer Straße und der East Side Gallery. Wir froren im zweiten Stock, im ersten waren orangefarbene Dixis. Ich glaube, ich habe es mir verkniffen, sie zu nutzen. Zum Biertrinken war es eh zu kalt.

Einer von den Organisatoren hatte sich die Mühe gemacht, unsere Blogs auf Papier zu drucken und sie zwecks Wiedererkennung und Gemeinschaftsgefühls an einer Wand aufzuhängen. Drumrum hing ein Lichterschlauch, der dem Ganzen eine fast weihnachtliche Stimmung verlieh. Hinten im Raum war eine Bühne, auf der mit einem einzigen Spot beleuchtet manche Blogger Texte aus ihren Blogs lasen. Der Spot kam gegen das schwarze Loch der sonstigen Halle nicht an, sie selbst konnten ihre eigenen Texte kaum erkennen. Und die Zuschauer sie.

Ich hatte damals von all dem keine Ahnung. Ich war das dritte Mal in meinem Leben überhaupt in Berlin, die zwei Male davor waren 1995 und 1996 gewesen, jeweils für ein Wochenende, immer in einer anderen Ecke der Stadt. Berlin war für mich terra incognita. Ich lief mit Sannie mit, die kannte sich aus, ich fühlte mich wie das Kleinkind, das an der Hand der Mutter durch ein fremdes Land gezerrt wird.

Jedesmal, wenn ich seitdem mit damaligen Teilnehmern darüber spreche, fallen mit absoluter Sicherheit immer die Worte "Ja, diese scheißkalte Halle damals..." Jeder erinnert sich daran, wie wenig einladend die Location war. Und dann frage ich - mich und die Umstehenden - immer "Wo war das eigentlich genau? Ist die Halle noch da?" Bisher habe ich immer die Antwort erhalten, "nein, die ist abgerissen". Ich weiß ja auch, dass die O2 World ungefähr auf der Ecke gebaut wurde, war aber nie wieder dort, um weiteres nachzuprüfen.

Bis gestern. Ich meine, ich war gestern nicht mal eben schnell in Berlin am Osthafen, aber ich wollte es wissen und habe alte Fotos, das WebArchive und StreetView bemüht (Himmel, ich LIEBE dieses Ding!). Und siehe da, ich hab die Halle gefunden! Wenn ich was kann, dann ist das suchen.

Für (Achtung, abgelutscht!) "Hauptstadtbewohner" (ich kann gerade nicht anders, als mir mit den Fingern in der Luft gezeichnete Anführungszeichen vorzustellen) ist das wahrscheinlich keine Nachricht wert, weil sie eh alles besser wissen ja wissen, wie der Umbau des Osthafens voranschreitet, aber für mich schon.

Jens Scholz hat damals dieses Foto gemacht:

Speicer am Osthafen Berlin

Davon ausgehend bin ich die lange Stralauer Allee mit Hilfe von StreetView rauf und runtergelaufenklickt, bis ich nach bestimmt einer Stunde die Bestätigung hatte: unsere Blogmich-Halle ist mitnichten abgerissen, sie steht noch. Und wie.

(Wobei es gleich zwei von diesen Gebäuden gibt auf der Ecke. Ich bin nicht sicher, welchen von beiden die Bilder zeigen. "Unsere" Halle war jedenfalls die östlich gelegene.)

Lustigerweise trifft sich in diesen Minuten eine Handvoll Blogger "von damals", um eine Blogmich13 zu besprechen. Ich wär dabei. Und wenn's nur wäre, um neue Fotos von der alten Location zu machen.

Ohne Worte. Ein #aufschrei

25.01.13 04:39 | Kommentare: 8 Facebook Sharing Icon Twitter Sharing Icon Flattr Icon
Es geht gerade der Hashtag #aufschrei durch Twitter. Frauen, die über erlebten alltäglichen Sexismus berichten. Wie sie als minderwertig behandelt werden, nur weil sie Frauen sind. Wie sie sich aus Angst nicht mehr allein auf die Straße trauen. Wie sie es nicht mehr wagen, jemanden anzulächeln, weil ihnen das sonst als Fickwunsch (oder vielmehr als Fickerlaubnis) gedeutet wird. Völlig unabhängig von Alter, Situation, Stellung, Beziehung etc.

Als ich vor gut zwei Stunden anfing, all diese Tweets zu lesen, dachte ich noch "wie gut, dass mir da nichts in der Richtung passiert ist". Aber je mehr ich las...

Achtung, heftig. Aber leider wahr.

Reaktionen von Frauen:

Reaktionen von Männern:

Fundstücke 24. Januar 2013

24.01.13 00:06 | Kommentare: 2 Facebook Sharing Icon Twitter Sharing Icon Flattr Icon
Weil ich mir gerade ein mitternächtliches Risotto gekocht habe, sind die ersten Fundstücke ein wenig kulinarisch angehaucht.
  • Awwww-Content: Bärenfütterung in Russland. Und wenn man nicht aufpasst, ist die Hand auch gleich mit ab. Oder das Ohr.

  • Neuentdeckungen. Für Auge und Gaumen, ein kulinarisches deutsches Pinterest. Und für den Weinkeller. Besonders angetan bin ich hiervon. So mach ich das auch immer.

  • Ekliges zum Thema Essen. Das meiste find ich nicht mal so wirklich störend. Nur die Nummer 2, die war... nun ja, seht selbst. Ich mag aber die Musik im Hintergrund.

  • Vor einigen Jahren hab ich zum ersten Mal von der "5-Sekunden-Regel" gehört. Mein Finger wanderte sofort ohne mein Zutun zu meiner Schläfe. Die spinnen, die Amis. Wobei, in der Fernsehsendung, die ich damals guckte, waren das Briten. Wie auch immer, bei ScienceDump nehmen sie besagte Regel ein klein wenig auseinander und erklären, dass sie nicht stimmt doch stimmt ach, keine Ahnung, war ganz schön viel Chemie und Physik und so Zeugs.

  • Kauft ihr auch immer zuviel ein und könnt dann nicht alles verarbeiten? Normalerweise landen solcherlei Impulskäufe gerne mal im Mülleimer, aber das muss nicht sein. Es gibt jetzt Foodsharing. Geht in Hamburg anscheinend noch langsam an, aber ich finde, es ist eine sehr gute Idee. Auch mit dazugehöriger Facebookseite. Was hab ich da vorhin noch im Kühlschrank gesehen...?

So, Schluss mit dem Essen. Jetzt wird's ein bisschen technisch.
  • Welches Theme hat deine Wordpress-Seite nochmal? - Nicht fragen, hier gucken. Listet tabellarisch alles auf, was man bei dieser Frage wissen will. Sehr nützlich.

  • GraphSearch, das neue Suchkind von Facebook, macht einigen Leuten Angst. Ich mag dann lieber die, die sich darüber lustig machen. Kann man gut machen, find ich. Habe sehr gelacht. Ich freu mich drauf.

Die lieben Kleinen. Auch ohne eigene Kinder interessieren mich hier und da Erziehungsansätze und verschiedene Blickwinkel.
  • Looka war beim Babykurs und hat ein paar gute Tipps für junge Eltern aufgeschrieben. Mir fehlt zwar der, dass die Schnuller nicht für die Kinder, sondern für die Eltern sind, aber ansonsten kann ich nur nicken.

  • Wenn der Nachwuchs aus den Windeln rausgewachsen ist, muss er irgendwie beschäftigt werden. Das geht wunderbar mit der Tollabox, einer Kiste voller toller Überraschungen, mit denen man spielen, entdecken, Abenteuer erleben, basteln kann. Ich kann es kaum erwarten, dass meine Nichte drei wird.

  • Und wenn man mit ihnen auf den Spielplatz geht, so gibt es einige Regeln, die die anderen Erwachsenen hoffentlich beachten werden. Damit aus den Kindern keine Waschlappen werden, die ihr Leben lang an Muttis Rockzipfel hängen.

  • Schule. Und dann noch in Wilhelmsburg. Von Spaß kann da nicht die Rede sein. Oder etwa doch? Wilhelmsburg sucht den Superstar.

Und zu guter Letzt ein Blick auf die Welt. Großartige Seite mit DOs und DON'Ts, die man beherzigen sollte, wenn man im Urlaub oder auf der Geschäftsreise im Ausland nicht ins kulturelle Fettnäpfchen treten will: die Etiquette Map.

Where writing takes you

20.01.13 13:59 | Kommentare: 1 Facebook Sharing Icon Twitter Sharing Icon Flattr Icon


Genauso <3

Ein Samstagabend

20.01.13 05:05 | Kommentare: 2 Facebook Sharing Icon Twitter Sharing Icon Flattr Icon
Nach etwa sieben Stunden Schlaf morgens um halb acht aufgewacht. Knallwach, aber unwillig aufzustehen. Beleidigt ob der noch herrschenden Dunkelheit draußen. Wieder ins Bett gegangen. Um halb zwei von Anruf geweckt worden. Für vier Uhr in der Stadt und Kino um fünf verabredet. Verabredung genauso müde wie ich, bloß Kaffee trinken gegangen und beschlossen, Kino zu verschieben. Lange gessessen und geredet. Halb acht wieder allein gewesen. Beschlossen, trotzdem ins Kino zu gehen. Life of Pi. Im Kino Gewaltfantasien gehabt. Film dennoch genossen. Schöne Umsetzung des Buchs. Beflügelt rausgekommen. Sofort beschlossen, den nächsten Film gleich im Anschluss zu gucken. Rausgegangen, um etwas zu essen zu finden.


Neben dem Kino spielt ein Mann Akkordeon. So schön, dass es mir die Seele zerreißt. Wie Gleiten auf dem Eis. Wie Wolken am Himmel. Wie Wasser, das von Fingern gekräuselt wird. Wie ein Seufzen in der Nacht.

Ich bleibe stehen, ergriffen, krame sämtliche Münzen aus meinem Portemonnaie. Ich wünschte, ich könnte dort stehenbleiben und ihm die ganze Nacht lauschen. Die Musik versetzt mich in meine Kindheit. In einen alten russischen Film. Ein Leben in Reichtum auf dem Land, Adlige, die auf einem Ball tanzen und nichts von herannahenden Katastrophen ahnen, schöne Menschen, schöne Kleider, alte Schule, Ehre und Zeremoniell.

Ich greife mir ans Herz. Er sieht mich nicht an. Ich gehe weiter.



Bei McDonalds Chicken McNuggets mit Senf- und Barbecuesauce bestellt. Überlegt, das Essen rauszunehmen und vor dem Akkordeonspieler zu essen. An die Kälte gedacht und daran, dass ich nicht wüsste, wie ich die offenen Saucen balancieren soll. Gewundert, dass es mir nicht mehr schmeckt. Früher hab ich das doch immer gegessen. Früher war alles anders. Getwittert. Missverstanden worden. Darüber geärgert. Beeilt mit dem Essen. Wieder rausgegangen. Gefreut, dass er noch da ist. Zum Zuhören hingestellt.


Er spielt "Otschi tschornije" und ich summe leise mit. Ich liebe dieses Lied. Ich wünschte, ich müsste jetzt nicht gleich wieder zurück ins Kino. Ich wünschte, ich könnte ihm noch lange zuhören, diesem Unbekannten, der sich in mein Herz spielt. Ich wünschte, ich könnte mich mit ihm unterhalten und erfahren, wer er ist und warum.

"Woher kommen Sie?" frage ich ihn hilflos, als das Lied zu Ende ist. "Woher?" fragt er nach. Ich nicke. Ich erwarte Bulgarien oder ähnliches. "Aus Hamburg" sagt er, fast schulterzuckend. Ich bin verwundert, fast ein bisschen enttäuscht. Aber sein Akzent betrügt ihn. Er klingt Russisch. "Ich bin kein Musiker. Hab nicht gelernt zu spielen, ich spiele wie ich denke." Ich lächle, sage "Wunderschön". Er nickt und setzt erneut an. "Aber ich muss jetzt weiter" sage ich und mache mich auf den Weg zurück ins Kino. Von weitem höre ich, wie er wieder "Otschi tschornije" spielt.



An der Kinobar ein Bier gekauft. Vergessen, dass ich Warsteiner gar nicht mag. Halber Liter nun. Gehofft, dass ich nicht allzu schnell auf Klo muss. Im fast leeren Kinosaal hingesetzt. Gehofft, dass die Leute diesmal die Klappe halten. Cloud Atlas geguckt. Drei Stunden lang. Froh gewesen, den Film nicht im Original geguckt zu haben. Vom Film sehr beeindruckt gewesen, aber bestimmt nicht alles verstanden. Beschlossen, es bald zu lesen. Froh gewesen, dass ich es schon im Regal stehen habe. Zur U-Bahn gelaufen. Festgestellt, dass mein Handy ausgegangen ist. Mit den Schultern gezuckt. In der Bahn Frank getroffen. Gelacht. Zuhause in drei Stunden zwei Blogeinträge und zwanzig Tweets verfasst. Jetzt schlafen.

(Danke an Krueps für die unerwartete Muse.)

Im Kino gewesen. Geweint.

20.01.13 03:56 | Kommentare: 6 Facebook Sharing Icon Twitter Sharing Icon Flattr Icon
Beklaue Kafka, um den Gewaltfantasien in meinem Kopf eine Form zu geben.

Frauen, wie dumm ihr doch manchmal seid. Ihr sitzt mit euren Männern im Kino und traut weder euren Augen noch eurem Intellekt. Wisst ihr, da vorn, auf der Leinwand, da passieren Dinge. Dinge, die miteinander verknüpft sind, Dinge, die einander bedingen, und manchmal auch Dinge, bei denen wir nicht von vornherein ahnen, womit sie wie zusammenhängen. Aber wir sitzen da, Augen nach vorn, Ohren aufgesperrt, und saugen jedes Geräusch auf, das von den Lautsprechern kommt, nehmen jedes Bild auf, das sich vor unseren Augen abspielt. Und unser Gehirn arbeitet. Es weiß vielleicht nicht sofort, was es sieht, aber es denkt nach. Es sammelt Eindrücke und kombiniert sie. Miteinander und mit der eigenen Erfahrung. Manche dieser Eindrücke sind nach Bruchteilen von Sekunden eindeutig, andere hingegen brauchen Minuten oder gar die gesamte Länge des Films, bis sie ein vollständiges Bild ergeben. Aber wir sitzen still da und schauen den Film und wissen: irgendwann werden wir ihn schon begreifen. Oder vielleicht auch nicht. Und dann gucken wir ihn nochmal. Oder bemühen die allwissende Müllhalde.

Ihr aber, ihr dummen, ungeduldigen Wesen, die ihr nicht bereit seid, eure Gehirne zu nutzen, ihr könnt nicht mal ein paar Sekunden abwarten, sondern bombardiert eure Begleiter sofort mit Fragen. "Was ist das?" "Warum macht er das?" "Was passiert gleich?" "Wieso gehen sie dadurch?"

Himmel, er sitzt genauso lange wie ihr dort, er sieht die gleichen Szenen wie ihr, er hört die gleichen Dialoge wie ihr. Welch gottgegebene Hyperintelligenz, glaubt ihr, befähigt ihn automatisch dazu, die Antwort auf eure Fragen zu kennen? Und zwar womöglich noch, bevor sie sich auf der Leinwand abzeichnen? Tut es eigentlich sehr weh, das Gehirn in Gang zu setzen und eine Sekunde darüber nachzudenken? Oder eine Sekunde zu schweigen und auf die nächsten Bilder zu warten?

Ich werde es nie verstehen.

Ich wünschte, ich hätte mein eigenes Kino.

In meinem Kopf

18.01.13 14:40 | Kommentare: 1 Facebook Sharing Icon Twitter Sharing Icon Flattr Icon
Warum isst du kein Fleisch? - Warum trinkst du keinen Alkohol?

Schulterzucken.
Muss ich?
"Machen Sie bei unserem Quiz mit und gewinnen Sie das Buch 'Kochen ohne Blumenkohl'!"

*

Wenn zehn Deutsche und ein Ami an einem Meeting teilnehmen, wird - wegen des einen Amis - automatisch Englisch gesprochen. Bei zehn Amis und einem Deutschen auch.

Bei einer Gruppe aus zehn Frauen und einem Mann nutzt man das generische Maskulinum. Bei zehn Männern und einer Frau auch.

*

Ich bin religiös! Du musst meine Gefühle respektieren!

Ich nicht. Was ist mit meinen? Und wenn ich an die fliegende Kaffeetasse glaubte, könnte ich dasselbe Recht für mich beanspruchen? Würdest du meine Gefühle dann respektieren? Könnte ich mich der Beweiserbringung verweigern und behaupten "ich weiß es, es gibt sie, ich brauche dir das nicht zu beweisen. Du musst MIR beweisen, dass es sie nicht gibt!"?

Schnee

17.01.13 15:51 | Kommentare: 0 Facebook Sharing Icon Twitter Sharing Icon Flattr Icon
"Je länger ich schreibe, desto mehr denke ich mir, dass ich zu Hause bleiben sollte."
Don über sein Verhältnis zum Schnee.

Habe sehr gelacht.

Die hohe Kunst der Prokrastination

16.01.13 14:23 | Kommentare: 1 Facebook Sharing Icon Twitter Sharing Icon Flattr Icon
Weil ich gerade erst schon bei Seite 40 von 123 in meinem Übersetzungsmammut bin...



Ihr auch?

Was der Spiegel dazu zu sagen hat, lesen wir mal lieber nicht.

Fundstücke

15.01.13 04:57 | Kommentare: 1 Facebook Sharing Icon Twitter Sharing Icon Flattr Icon
Vier Uhr morgens. Draußen liegt Schnee. Drinnen herrscht Schlaflosigkeit. Programmierversuche scheitern. Immerhin kein Husten.

Hier meine gesammelten Fundstücke der letzten zwei Wochen. Irgendwas muss ich ja bloggen.

  • Neues Blog entdeckt: Elbmelancholie. Ein Blog aus und über Hamburg. Überlege, dort mitzumachen. Frage mich, ob mein eigenes Blog nicht die gleichen Rezeptoren in meinem Hirn stimuliert. Muss mir irgendwie Recht geben. Anyway, sieht hübsch aus. Ich mag alles, wo Elbe dransteht.

    Und genau das denke ich auch.

  • Weihnachten ist vorbei, die Schokohasen stehen hier und da noch rum.
    Stilvoll-grausame Anleitung, wie man sie noch vor dem Sommer tötet. Nichts für Zartbesaitete.

  • Großartig selbstironisches Video über die Grufties und ihre Tanzschritte. Anschauen und üben. Ich frag nächste Woche ab.

  • Spannend, was Studenten so alles in Hörsälen vergessen. Bücher, Taschen, klar. Aber das ist längst nicht alles.

  • Aufstehen, duschen, frühstücken, zur Arbeit fahren, acht Stunden arbeiten. Zwischendurch mit den Kollegen in die Kantine, irgendwann Feierabend, "Schatz, ich bin wieder da!", Abendessen, Fernsehen, schlafen. So die Mehrheit. Nicht so Hunter S. Thompson. Krass? Könnte man meinen. Aber der Mann ist 67 geworden, bevor er dem selbst ein Ende gesetzt hat.

  • Das Internet, dein unbekannter Freund Feind. Ich fühle mich relativ sicher in diesem Medium, ich weiß auch nicht, wodurch das kommt. Ich war doch immerhin schon recht alt, als ich damit anfing. Aber irgendwie... ist es auf fruchtbaren Boden gefallen.

    Doch das geht nicht allen so. Was mir am meisten auf den Sack geht, sind die Leute, die über jede Änderung von Facebook (als exemplarischem Übeltäter) aufregen, als würde man ihnen das Essen oder die Kinder wegnehmen. Meist ist es eine mehr oder weniger diffuse Angst, die sie dazu treibt, sich Neuem gegenüber aufgeschlossen zu zeigen. Womit ich nicht sagen will, dass Facebook immer alles richtig macht.


  • Facella übers Mobbing und darüber, dass jeder einen wunden Punkt hat.

Und weil das ganze gerade ein bisschen hart zu schlucken wurde, hier zwei Sachen zur Aufmunterung:
Und jetzt alle: awwwwwwwwwwwwww!

Medienkompetenz will gelernt sein

14.01.13 15:13 | Kommentare: 1 Facebook Sharing Icon Twitter Sharing Icon Flattr Icon
Kinder lernen programmieren in der Schule

Ich halte es für wichtig, dass wir unseren Kindern bereits sehr früh - wenn sie eben noch empfänglich sind - Neues beibringen.

Ob das Fremdsprachen sind oder Handwerkliches oder eben Programmieren. Eine Welt ohne Computer und entsprechende Kenntnisse kann sich nun wirklich niemand allen Ernstes mehr vorstellen. Zumindest nicht in "unserer" Zivilisation.

Ich zumindest habe nicht vor, in den Busch zu ziehen und Schafe zu züchten, auch wenn ich manchmal aus lauter Zivilisationssättigung damit liebäugle. Einen Rechner mit Internet hätte ich dann trotzdem immer dabei ;) (cultivate your own nerdism)

Sollen Kinder bereits in der Grundschule Programmieren lernen? In Estland gibt es erste Gehversuche. Ich gebe zu, ich habe diesen Artikel noch nicht gelesen, bloß die Überschrift gesehen und dachte sofort "Ja!" Programmieren lernen in der Grundschule - was kann daran verkehrt sein?

Bei Sprachen kenn ich mich ein bisschen besser aus. Ich selbst hatte bereits in der zweiten Klasse (also mit sieben) sowohl Englisch als auch Russisch in der Schule - und es hat mir nicht geschadet. Zwar weiß ich vom Russischen nicht mehr viel außer dem gern zitierten und in perfektem Akzent ausgesprochenen Satz "Ja nitschewo ni snaju" (Ich weiß nichts*), aber der Keim für meine Liebe zu Sprachen wurde spätestens damals gelegt.

Das wird beim Programmieren ähnlich sein. Meine Mutter sagt immer "schlag das Eisen, solange es heiß ist". Kinder sind, je jünger, umso lernfähiger. Schlagen wir sie rechtzeitig Bringen wir ihnen Sinnvolles möglichst früh bei.

--
* Oh weia, diese Lautschrift. Eigentlich sieht das so aus: Я ничего не знаю

Ich muss dringend wieder ins Kino

12.01.13 01:13 | Kommentare: 0 Facebook Sharing Icon Twitter Sharing Icon Flattr Icon

(Start 24. Januar)


(Start 11. April)


(Start 13. Juni)

Can't. Fucking. Wait.

Moses vs. Santa Claus

10.01.13 17:26 | Kommentare: 1 Facebook Sharing Icon Twitter Sharing Icon Flattr Icon
Ich weiß, dass Weihnachten vorbei ist, aber das hier fand ich super:


Ja, manchmal mag ich Rap und HipHop.

Charlie

08.01.13 16:10 | Kommentare: 0 Facebook Sharing Icon Twitter Sharing Icon Flattr Icon
"Guck mal, ist das nicht Charlie?" fragt sie mich und schickt mir den Link zu einem Facebook-Profil. Das Profilbild zeigt mir das Gesicht eines Schwarzen mittleren Alters, der scheinbar genervt die Lippen schürzt.

Charlie. Wir hatten ihn in jenem Sommer kennengelernt, als wir noch jung waren und die Welt uns gehörte. Es war warm, wir liefen kurzberockt umher und waren mit der gesamten Crew eines amerikanischen Tanzensembles befreundet. Charlie und seine Leute. Sie waren in unsere Stadt gekommen, um das Volk während der Sommerpause mit Jazz, Blues und Steptanz bei Laune zu halten.

Sie und Charlie - das wurde sofort eine Liebesgeschichte. Ich war Freundin, Dolmetscherin, Aufpasserin, Spaßmacher, Vertrauensperson. Immer dabei, immer wichtig. Wir hatten alle sehr viel Spaß miteinander. Es war ein genialer Sommer.

Zwanzig Jahre ist das fast her. Sie haben sich seitdem ein paar Mal gemailt, ein-zwei Mal telefoniert, nie wiedergesehen. Nicht mal virtuell.

"Das IST doch Charlie! Guck dir den Haaransatz an. Die Lippen, das Kinn..."

Ich lächle, auch wenn ich nichts wiedererkenne.

Für die Hartgesottenen

08.01.13 12:13 | Kommentare: 0 Facebook Sharing Icon Twitter Sharing Icon Flattr Icon
Äh... ich hab da was... Das ist... Ich...

Aber seht selbst: Ein Kermit-Goatse.

Ich geh mir mal einen Tee machen.

Panem et circenses

07.01.13 22:27 | Kommentare: 0 Facebook Sharing Icon Twitter Sharing Icon Flattr Icon
Den Weltuntergang haben wir erfolgreich abgewendet, das alte Jahr ist dem Neuen gewichen, die meisten von uns sind zurück an die Galeere, und manch einer stöhnt schon, dass das Jahr nicht enden will.

PANEM ET CIRCENSES! Es ist mal wieder Zeit für Zerstreuung, Konsum und Booze. Für Sehen und Gesehenwerden, für fremdländische Aromen und Düfte, fürs unters-Volk-mischen.

Ich rede von der Hanse Spirit, der Whisky- und Spirituosenmesse in Hamburg.

Ich hatte irgendwann im letzten oder vorletzten Jahr das Glück, Chris und Stephan von Hansemalt kennen zu lernen - nachdem ich zufällig auf Twitter den Whisky-Adventskalender entdeckt und sofort begeistert bestellt hatte. Wie sich rausstellte, war meiner der letzte in dem Jahrgang.

Ah, welch Poesie, welch Harmonie, welch grandiose Idee! Ein Holz-Setzkasten, in dem 24 Fläschchen in Apothekergröße stecken, allesamt von eins bis vierundzwanzig nummeriert. Mehr steht nicht auf den kleinen Flaschen, den Inhalt erfährt man erst nach Mitternacht auf der Webseite.

Nach so einem grandiosen Auftakt ließ ein Besuch bei einem Whisky-Tasting von Hansemalt nicht lange auf sich warten. Hab ich eigentlich schon erwähnt, dass ich Whisky liebe?

Die Jungs machen das wirklich gut. Erklären viel über Herkunft und Herstellung der präsentierten Whiskys, geben Tipps und Tricks zum Besten, wie man den güldenen Zaubertrank am besten genießen und/oder mischen kann und reichen hier und da ein Stückchen Schokolade, Verzeihung Scotcholate dazu. Mhmmmmm.

Genau diese Jungs veranstalten nun also zum dritten Mal die Hanse Spirit. Letztes und vorletztes Jahr fand die Messe im Curiohaus am Rothenbaum statt, nun hat sich eine neue, größere, bombastischere Location gefunden: das Emporio Tower am Dammtorwall. Hoch oben im 23. Stock genießt man also nicht nur Sinnlich-Hochprozentiges, sondern auch einen Rundumblick auf Hamburgs schönste Ecken.

Es wird auch dieses Jahr wieder Tastings geben. Sie tragen so wundervolle Namen wie "Signature Malts" oder "Spirit Smoke" und kosten zwischen 14 und 29 EUR. Ganz besonders empfehlen kann ich die "Whisky und Schokolade"-Verkostung am Sonntag mit Julia Nourney.

Also: wir sehen uns am 9. und 10. Februar, denn ich werde selbstverständlich auch da sein.



In diesem Sinne: Explore the liquid life!

P.S. Wer Lust hat, gegen freien Eintritt +1 mitzuhelfen, der melde sich direkt bei Chris.

Kulinarisches Wunderland

03.01.13 13:49 | Kommentare: 0 Facebook Sharing Icon Twitter Sharing Icon Flattr Icon
Wenn ich in Berlin leben würde, wäre ich glaub ich im Goldhahn & Sampson Stammgast.

Mein abenteuerverwöhntes Hirn rotiert schon wieder auf der Suche nach Lösungen, die das Wohl sowohl meines Bankkontos als auch meiner Seele in der Balance halten. Am Sonntag, den 3. März zum Beispiel, da sind noch Plätze frei beim Kochkurs "Macarons". Und es kostet nur 40 Euro! Da lässt sich doch was machen...

Besonders spannend find ich ja auch den Kochkurs "Korean-Bavarian". Flädlesuppe mit Kimchi-Consommé, Kimchi-Käsespätzle mit karamelisiertem Kimchi, Zwiebeln und Speck, Krustenbraten mariniert in koreanischen Gewürzen und mit eingelegten Pflaumen und Grünzeug, Kaiserschmarrn mit süßer Rote-Bohnen-Sauce und Pinienkernen. Da werd i narrisch. Oder das "Mar y Seoul". Geniales Wortspiel, ich mag sowas. Korean meets Mexiko.

Was mich ganz besonders anlacht, ist die "Cucina italiana moderna", das Menü Mar e Monti, von einem veritablen Nachfolger keines Geringeren als Leonardo da Vincis inszeniert. Wo ich doch gerade meine italienische Phase habe...

<Murmelmodus>25. Februar... was hab ich da...? hab ich da was vor...? Kann ich da nach Berlin fahren...?</ Murmelmodus>