Knack!

Das scharfe, trockene Geräusch fuhr ihm durch Mark und Bein. Er war sofort hellwach. Was war das denn? Dann spürte er es. Stechend, heiß, bohrend, reißend. Innerhalb von Sekunden explodierten Wellen von betäubendem Schmerz durch seinen ganzen Körper. Nie hätte er gedacht, dass solche Schmerzen wirklich existierten. Damals, im Nest, hatten die Älteren den Jüngeren Horrorgeschichten erzählt, um sie zum Weinen und um ihren Schlaf zu bringen, aber als er selbst älter wurde, hatte er sich mit der Gewissheit beruhigt, dass seine Art zu solchen Empfindungen gar nicht in der Lage war. Doch nun war die Wirklichkeit über ihn hereingebrochen und hatte ihn höhnisch eines Besseren belehrt.

 

Er versuchte, den Schmerz zu lokalisieren. Die nebulöse Höllenqual, die von überallher zu kommen schien, machte es ihm nicht leicht. An jeder Ecke seines Körpers schien sich die Pein zu vervielfältigen und in alle Richtungen auszustrahlen, an jeder Biegung echote es grell. Er konzentrierte sich mit all seiner verbleibenden Kraft. Nach einer Weile schien sich die Schmerzspirale nur noch in eine Richtung zu bewegen, von oben nach unten. Er atmete vor der nächsten Schmerzwelle ein und hielt den Atem an. Ja, es war der Kopf. Was war bloß passiert?

 

Erst jetzt bemerkte er seine Befüllerin, die über ihm gebeugt stand, die Stirn ratlos in Falten gelegt, den Blick prüfend. Sie murmelte etwas, doch er konnte ihre Sprache noch immer nicht verstehen. Sprachen waren nie seins gewesen. Nicht so wie viele seiner Kollegen, die sich damit rühmten, die Gespräche ihrer Befüller Wort für Wort wiedergeben zu können. Das war ihm nie wichtig gewesen. Er hatte sich stets darauf konzentriert, lautlos und unsichtbar seine Aufgaben zu verrichten. Der perfekte Butler.

 

Sie betastete seinen Kopf und für wenige Sekunden schien der Schmerz unter ihren zarten Fingern zu verblassen. Ja, das ist gut. Er gab einen quietschenden Seufzlaut von sich, ermutigte sie, weiter zu machen, bei ihm zu bleiben und seinen Schmerz zu lindern. So wird es sein, dachte er. Sie wird mich heilen. Und dann wird alles wieder wie früher sein.

 

Doch sie zuckte nur mit den Schultern, ließ ihn wieder los und ging davon. Denn auch sie verstand seine Sprache nicht. Sie wusste nichts von seinen Empfindungen, seinen Ängsten und seinen Wünschen. Sie kannte seine Gedanken und Träume nicht. Sie ahnte nicht, dass er sich nach ihrer Berührung sehnte und dass er sich manchmal, wenn er nachts nicht schlafen konnte, ihre Stimme in Erinnerung rief.

 

Für sie war er nur ein kaputter Mülleimer.

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Vor kurzem ist unserem Mülleimer die Deckelklappe entzweigegangen. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, was da passiert sein könnte, ich war nicht dabei. Nun wünscht sich der Mann einen, der bei seinem bloßen Anblick das Maul aufsperrt. Kann mir schon denken, wieso…

Ich jedenfalls dachte bisher immer, das gibt’s nur im Film. Aber mir scheint, hier werden wir fündig. Einzige Sorge: die Klappe könnte uns in unserem Wegwerfschwung durch ihre eingebaute Langsamkeit bremsen. Ach ja, und mein Lieblingsstück gibt’s nur mit Fußbetrieb: den mit den Wörtern, der einzige, der wirklich in diesen Haushalt passt.

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Neues aus dem Kühlregal

MiniMal, Verzeihung: REWE hat eine neue Produktpalette. Vielleicht ist sie gar nicht mehr so neu, aber seit der näherdran’ere Edeka aufgehübscht wurde, hab ich den Rewe quasi nicht mehr betreten. Nur wenn ich manchmal spät abends aus der U-Bahn stolpere und mir einfällt, dass ich noch dringend Brot oder Eier brauche, nehme ich den kurzen Umweg über die andere Straßenseite. Seit dem Umbau find ich da ja auch nix mehr wieder und latsch mir die Füße in’ Bauch. Ach ne, das heißt ja gar nicht so.

Wie auch immer, ich war neulich mal wieder drin (spät abends, Brot, Eier, ihr wisst schon) und gleich am Eingang sprangen mich lauter bunte Packungen verschiedener Größe an. Ha, Nachwuchs! dachten meine Augen und luden alles in den Einkaufskorb.

Was denn? Man muss doch alles mal ausprobieren.

Es waren Suppen von natsu, genauer gesagt Fertigsuppen zum Anrühren. Asiatische, die find ich ja eh gut. Ramen, Udon, you name it.

Am nächsten Tag dann: D-Day. Ich entscheide mich für die Ramen-Nudelsuppe. “Japanische Art. Mit Hähchenbrust und Gemüse. Verfeinert mit Sojasauce. Nur heißes Wasser zugeben.” Na denn.

ramen-nudelsuppe

Sieht gut aus, frisch und bunt, ich freue mich auf die Nudeln und den Geschmack – und auf was in den Bauch, denn das Hungermonster wütet schon.

Der Mann schnappt sich die abgerissene Packungsbanderole und lacht. “Kaum fünfundzwanzig Jahre nach Erfindung der Tütensuppe kann jetzt endlich jeder Suppe kochen!”

packung

Ich koche auf, gieße bis zur Markierung, warte eine Minute, rühre um und – bin irgendwie…

Warum habe ich bloß erwartet, die Nudeln auf die doppelte Menge aufquellen zu sehen? Hm, es passiert nicht viel, außer dass beim Umrühren die Flüssigkeit dunkler wird. Oh, da wird sich wohl gerade der Sojasaucen-Blob, ähnlich wie die Geschmacksnupsis in TK-Fertiggerichten, aufgelöst haben. Bin ja mal gespannt.

“Augen schließen und sich wie unter einem Kirschblütenbaum fühlen”. Hm. Davon kann kaum die Rede sein. Das Zeug ist wässrig, da ist kein Geschmack bei, keine Aromen, nix. Obwohl nein, das stimmt nicht. Der Satz von vorhin fällt mir wieder ein: “verfeinert mit Sojasauce”. Ihr meint wohl, in Sojasauce ertränkt! Denn nichts anderes kann ich rausschmecken. Hie und da eine Nudel, ein rares Stück Huhn, dafür aber Unmengen an Mais – was hat Mais überhaupt darin zu suchen?

Und dann ist das auch noch so’ne Riesenschale. Klar, bei 630ml. Schluck. Ich sehe schon die Frösche, wie sie es sich in meinem Bauch gemütlich machen*.

Ne, ehrlich, lecker ist anders. Dem Ganzen fehlt Geschmack, Substanz und Respekt – vor der asiatischen Küche und vor meinem Gaumen.

Kauf ich nie wieder. Ich hoffe bloß, die anderen sind besser. Ich hab da noch zwei von im Kühlschrank.


* Im Rumänischen sagt man: “da kriegst du Frösche im Bauch”, wenn man zuviel Wasser trinkt.

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Schmusi

Gesundheitsbewusst. Bin ich. Zumindest manchmal. Ich muss den doppelten Kuchen von gestern Abend irgendwie wieder wettmachen, also hab ich mir gedacht, mach ich mir mal ein Smoothie. Rezepte gibt’s noch und nöcher, aber das hier hat mich irgendwie angemacht. Und da ich zufällig vorgestern beim Türken zusammen mit dem nach nichts schmeckenden Koriander auch noch ein Bund Minze erstanden hab, stand dem Projekt “Mein erster Smoothie” nichts im Wege.

Smoothie, giftgrün

Man nehme
eine handvoll frischen Spinat,
eine handvoll frische Minze und
eine Grapefruit (selbstverständlich geschält und evtl in Stücke geschnitten, wobei man den Saft schön abfängt und mitnutzt)
und schreddert das Ganze im Blender.

Wer mag, kann noch 1-2 EL Honig oder Agavendicksaft zur Süßung dazugeben. Nen Spritzer Zitrone/Limette stell ich mir auch spannend vor.

Ich schmecke irgendwie nur die Minze raus, aber ok. Hauptsache gesund. Prost!

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Hackfleisch-Zucchini-Päckchen in einem einfachen Tomatensugo mit falschem Kartoffelpüree

hackfleisch-zucchini-paeckchen mit falschem kartoffelpueree

Nieder mit den Kohlenhydraten! Langer Rede kurzer Sinn: Heute gab’s mal wieder Low Carb.

Hackfleisch-Zucchini-Päckchen in einem einfachen Tomatensugo:
500 g Hackfleisch
200 g frischen Spinat, gehackt
einen halben Bund Koriander, gehackt
1 mittlere Zwiebel, gehackt
1 Knoblauchzehe, gehackt oder gepresst
1-2 mittlere bis große Zucchini
Tomaten(stücke) aus der Dose (2 kleine Dosen oder 1 große. Oder gar frische, aber dann viel Spaß beim Häuten, mir war heute nicht danach)
1 EL Tomatenmark
Gewürze: Salz, Pfeffer aus der Mühle, Kreuzkümmel, Paprika edelsüß, Knoblauch(pulver), eine Prise Zucker
evtl. Käse zum Überbacken

Ofen auf 180° vorheizen. Die Zucchini mit einem Sparschäler längs in dünne Scheiben schneiden.

In einer großen Pfanne mit etwas Öl Hackfleisch mit Spinat, Koriander, Zwiebel und Knoblauch so lange unter Rühren braten, bis das Fleisch gar ist. Mögliche Gewürze hier sind: Kreuzkümmel und Paprika, eine Prise Zucker, Tomatenmark, Knoblauchpulver. Muss aber nicht. Abschmecken: Der Gaumen sagt einem schon, was rein muss. Vom Feuer nehmen und beiseite stellen.

Auf einem Brett oder der Arbeitsfläche jeweils zwei mal zwei Scheiben Zucchini über Kreuz übereinander legen (zwei längs, zwei darüber quer). In der Mitte etwa 1-2 EL von der Hackfleischfüllung geben und dann die Zucchini drumrum wickeln. So verfahren, bis die Füllung oder die Zucchini aufgebraucht ist. Oder man genug Päckchen hat.

Die Tomatenstücke aus der Dose mit etwas Salz, Pfeffer und Knoblauch mischen und zur Hälfte auf den Boden einer ofenfesten flachen Form geben. Die Zucchini-Päckchen mit der “Naht” nach unten in auf die Sauce legen. Etwaigen Rest der Füllung mit den restlichen Tomaten mischen und um und auf die Päckchen verteilen. In den heißen Ofen schieben und für 30-45 Minuten backen.

Möglicher Bonus: In den letzten 10-15 Minuten Backzeit Käse draufstreuen und überbacken.

Falsches Kartoffelpüree:
1 Blumenkohl
1 EL Butter
etwas Sahne
3-5 EL geriebenen Cheddar (oder sonstigen Käse)
eine Handvoll gekochte Kichererbsen
Salz, Pfeffer, Muskat, Knoblauch(pulver)

Den Blumenkohl in Röschen zerteilen und waschen. In einem genügend großen Topf Wasser zum Kochen bringen, salzen und mit Muskatnuss würzen. Darin die Blumenkohlröschen in ca 15 Minuten weich kochen.

Blumenkohlröschen abgießen (dabei evtl. etwas von dem Kochwasser einbehalten), in eine große Schüssel geben und mit etwas Butter, Sahne, Salz und Pfeffer und Cheddar stampfen. Wem das Pürree zu wässrig oder labbrig ist, gibt eine Handvoll bereits gekochte Kichererbsen mit hinein und bemüht den Pürierstab. Wem das Püree zu trocken ist, kann was von dem Kochwasser nutzen. Oder von der Sahne.

Jeweils zwei Hackfleisch-Zucchini-Päckchen mit Sauce pro Person auf einen Teller geben, das falsche Kartoffelpüree drumrumdrapieren und genießen. Ai gude!

Randnotizen:
Ich wünschte, ich hätte Lammhack bekommen. Aber ich hatte nur Rind, und das musste ich mit einer Handvoll geräuchertem Speck aufpimpen, weil es sonst zu lasch geschmeckt hat. Und die Sache mit dem Kreuzkümmel & Co, die kam auch daher. Mit Lamm wär das nicht passiert.

Und warum schmeckt der Koriander, den ich beim Türken kaufe, eigentlich immer nach nichts? Mpf.


Vielleicht schaff ich’s morgen bei Tageslicht ein paar Fotos zu machen, es sind noch vier Päckchen da. Geschafft.

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Im Brotbackfieber

Neuerdings mach ich in Sauerteig. Seit ich neulich bei einer Weinprobe mit Torsten Goffin und Christoph Raffelt war und der Gastgeber selbstgebackenes Roggenbrot auf den Tisch stellte, bin ich gefangen. Sauerteig, digga! Dieses ominöse Etwas, das mir immer ein wenig wie Altgriechisch oder Quantenphilosophie vorkam, und dessen wahre Bedeutung sich mir einfach nicht erschließen wollte. Weswegen ich mich nie rangetraut hatte. Brot backen geht ja schließlich auch so.

Und dann schmeckte das Brot von Lars so gottgleich, dass ich anfing zu sabbern ihn nach dem Rezept fragte, ohne zu ahnen, worauf ich mich da einließ. Seine Antwort erschreckte mich fast zu Tode. Denn sie enthielt Kryptisches wie “Teigausbeute 176″, “retardieren”, “250 Grad fallend”, aber auch Hoffnungmachendes wie “Sauerteig kann ich dir abgeben”. Und am Ende dann das erlösende “du kannst auch gern mal zum Backen herkommen”.

Gesagt, getan. Zwei Abende im Januar saßen der Mann und ich bei einem Gläschen Wein in Lars’ Küche und sahen ihm beim Anrühren und Mischen des Teigs zu und versuchten, uns alle neuen Begriffe und Zusammenhänge zu merken. Gar nicht so einfach. Wieviel Gramm Wasser und Mehl muss man noch zufügen, wenn man den Sauerteigstarter abzieht? Was passiert, wenn man den Teig zu lange gehen lässt? Wieso muss man ihn falten? Wie kriegt man den Dampf in den Ofen? Bei wieviel Grad und wie lange backt das Brot nun?

Mein Kopf schwirrte. Aber das entstandene Brot, ein rundes, etwas flaches Gebilde, war unglaublich lecker. Und in meinem Kühlschrank harrte der Sauerteigstarter seiner eigentlichen Aufgabe entgegen. “Hält sich problemlos 1-2 Wochen” hatte Lars gesagt. Und dann? Dann musst du backen.

Achsoooooo! Jetzt erst verstand ich. Was ich dort im Kühlschrank im Schraubglas aufbewahrte, war der Starter, sozusagen der Hermann, das Anstellgut. Der muss geführt und gefüttert werden, damit er groß wird, und dann kann man daraus den Teig rühren, den man backt. Schon klar, dass dieser Prozess seine Zeit dauert. Unser Brot hatten wir ja auch an zwei Tagen hergestellt: Freitag ansetzen, Samstag backen.

Langsam lichtete sich das Dunkel. Und so buk ich zwei Wochen später mein eigenes Roggenbrot aus Sauerteig:

Hier, Henning, das Rezept.
Und: Sauerteig kann ich dir abgeben ;-)

Der ganze Prozess dauert 26 Stunden. Dann allerdings ist das Brot zwar fertig gebacken, aber noch heiß und unschneidbar. Im Allgemeinen schneidet man Roggenbrote erst am nächsten Tag an. Es empfiehlt sich also, mit 26 + 24 Stunden zu rechnen, bevor man es endlich essen kann.

Am ersten Tag den Starter mit 100 g Roggenmehl 1150 und 100 g Wasser auffüllen, umrühren und lose abgedeckt (mit einem lose aufsitzenden Deckel oder Alufolie) für acht Stunden in eine warme Ecke stellen. In hatte meins in der Küche auf der Heizung.

Nach acht Stunden: Vom größer gewordenen Vorteig zwei EL abnehmen und in einem Schraubglas im Kühlschrank aufbewahren. Das ist der nächste Starter.

Den Rest mischt man (entweder in der Maschine oder mit einem Löffel) mit:
500 g Roggenmehl 1150
350 g Wasser
12 g Salz
zu einem klebrigen Teig. Nicht kneten. Falls der Teig zuuuu klebrig sein sollte, etwas Mehl zugeben.

Eine Schüssel mit einem sehr gut bemehlten Leinentuch auslegen, den Teig hineingeben und zwei Stunden bei Zimmertemperatur aufgehen lassen. Ich hatte meine Schüssel im beheizten Wohnzimmer oben auf dem Schrank. Abdecken mit dem Leinentuch reicht, kein weiterer Deckel nötig. Nach zwei Stunden die Schüssel für 24 Stunden in den Kühlschrank stellen.

Am nächsten Tag den Ofen auf 250° C vorheizen. Für eine bessere Wärmespeicherung und -abgabe einen Pizzastein mit heiß werden lassen, auf dem man das Brot backen wird. Hat man keinen Pizzastein, reicht auch das normale Backblech. Backpapier zurechtschneiden und auf Backblech/Pizzastein legen.

Nun den Teig aus der Schüssel nehmen, 1 bis 2 cm tief einschneiden und unter Dampf backen. Hier muss man schnell arbeiten, sonst geht der Teig auseinander. Ich empfehle folgende Arbeitsweise:
- Teig aus der Schüssel nehmen, auf der bemehlten Arbeitsfläche ein- bis zweimal in sich falten und dann mit der Naht unten auf ein bemehltes Pizzabrett oder direkt in eine Kastenform geben. Teigoberfläche kreuzweise einschneiden.
- Ofentür öffnen, mit einer Bügelspritze etwas Wasser in den Ofen spritzen (Dampf!), Teig aufs Backblech gleiten lassen (oder die Kastenform reinstellen) und schnell die Tür wieder schließen.
- Nach zehn Minuten die Ofentür aufmachen um den Dampf rauszulassen und die Temperatur etwas runterdrehen (auf ca 230°). Aha-Effekt: das ist “fallend”.
- Backzeit: 30 Minuten mindestens. Wenn man unsicher ist, zwischendurch mit einen Zahnstocher die Garprobe machen. Klingt das Brot beim Klopfen auf den Boden hohl, ist es fertig.

Am Wochenende back ich wieder. Ich freu mich schon drauf.

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In Ingwer mariniertes Rind mit Pilzen und Grünkohl

Seit ich mich in amerikanischen Foodblogs rumtreibe, scheine ich um eins nicht rumzukommen: kale. Zu deutsch Grünkohl. Die Amis scheinen ihn zu jeder Jahreszeit zu genießen. Keine Ahnung, wie die das mit dem Frost machen. Vielleicht weiß Wikipedia ja mehr.

Wie dem auch sei, ich wollte das auch mal ausprobieren. Bei Edeka gibt’s ne große Packung TK-Grünkohl, das klang ausreichend. Nur noch ein paar Kleinigkeiten gekauft und mein Abendessen war gesichert. (Ich koch übrigens irgendwie immer für 4 Personen und wundere mich, dass am nächsten Tag noch so viel übrig ist.)

Man nehme…
Marinade:
80 ml Sojasauce
120 ml Brühe (ich hatte Hühnerbouillon, es ist wahrscheinlich eine reine Glaubens- oder Geschmacksfrage)
3 EL Reisweinessig
2 EL Speisestärke
frischer Ingwer, gerieben (ein daumengroßes Stück)
schwarzer Pfeffer aus der Mühle

Sonst:
500 g Rindfleisch, in dünne Scheiben geschnitten (am besten Filet oder Rumpsteak oder Roastbeef; ich hatte Gulasch)
3 Knoblauchzehen, gehackt
250 g Champignons, geviertelt oder in Scheiben
100 g Shiitakepilze (wenn frisch: in Scheiben, wenn getrocknet: so lassen)
500-750 g Grünkohl, je nach Geschmack und Grünkohllaune; gehackt
1 Handvoll Cashewkerne, ganz oder grob gehackt (ich hatte sie gehackt, fand aber hinterher, ganz wäre besser gewesen)
ein Stück frischen Ingwer, in Stifte geschnitten
Olivenöl
4 Frühlingszwiebeln, in Ringe geschnitten

Beilage:
Jasminreis

Los geht’s: Marinade aus allen Zutaten anrühren, das Fleisch hineingeben und für mindestens eine Viertelstunde im Kühlschrank marinieren.
Es empfiehlt sich im Übrigen, die Zubereitungsschritte vor In-Aktion-Treten genauestens einzustudieren, sonst hat man schwupps 120 ml Reisweinessig in der Sojasauce wie gewisse anwesende Personen und muss dann mühsam das Gleichgewicht der Aromen wiederherstellen *hust*

Wenn die Marinierzeit um ist, Öl in einer Pfanne erhitzen, das Fleisch aus der Marinade heben (diese aufbewahren) und zusammen mit dem Knoblauch anbraten. Achtung, das ist eine verdammt flüssige Angelegenheit! Hier lieber 1. das Fleisch ordentlich abtropfen und abtupfen und 2. nicht alles auf einmal braten. Beiseite stellen.

Nun Pilze, Grünkohl, Cashews, Ingwer und Marinade in die Pfanne geben und solange kochen bis köcheln, bis der Grünkohl weich, die Pilze gar und die Sauce dick ist. Zwischendurch immer wieder rühren. Fleisch zurück in die Pfanne geben, mit dem Rest verrühren.

In einer Schale auf Reis und mit Frühlingszwiebelringen garniert servieren.

Mögliche Varianten:
- statt Grünkohl anderes Grünzeug nehmen wie Spinat, Pakchoy, Broccoliröschen. Das hat womöglich zur Folge, dass es schneller geht. Ich habe irgendwie noch immer keine Ahnung, wie lange nun der Grünkohl kochen muss. Das Internet schwankt von “ein paar Minuten” über “gut 2 Stunden” bis zu “am besten erst am nächsten oder übernächsten Tag essen”. Wie soll man da… [hier Seufzgeräusch einfügen]
- die Marinade mit goldenem Sherry, gepresstem Knoblauch und Honig aufpimpen (ich nenne es “teriyakisieren”)
- irgendwo passt da auch was orangiges rein. In die Sauce vielleicht? Kann ich mir gut vorstellen.
- das Ganze in Sesamöl braten – oder zumindest etwas Sesamöl (unbedingt den aus dem Asialaden!) zur Aromabildung dazugeben
- Hoisinsauce und/oder Austernsauce mit in Marinade oder Pfanne?
- Zitronengras vielleicht mit in die Pfanne
Vielleicht hat die werte Leserschaft ja noch mehr Ideen. Würde mich freuen.

Fazit: Meine Marinade war ja viel zu sauer, was sich auch mit Tonnen von Honig, Sherry und sämtlichen anderen Sojasaucen nicht wirklich beheben ließ – deswegen ging das so. Außerdem reden wir hier von Grünkohl, und der inspiriert mich nur so halb. Mir ist er irgendwie zu süß. Aber da er A) so verdammt gesund ist und ich B) auch noch den Rest der Packung in meiner Tiefkühltruhe habe, geht da noch was.

Ach ja, Fotos. Hamma net. Tscha.

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Pizza mit Birnen, Gorgonzola und Prosciutto

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Am Abend des Weihnachts-Meetups der DMWHH kam ich mit einem Mordshunger im betahaus an und brauchte keine zweite Sekunde zum Überlegen, als man mich fragte, ob ich mitkäme, Pizza essen im Slim Jim’s. Ich wollte da eh schon immer mal hin. Beim Vorbeigehen hatte der Laden gemütlich und gemütlich voll ausgesehen.

Ich bin jetzt kein großer Pizzafan, aber die vom dünnen Jim waren der Hammer. “Roma, cittá eterna” sang es in meinem Kopf beim Anblick des knusprigen, aufgeblähten Randes. Ich hatte “was mit Salsiccia”, meiner italienischen Phase folgend. Die Wochenpizza aber, die meine Nachbarin hatte, die war… Alter Schwede, bombastisch ist gar kein Ausdruck! “In Salbei marinierte Birnen mit Gorgonzola und Parmaschinken” Moah! Zum Reinlegen. Wobei wir den Teil mit dem Salbei gar nicht rausgeschmeckt haben, aber der Rest war schon echt pornös.

Am nächsten Tag kaufte ich Birnen, Gorgonzola und Schinken. Es dauerte allerdings noch eine Weile, bis ich mich daran machen konnte – derweil durften die ersten Birnen zum Heiligen Abend in Holundersaft schmoren.

Und dann, vor zwei Tagen, endlich. Den Pizzateig hab ich von hier, wobei ich keine frische Hefe hatte. Die Mengen hab ich außerdem halbiert, da wir ja nur zu zweit sind. Es wurden auch keine zwei Pizzette, sondern eine große, die fast das Blech bedeckte.

Für den Belag:
1 Birne
1 Packung Gorgonzola
1 Packung Mozzarella
1 Packung Prosciutto crudo
1 Handvoll gehackte Walnüsse
Olivenöl
Salz, Pfeffer – beides am besten aus der Mühle

Während der Teig ruht, den Ofen auf 250°C vorheizen und die Birne waschen und entkernen und in dünne Scheiben schneiden. Längs oder quer, ist egal. Ich fand’s einfacher, sie einmal in der Mitte durchzuschneiden, damit hatte ich Zugang zum Kerngehäuse und konnte quasi drumrum-slicen. Gorgonzola und Mozzarella in Würfel schneiden oder sonstwie zerrupfen. In einer kleinen Pfanne ohne Öl die Walnussstücke rösten, bis sie duften.

Sobald der Teig fertig geruht hat, auf dem mit Backpapier ausgelegten Backblech ausbreiten. Ich hab versucht, den Teig stylish und aus dem Handgelenk in die Luft zu werfen wie die neapolitanischen Pizzabäcker. Ist mir aus naheliegenden Gründen nicht gelungen. Aber na ja, mit einem Nudelholz kriegt man das Ding auch dünn.

Teigoberfläche nun mit etwas Olivenöl beträufeln und dann belegen. Saftig-süße Birne unter kräftigem Gorgonzola an mildem Mozzarella, kombiniert mit lasziv hindrapiertem Rohschinken. Oder so. Salzen und pfeffern und für fünfzehn Minuten in den Ofen schieben. Und dann begeistert alle zwei Minuten ein Foto durch die Glastür des Backofens machen.

Nach der Backzeit die heiße Pizza mit den Walnussstückchen bestreuen (hier gingen auch noch ein paar Blätter Ruccola, die hab ich aber vergessen), in Spalten schneiden und grunzen genießen.

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Chronik eines angekündigten… Kochabends. In Bildern

Rezepte, anyone?

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Jahresrückblick mal anders

Wenn ich schon nichts koche, kann ich doch wenigstens für die Nachwelt auflisten, was ich dieses (Verzeihung: letztes) Jahr so kredenzt hab. Tradition ist Tradition.

Februar:
Gnocchetti sardi con salsiccia

April:
Hackkuchen rot-weiß mit Rahmchampignons (aus der Kategorie “mächtig misslungen”)

Mai:
Lasagne
Hübsch aber pfui (aus der Kategorie “mächtig misslungen”)

Juli:
Salsiccia-Ragout mit Makkaroni
Tagliatelle mit Merguez
Pesto nach Jamie Oliver
Chimichurri

August:
Kürbis-Chili-Topf

Oktober:
Sommerliches Risotto mit Salsiccia
Gefüllte Bischofsmütze mit Steinpilzen und getrockneten Pflaumen
Spaghetti-Kürbis mit Salbei-Butter-Öl

November:
Orientalisch anmutendes Omelett mit Gemüse
Hackfleisch-Gemüse-Auflauf
Borschtsch
Süßkartoffeln aus dem Ofen mit Ziegenfrischkäsequark und Pinienkernen
Rote-Bete-Risotto

Dezember:
Hackfleisch-Gemüsepfanne

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Ungekocht

Das neue Jahr beginnt genau wie das alte aufgehört hat: ohne Kochen. Langsam könnte ich eine Rubrik “Ungekochtes” eröffnen. Quell großer Inspiration und Freude. Oder so.

Dabei hab ich durchaus brauchbares Material im Haus: Süßkartoffeln, einen Hokkaido (ich kann mir das nie merken: wird der mit einem oder mit zwei k geschrieben?), vier Quitten, zwei Putenschnitzel, sogar zwei Hühnebrustfilets, die ich allerdings aus Mangel an Kochlust neulich einfrieren musste, eine rote und eine gelbe Paprika, einen etwas betagten Porree (oder ist der vielleicht schon weg? Hmm), braune Champignons, braune Linsen, gekochte rote Bete, Mozzarella und Feta, Ebly (kennt das noch wer? Was macht man so damit?), frische Kräuter, Eier, Semmelbrösel…. Also fast nichts, was fehlte. Allein die Lust zu kochen. Oder vielmehr die primäre Lust, in der Küche für Klarschiff zu sorgen, damit eine kochlustfördernde Atmosphäre entstehe, bla. Und mir was zu überlegen.

Noch ist also mein Kochmojo nicht wieder da. Abwarten. Weinchen?

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