Sesam öffne dich

Neuerdings mache ich in Tahini. Ich mochte das Zeug früher nie. Schmeckte mir immer zu staubig. Aber jetzt – ist das dieses Erwachsenwerden, von dem alle reden? – hab ich’s für mich entdeckt. Das Gleiche gilt übrigens für Hummus und Falafel, diese ganzen Kichererbsengeschichten. Bei Inbar hab ich mir das Rezept ausgeliehen und seit zwei Tagen esse ich nur noch das zum Frühstück. Na ja, auch zwischendurch.

Ich habe es ein wenig abgewandelt, aber ich finde, das tut der Sauce keinen Abbruch.

In einer kleinen Schüssel gibt man

1-2 EL Sesampaste (gibt’s bei Edeka unter “Tahini” har har), am besten ohne das Öl,
1-2 zerdrückte/gepresste Knoblauchzehen (ich hab so minikleine, deswegen sind’s bei mir eher 2-3),
den Saft von einer halben Zitrone,
Salz und Pfeffer aus der Mühle,
Kreuzkümmel und Paprikapulver (ich hab das süße genommen) und
frische Petersilienblätter, feingehackt

und mischt alles einmal durch. Man braucht keinen Mixer oder Blender oder sonstige HiFi-Küchenmaschinen dazu, ein einfacher Teelöffel oder eine Gabel reicht vollkommen.

Dann fügt man etwas lauwarmes Wasser hinzu und rührt, bis sich alle Bestandteile zu einer hell-beigen Sauce verbunden haben. Konsistenz ist wie immer Geschmackssache. Wem die Sauce zu dickflüssig ist, der nimmt noch etwas Wasser, wer es lieber dichter mag, nimmt noch mehr Sesampaste.

Man kann übrigens auch andere Kräuter nutzen. Inbar redet von Koriander und Minze, ich kann mir auch Thymian, Basilikum oder Dill vorstellen, hab’s aber noch nicht probiert.

Kohlrabi oder anderes Gemüse als Sticks rein, genießen.

Tahini mit Kohlrabisticks

Das Foto ist entstanden, nachdem ich schon angefangen hatte, ich Gierlappen.

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Dockville – Schmockville

Dockville-Tasche

Ich bin seit Tag 1 dabei. Damals, 2007, als wir am Freitag auf dem Kantstein in der Wollkämmereistraße saßen und überlegten, ob wir reinwollen oder nicht und uns dann irgendwann einfach dazu entschlossen, die zehn Euro auszugeben und zu feiern. Wir groovten bei The Whitest Boy Alive und 2Raumwohnung. Damals war es ein zwei-Tages-Festival, den zweiten Tag sparten wir uns. Genug reingeschnuppert. Aber ich wusste, ohne will ich nicht mehr.

Im zweiten Jahr gewannen wir die Eintrittskarten. Zufällig. Unerwartet. Großartig. Vier Karten, zwei mal zwei. Genial. Fettes Brot und Bierdusche von Deichkind bei Vollmond, im romantischen Wäldchen bei Musik von Jakob the Butcher tanzen, den Brombeerbüschen trotzen, tierische Holzskulpturen und den nachgebauten Rethe-Speicher im Wildweststil erkunden. Unvergessen.

Dockville-Holzskulptur

Im dritten Jahr dann die erste Enttäuschung: das Wäldchen abgeholzt, die Holzskulpturen weg, das Gelände merklich kleiner. Wie die Erde: nur ausgeliehen. Dafür steht der Holz-Speicher noch. Immerhin. Neu eine Halle in bis dahin unbekannten Gefilden, die Straße runter. Terra incognita. Dort spielt DJ Phono Daft Punk. Die Luft ist stickig, Schweiß tropft von der Decke. Draußen lauern die Mücken. Am Samstag sitzen wir beim Gig von The Whitest Boy Alive auf dem Deich und lassen uns die Burger-Sauce in den Schoß tropfen.

Das vierte Jahr bringt Regen bei Jan Delay am Sonntagabend, aber da bin ich schon wieder zuhause. Dortgebliebene werden nass bis auf die Knochen, lassen sich aber nicht stören.

Ich fange an, mich nicht mehr an die Bands zu erinnern. Abhängen im Wald und gute Gespräche, das ist hängengeblieben. Mückenstiche und dreckige Klamotten. Absolute Liebe zur Kulisse. Aber auch das Gefühl, dass es nicht mehr das ist, was es mal war. Ein Gefühl, das nicht mehr weggeht.

Irgendwann bin ich zum ersten Mal beim Kunstville dabei, vor dem eigentlichen Festival. Und bin geflasht von der chilligen Atmosphäre und der Schönheit der Kunstinstallationen. Und beschließe, nächstes Jahr wieder hinzugehen.

Stress pur dafür beim Festival ein paar Tage später: das Gelände ist irgendwie noch kleiner geworden, dafür zerfaserter (man muss eine befahrene Straße überqueren und ein hochgehaltenes Seil spielt Fußgängerampel), es gibt mehr Bühnen und Bands als je zuvor – und mehr Menschen. Ich schnappe nach Luft, verkrieche mich im Wald. Da, wo wir immer sitzen. Schön nach wie vor: alte Freunde wieder treffen, die Insel genießen.

Seit zwei Jahren denke ich nun, dass ich mir das nicht mehr geben will – und kaufe trotzdem immer wieder im September zwei Karten. Es ist schwer, sich von alten Gewohnheiten zu lösen. Jetzt hab ich einen Abnehmer für meine Tickets gefunden, der Entschluss ist gefallen: ich werde nicht hingehen. Stattdessen will ich zum Kunstcamp. Die Veranstaltungen interessieren mich nicht, ich will nur gucken, was das Gelände so macht, das mich all die Jahre begleitet hat. Die schöne Industriekulisse voller Mücken und Brombeerbüsche.

Rethespeicher

Vorhin dann – ich hatte per Mail nachgefragt – die Hiobsbotschaft: das MS Artville Gelände ist nur während der Veranstaltungen am Wochenende geöffnet. Seufz.

Dann feiert mal schön. Ohne mich.

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Von Eulen und Lerchen

Ich habe es satt, mich anpöbeln zu lassen.

Dafür, dass ich es wage, nicht wie “normale Menschen” um neun Uhr morgens schon gestriegelt und geputzt, gefrühstückt und womöglich noch stundenlang durch die Gegend gefahren, am Schreibtisch zu sitzen und schon seit Ewigkeiten irgendwelche Papiere oder Bits und Bytes hin und her zu schieben.

Dafür, dass mein “morgens” ein komplett anderes ist als ihres. Dafür, dass es sich erdreistet, nicht bereits um neun, sieben oder gar um fünf Uhr zu beginnen.

Dafür, dass ich mein Frühstück teilweise um 14 Uhr oder gar später zu mir nehme, es aber trotzdem “Früh”stück nenne, weil es eben die erste Mahlzeit _meines_ Tages ist – völlig unabhängig von irgendwelchen von der Gesellschaft dafür aufoktruierten Das-Muss-So-Uhrzeiten.

Ich habe es satt, mich als Langschläfer und Faulpelz beschimpfen zu lassen, nur weil ich nicht mit den Hühnern und der Sonne zusammen meinen ersten Kaffee trinke.

Ich habe es satt, mir von Unbekannten, die weder mir, noch denen ich folge, geschweige denn von denen ich jemals was gehört hätte, sagen zu lassen, um 8:40 am Morgen (sic!) habe man gefälligst längst wach zu sein.

Ne, schon klar.

Ich möchte mich auch nicht erklären oder rechtfertigen (müssen), dass ich ja keinesweges länger, sondern lediglich _später_ als vermeintlich Normale schlafe (und lebe).

Dass mein Tag eben nicht um 22:00 mit einem Buch in der Hand im Bett endet, sondern teilweise erst dann, wenn die ambitiösesten Lerchen unter euch bereits wieder aufstehen.

Ich will mich nicht über diesen vermeintlichen Makel damit trösten (lassen), dass ich den Sonnenaufgang und die Stille am Morgen, wenn die Stadt noch warm unter der Decke liegt, durchaus mitkriege und mich daran erfreue.

Ich glaub, ich dreh den Spieß einfach mal um. Wenn mir irgendwer das nächste Mal mit “oh, ist es schon zwölf oder wieso bist du schon wach?” kommt, dem werde ich ein trockenes “Mensch, du sollst dich doch vorm Schlafengehen nicht so aufregen” entgegen schleudern.

Lerchen – Schmerchen. Könnt mich mal. Ich bin eine Eule.

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Super Ebayer, immer wieder gerne

Stell dir Folgendes vor. Eines Tages kommt dein Chef rein und sagt:

“Leute, wir werden bald ein neues Feature einbinden: ein Bewertungsportal. Da können User ganz einfach unsere Produkte und Dienstleistungen bewerten. Ist das nicht toll? Und ich will jetzt von jedem von euch bis Freitag mindestens zwanzig Bewertungen haben. Die kommen dann ins neue Portal, damit das nicht so leer aussieht, wenn wir starten. Es gibt übrigens auch was zu gewinnen: ein nagelneues iPhone.”

Das Gerät in Chefs Hand sieht verlockend aus. Wolltest du nicht schon immer sowas haben? Also ran an den Speck.

Die Arbeit der nächsten Tage sieht wie folgt aus: Pseudonym erfinden, dazugehörige Wegwerf-Emailadresse erstellen, im (noch geschlossenen) System einloggen, Produkt aussuchen, Bewertung aus den Fingern saugen und ins System einhacken. Pseudonym erfinden, dazugehörige Wegwerf-Emailadresse erstellen, im System einloggen, Produkt aussuchen, Bewertung aus den Fingern saugen und ins System einhacken. Pseudonym erfinden…

Ganze einundzwanzig Bewertungen schreibst du, dann reicht’s dir und du hörst auf. Soll ist erfüllt, außerdem ist das Schreiben von fake Bewertungen nicht ganz das, was dein Herz erwärmt.

Am Ende der Woche wird unter viel Pomp der Gewinner bekanntgegeben. Es ist der aufgeblasene M. aus der Sales-Abteilung, der sich mit der verzogenen Prinzessin F. von Marketing ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert hat, sich aber letztendlich ganz knapp mit 175 gegen 173 Bewertungen durchsetzen konnte.

Während er mit strahlendem genugtuerischem Lächeln das iPhone in Besitz nimmt, lässt du dir diese Zahl auf der Zunge zergehen. Einhundertfünfundsiebzig. Angesichts dessen, was sich während deiner eigenen Bewertungsfakerei an Arbeit auf deinem Schreibtisch angesammelt hast, kannst du nur den Kopf schütteln. Glückwunsch, Kollege. Die Firma weiß deinen Elan zu schätzen.

Bewertungen im Internet. Mein Thema (ok, eines davon). Wieviel kann man drauf geben, was andere über ein Produkt oder eine Dienstleistung so im Internet schreiben? Wie wir mittlerweile wissen (sollten), nicht viel. Gekauft, erstunken und erlogen, allesamt. Oder fast alle.

Wie man die schwarzen Schafe aus der Herde rausfiltert, erklärt dieser Artikel ganz gut. Klar sollte jedem sein: alles, was nach absoluter Wahrheit schreit, sollte zumindest mit einer gehobenen Augenbraue betrachtet werden. Wer kriegt denn schon immer die volle Punktzahl?

Interessant fand ich beim Lesen den Google-Test. Auf den war ich bisher noch nicht gekommen, obwohl ich mich durchaus für einen erfahrenen Internet-Hasen halte. Wären wir auf Twitter, würde ich jetzt den Hashtag #wirstaltwieneKuh nutzen.

 

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Bohrbsen

Ich bin so ein Stadtkind.

Neulich auf dem Markt: “Boah, das sind aber monströse Erbsen!”
Marktbeschicker, grinsend: “Das sind keine Erbsen.”
Ich, große Augen kriegend: “Ach, das sind Bohnen?”
Er: “Wenn das Erbsen gewesen wären, hätt ich sie sofort zurückgegeben.” und packt mir ne Handvoll ein.

Hatte ich also frische Bohnen. Endlich. Das hier will ich schon so lange mal machen.

Und so sah das dann gestern bei mir aus:

frische Bohnen vom Markt, noch in der Tüte

Frisch vom Markt

einsichten ineine Bohnenschote

Zeig mir dein Innerstes, Baby.

Bohnenschoten, leer

The remains of the Pulerei

dicke Bohnen, aus den Schoten befreit

Ausbeute, die erste

Bohnenkerne nach dem Kochen

Schrumpelig nach dem Kochen

Bohnenhäutchen, abgepult

Elende Fummelei

gepulte und enthäutete Bohnenkerne

Ausbeute, die zweite

Endergebnis Bohnenpüree

Auf die Löffel, fertig, lecker!

Der Mann so: “Mhm, lecker. Schmeckt nach Erbsen.”

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Bolo porn

Lamm-Bolognese mit Wein für die Köchin

Es gibt Kombinationen, die gehören einfach zusammen: Romeo und Julia, Himmel und Hölle, Rindfleisch und Rotwein. Ich hab gestern eine entdeckt, die mir vorher so nicht bewusst war: Lamm und Minze.

Bei meinem Edeka gibt’s neuerdings (oder vielleicht schon immer, aber was weiß ich schon?) Lammhack. Tiefgefroren freilich, denn sie dürfen kein Frisches verkaufen. Als ich vor einigen Tagen mit dem Mann dort war, hab ich mir vorsorglich zwei Packungen in den Korb gelegt. Wer weiß, wann’s das wieder gibt?

Und dann durfte der Mann sich was wünschen. Er lehnte das Hackbällchen-Ragout mit Kichererbsen in Tomatensauce genauso ab wie den Lammhack-Burger und den Mangold-Lamm-Auflauf. Übrig blieb die Lamm-Bolognese, die ihm große Augen machte.

Ich weiß nicht, ich war nie wirklich ein Bolo-Fan. Klar, ist lecker und wenn man da ne Tonne Parmesan draufstreut, haben die glitschigen Spaghetti auch eine Chance, aber so richtig vom Hocker gerissen hat mich dieses nicht-italienische Fake nie. Deswegen mach ich Spaghetti, Verzeihung: Nudeln Bolognese wenn überhaupt, dann nur dem Mann zuliebe – in der Hoffnung, dass ich ihm beim nächsten Mal wieder was von “meinen” Sachen reindrücken kann. Böse, ich weiß.

Aber wir hatten Lammhack. Und mit Lamm wird eh alles besser. Flugs noch eine Packung Tagliatelle (die guten, mit Bronzeformen, wegen der Saucenhaftigkeit) besorgt und eine Flasche vom guten Roten aus dem Keller hochgeschleppt. Los geht’s.

Tagliatelle mit Lamm-Bolognese (für 2-4 Personen)
Olivenöl
500 Lammhack
2-3 mittlere Möhren
1-2 Selleriestange mit Kraut
1-2 rote Zwiebel
2-3 Knoblauchzehen
2 Gläser guter trockener Rotwein
400 Gramm Tomaten aus der Dose
Kräuter & Gewürze: Oregano, 1 Lorbeerblatt, 1 Zimtstange, 1 Prise Chili, Salz, Pfeffer
Nudeln: Tagliatelle oder was immer ihr wollt und da habt (wer wird schon so päpstlich sein?)
Parmesan (einen halben Kaffeebecher voll)
Butter (ca 2 EL)
frische Minzblätter, gerupft (ca 1 Kaffeebecher voll)
das Kraut vom Sellerie, leicht gehackt oder zerrupft

In einer genügend großen Pfanne etwas Öl erhitzen und darin das Lammhack mit einer Prise Salz für ein paar Minuten braten, bis es durchgehend braun ist. Derweil Karotten, Sellerie (ohne das Kraut) und Zwiebeln fein hacken oder in der Maschine von grob nach fein pulsen. Den Knoblauch pressen.

Das Fleisch mit einer Schöpfkelle aus der Pfanne geben und beiseite stellen. Das Gemüse mit einer Prise Salz in die Pfanne geben und für ein paar Minuten glasig braten. Den gepressten Knoblauch dazugeben und kurz weiter rühren. Mit dem Rotwein ablöschen (und schön den Boden der Pfanne mit dem Holzlöffel schrubben, da stecken die ganzen Aromen drin). Bei kleiner Flamme die Flüssigkeit einkochen lassen. In der Zwischenzeit kann man dann ganz privat den guten Roten reduzieren.

Wenn der Sud zur Hälfte reduziert ist, Tomaten, Oregano, Lorbeer, Zimtstange und Chili dazugeben und 10 Minuten weiterköcheln. Fleisch zurück in die Pfanne geben, alles umrühren und noch weitere 20 bis 30 Minuten simmern lassen. Hier musste ich übrigens alles aus der Pfanne in den großen Topf umschichten, weil der Berg drohte umzukippen. Ist egal, Hauptsache genug Platz zum Rühren.

In der Zwischenzeit einen großen Pott Wasser aufsetzen und zum Kochen bringen. Wenn das Wasser kocht, ordentlich salzen (ich erinnere: Meerwasser!). Etwa 10 Minuten vor Fertigwerden der Sauce die Nudeln ins kochende Salzwasser geben und umrühren. Und schön darauf achten, dass die Nudeln nicht verkleben. Aber hey, bitte kein Öl ans Kochwasser, das ist pfui!

Wenn die Pasta al dente ist (meine Tagliatelle brauchten 8 Minuten) aus dem Wasser fischen und tropfend zur Sauce geben (ODER einen halben Kaffeebecher voll Kochwasser zurückbehalten und dann die Pasta abgießen). So oder so landet die Pasta jetzt in der Saucenpfanne. Umrühren, damit die Nudeln sich mit der Sauce vermischen, dann das zurückbehaltene Kochwasser, den Parmesan, die Butter, 2 EL Olivenöl und das Grünzeug (Minze und Selleriekraut) dazugeben und alles ordentlich miteinander vermischen. Sobald die Butter geschmolzen und alles vermischt ist, servieren und genießen.

Hallelujah, DAS ist ne Bolognese, ich sach’s euch! Ich will nie wieder eine andere kochen oder essen. Das Aroma vom Lamm in Kombination mit der Frische der Minze ist göttlich. Und dazu der lange eingekochte Rotwein. Hammer! Ich hatte übrigens eine Mischung aus diesen beiden, weil: der linke ist zwar schon sehr gut, aber der rechte hat noch mehr Schmachtfaktor.

rotweinmix_bolognese

Der Mann, glücklich, zwischen zwei Bissen: “Das ist keine Bolognese, das ist Porn.”

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